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Oliver Marquart

http://twitter.com/doktorallesklar

Eine Reise, die ist lustig... Moment, das heißt eigentlich Seefahrt. Von Berlin nah Köln fahren jedoch derzeit keine Schiffe. Also musste die gute alte Lufthansa herhalten. Denn schließlich fand am Freitag das Aufeinandertreffen der Giganten in der Rheinstadt statt. Das wollte und konnte sich die rap.de-Redaktion in Person von Volontär Phil Weichert und meiner Wenigkeit nicht entgehen lassen. Naja, entgangen ist uns dann doch das eine oder andere - doch von vorn.

Taxi zum Flughafen? Ach, wozu denn. Die BVG bringt uns doch in einer lockeren halben Stunde nach Tegel. Behauptet sie auf ihrer Webseite jedenfalls. Also, ab zum Ernst-Reuter-Platz, wo der sagenumwobene X09-Bus direttamente zum Airport TXL starten soll. Soll. Tut er aber nicht. Es gibt sehr viele Bushaltestellen am Ernst-Reuter-Platz, also wirklich sehr, sehr viele. Das Dumme ist, dass nicht eine von ihnen den besagten X09 im Schild führt. Es gibt M48, es gibt 148, es gibt dies, es gibt das - es gibt keinen X09.

Gut, egal. Einfach zur nächsten Station laufen, Richtung ist ja klar. Besonders viel Schnee liegt auch nicht - Sport frei. Oh, was ist denn das? Na, der X09 natürlich. Der uns dezent von hinten überholt und mit dümmlichem Gesichtsausdruck am Straßenrand stehen lässt. Tja. Taxi zum Flughafen? Taxi zum Flughafen.

Langsam wird die Zeit knapp, der Flug geht in einer halben Stunde - denken wir jedenfalls. Doch am Flughafen angekommen, dem Fahrer im Aussteigen noch rasch die geforderte Summe in die Hand gedrückt und zum Schalter gejoggt - und schon wieder schlechte Nachrichten. Lufthansa-Flug nach Köln-Bonn um 15 Uhr: gecancelt. Schneechaos in Köln-Bonn. Der nächste Flug geht erst um halb 7. Geil. Der Typ am Lufthansa-Schalter erweist sich zudem als philosophisch geschulter Kopf: Auf die (selbstredend rhetorische) Frage, ob die nächste Maschine denn ganz sicher starten werde, hebt er mit Unschuldsmine die Schultern und erwidert "Im Flugverkehr ist gar nichts sicher." Gut zu wissen.

Also drei Stunden am Flughafen hängen. Erstmal den von der Lufthansa großzügigerweise bereitgestellten Erfrischungsgutschein bei einer größeren Burgerkette verfressen - schon mal eine halbe Stunde rum. Hm. Für Air Berlin scheint in Köln-Bonn übrigens kein "Schneechaos" zu herrschen - eine nach der anderen AB-Maschine hebt in Richtung Rheinland ab. Die Lufthansa sieht sich dazu anscheinend nicht in der Lage.

Nach einigen weiteren Verzögerungen und Verspätungen sowie der Erkenntnis, dass ein halber Liter Bier am Flughafen 6 Euro kostet (!), landen wir aber pünktlich um halb 8, naja, eher um 8 in Köln-Bonn. Bisschen Hektik ist angesagt - schließlich soll das Spektakel bereits in einer knappen halben Stunde losgehen. Taxi zum Hotel, einchecken, frischmachen, ab zum Shuttle. Ach so, fährt erst um halb zehn wieder. Geil.

Fährt nebenbei auch nicht direkt zur Venue, sondern dreht noch eine kleine Runde durch die verschneite Kölner Innenstadt. Ist ja auch schon egal. Gegen halb 11 treffen wir im Palladium ein und sehen - den letzten Song, den Kraftklub und K.I.Z. zusammen performen. "War voll geil!" brüllt man uns alle zwei Minuten entgegen. Schön. Ham wir uns schon gedacht. Wenigstens sind die Getränke kostenlos. Kölsch läuft gut rein.

