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Shana Koch

Frau Kolumna!

Mittwochabend in Berlin-Friedrichshain. Es ist etwa halb 8 und wir stehen vor dem Astra Kulturhaus. Aber nicht alleine: Um uns herum noch etwa 1500 Feierwütige. Niemand Geringeres als US-Rapper A$AP Rocky soll heute hier eines seiner drei Deutschlandkonzerte spielen.

Der routinierte Konzertgänger ist ja schon das eine oder Andere von internationalen Acts gewohnt, so reihen wir uns pünktlich gegen zwanzig Uhr mit gemischten Gefühlen in die Schlange vor dem Einlass ein und sind gespannt, was uns erwartet.
Hier fällt schon auf, wie wahnsinnig viele Menschen ohne Ticket zum bereits Wochen vorher restlos ausverkauften Konzert kommen, um dann völlig resigniert feststellen zu müssen, dass ja tatsächlich keine Abendkasse existiert. Na sowas.
Dann bleiben ja aber immerhin noch die zahlreichen Minderjährigen, die zwar im Besitz eines gültigen Tickets sind, jedoch ohne entsprechende Begleitperson keinen Zutritt zum Konzert bekommen sollten. So wechselt dann doch noch das ein oder Andere Ticket für absolut unvorstellbare Preise den Besitzer.

Zwischen jeder Menge Mädels mit Highwaistshorts, Goldkettchen und wahlweise auch den "ASAP"-Schriftzug in den kurz rasierten Undercut gefärbt, lässt sich dann natürlich auch die eine oder andere Persönlichkeit ausmachen, die man kennen sollte. Da kann es dann auch schon einmal passieren, dass Max Herre und Afrob mit Kindern im Gepäck mit zum Publikum gehören. Wie gesagt, geht ja nichts ohne Erziehungsberechtigte. Bleibt dann nur die Frage offen, was Max und Aftob selbst vom Konzert so halten.
Mit einem Blick nach hinten wird übrigens auch deutlich: Früh kommen lohnt sich. Der Einlass geht relativ schnell von Statten und die Schlange, die sich über den kompletten Vorhof des Astra erstreckt, scheint einfach kein Ende zu nehmen.
Drinnen angekommen verbleibt noch jede Menge Zeit, bis das Spektakel überhaupt beginnt. Die ersten, hartnäckigen Fans haben sich schon in den ersten drei Reihen vor der Bühne manifestiert, der Rest findet sich langsam irgendwo zwischen Bühne, Bar und überteuertem Merchandise ein.

Der Konzertbeginn war offiziell für 21 Uhr angekündigt, überraschend pünktlich betreten dann auch Joey Fatts und A$ton Matthews, die den Support für Rocky übernehmen, die Bühne.
Viel mehr als dann doch ab und zu die "hands up" zu nehmen, ist dann aber auch beim besten Willen nicht drin und so wird der Support dann eher als nette Nebenbeschäftigung während des Wartens auf Rocky abgetan. Nach einer knappen halbe Stunde sind die Beiden auch schon mit ihrem Programm durch und verlassen die Bühne wieder.
Dann gab es das übliche Szenario, was sich deutschen Fans in den meisten Fällen auf internationalen Konzerten bietet: Warten, warten und noch länger warten.
Fast anderthalb Stunden durfte sich die Feiermeute die Beine in den Bauch stehen und darauf warten, dass auf der Bühne denn nun endlich mal etwas passiert. In der Zwischenzeit saß Rocky vermutlich tiefenentspannt im Backstagebereich und hat noch circa einen bis zwanzig Joints geraucht. Immerhin machen seine Anhänger es ihm nach und so scheint sich für das offizielle Rauchverbot in der Location niemand auch nur ansatzweise zu interessieren.

Um kurz nach dreiundzwanzig Uhr ist es dann endlich soweit: Es wird wieder dunkel, das Publikum fängt natürlich erstmal auf Gut Glück an zu Jubeln, wahlweise der weibliche Part auch wie von Sinnen zu kreischen, und der Rapper aus Harlem, New York betritt endlich die Stage.
Eine Stunde lang zieht Rocky sein Bühnenprogramm durch. Zwar leider komplett mit Playback-Einsatz, was die Menge aber nicht davon abhält, mindestens genau so krass auszurasten, als wär jedes Wort live gerappt und auch genau so gemeint. Spätestens als er Songs wie "Long Live A$AP" oder "PMW" spielt, lassen sich auch die letzten Skeptikper überzeugen, dass man doch wenigstens ein wenig feiern könnte.
Zwischen den Songs gibt es an und an kürzere Pausen, die an und für sich jedoch ganz angenehmwaren, da die Temperatur im Astra schon kurz nachdem Rocky die Bühne betrat,gefühlt 70 Grad angenommen hat.
Als er in einem Monolog, bevor er "Wild for the Night" spielt, erklärt, dass er nun wirklich jeden einzelnen anwesenden Menschen im Raum ausrasten sehen möchte, überlegt er nicht lange und springt kurzerhand mit einem riesigen Satz ins Publikum und beginnt den Song stilecht crowdsurfend - Glück gehabt, dass anscheinend keine Cap-Kleptomanen anwesend waren. - Während der Dortmundshow einen Tag zuvor wurde ihm nämlich doch tatsächlich die gute Supreme-Cap bei seiner Crowdsurfing-Aktion vom Kopf geklaut, woraufhin er das Konzert abbrach. Kann man ja mal machen.

Ein Fan, der eigentlich auch nur durch die Menge schwimmen wollte, wird außerdem direkt von Rocky auf die Bühne geholt, um ein bisschen mit ihm zu feiern. Dumm nur, dass besagter Typ ausgerechnet ein Odd Future Shirt trug. Kein Ding für Rocky, da wird dann mal eben vom Merchguy ein Shirt angefordert, und der arme Junge erst einmal mit den richtige Klamotten ausgestattet.

Zwischendurch liefert der "pretty motherfucker" ruhigere Songs, und man hat tatsächlich die Möglichkeit, wieder ein wenig Luft zu bekommen. So ist dann zum Beispiel auch plötzlich "everything purple" - so passend zum "Purple Swag".
Als Abschluss der rund einstündigen Show von A$AP Rocky musste natürlich noch der Song kommen, auf den alle gewartet haben: Mit "Fucking Problems" erreichte Rocky gemeinsam mit Drake, 2Chainz und Kendrick Lamar, die als Featuregäste auf dem Song vertreten sind, den Durchbruch. Den kann man natürlich nicht einfach so ohne Weiteres spielen. Keine zwei Minuten später stehen schon die ersten "bad bitches" gemeinsam mit A$AP auf der Bühne, um den Abschluss der Show zu feiern.
Nach ausführlichen Danksagungen an Berlin und dem Versprechen, doch bestimmt ganz bald wieder nach Deutschland zu kommen verabschiedet sich Rocky schließlich und verschwindet im Backstagebereich. Zurück lässt er eine Luftfeuchtigkeit von gefühlten 120% in der gesamten Location, eine durchgeschwitzte Menschenmenge und die Hoffnung, dass die künftigen Auftritte in Deutschland noch ein wenig besser werden. Bis zum nächsten Mal.




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