Inzwischen haben wir auch den Praktikanten Jakob eingesammelt, der es aus unerfindlichen Gründen mit dem Auto weit schneller als wir mit dem Flugzeug nach Köln geschafft. Jakob hat die so gewonnene Zeit gut genutzt, sprich, sein Pegel ist uns ein Vorbild, dem wir sogleich eifrig und freudig nacheifern. Mit dem Shuttle geht's zur Afterparty (no, haha, homo) in irgendeinen kleinen Kölner Club.

Die Beschallung mit knalligem Electro, gelegentlich aufgehübscht um ein paar Rap-Elemente ist zwar nicht wirklich der Bringer. Aber dafür haben die Veranstalter etwas anderes total richtig gemacht. Neben der Bar stehen fünf riesige silberne Tabletts voll mit Mettbrötchen, dazwischen eine große Schüssel mit Zwiebeln. Kölner Willkommenskultur vom feinsten.

Zu vorgerückter Stunde beobachte ich ein Mädchen, dass sich ein Mettbrötchen gönnt, jedoch ohne vorher ca. dreihundert Gramm Zwiebeln darüber gekippt zu haben, wie alle anderen normalen Gäste. Ich weise sie auf diesen Fehler hin und nachdem ich ihr außerdem versichert habe, über einen beträchtlichen Vorrat an Tic-Tacs zu verfügen, greift die junge Dame herzhaft zu. Na also. Das mit den Tic-Tacs erweist sich allerdings als Missverständnis - die liegen noch brav im Hotel. No kisses tonight.

Gegen vier Uhr leert sich der Club langsam, während es sich bei der rap.de-Redaktion eher umgekehrt verhält: Die ist langsam recht voll. Also, voller Liebe für die schöne Stadt Köln sowie den großzügigen Veranstalter, der dies alles möglich gemacht hat und sogar Shuttlebusse zum Hotel zurück bereit gestellt hat. Dort angekommen wird ersmtal Rockstar-mäßig das Bad zerlegt, der Spiegel zertrümmert sowie ein paar Fenster aus den Angeln gerissen - kann aber auch sein, dass wir das nur geträumt haben, denn nach ca. drei Stunden Schlaf sieht durch hängende Lider alles wieder aus wie vorher. Zumindest im Hotelzimmer...

Nach einer kleinen Stärkung am Frühstücksbuffet - Jakob hat sich schon gen Berlin aufgemacht - gibt sich die verbliebene rap.de-Redaktion noch das volle Kulturprogramm, sprich: ab zum Dom. 533 Stufen hört sich vielleicht viel an. Verkatert zieht es sich allerdings doch ein bisschen, zumal die enge Wendeltreppe im dezent versumpften Hirn der beiden rap.de-Recken einen ordentlichen Drehwurm auslöst. Egal. Oben angekommen ist alles vergessen, alles wieder gut. Die Sonne bescheint ein weihnachtliches Köln, das so von oben betrachtet wirklich schön ist. Es ist ein feierlicher, ja, ein heiliger Moment. Wir sind gerührt. Wir sind ergriffen. Guten Gewissens hauen wir uns im Gaffelbrauhaus noch ein paar Kölsch rein und treten völlig kaputt, aber zufrieden den Heimflug an.

Der ist im übrigen nicht nur ausgesprochen pünktlich (gerade mal eine halbe Stunde Verspätung, Kleinigkeit), sondern mit unserem Außenminister, Herrn Dr. Westerwelle auch ausgesprochen prominent besetzt. So kommt es, dass die Herren rap.de-Redakteure eingerahmt von zwei kräftig gebauten Herren so sicher wie in Ibrahims Schoß zurück nach Berlin reisen.

Und damit endet die Geschichte dieses kleinen Ausflugs. Die Erkenntnisse waren zahlreich, die wichtigsten aber kann man leicht zusammenfassen:

-Pläne kann man vergessen

-Air Berlin fliegt bei jedem Wetter

-Der Bodyguard von Guido Westerwelle mag keinen Tomatensaft

-In Köln herrscht an Weihnachtsmärkten ebenso wenig Mangel wie an Erotikshops

-Schön war's.

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