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Florian Reiter

(„Parallel dazu...“ ist eine neue Kolumne auf rap.de, die zweimal pro Woche die interessantesten Neuerscheinungen aus den USA und von anderswo vorstellt. Egal ob Hochglanzvideo, Gratis-Mixtape oder billiger Radio-Rip: Hauptsache geil.)

Lil Wayne

Vielleicht betrachten wir ja alle diesen Lil Wayne völlig falsch. Was ist, wenn Weezy F. Baby eigentlich ein Mixtape-Rapper ist, der das mit den Alben in Wahrheit gar nicht so richtig kann und einmal nur aus Versehen einen echten Klassiker (Tha Carter III) fabriziert hat? Ich meine, natürlich ist der 29-Jährige von den Papooses dieser Welt so weit entfernt wie Azad von einem guten PR-Berater. Aber dennoch ist auffällig, wie sehr Weezy jene überbordende Kreativität, die seine Mixtapes zu einem echten Spektakel geraten lässt, auf Albumlänge immer wieder im Weg steht. Da muss dann plötzlich das Gitarren-Game erobert oder die Messlatte in Sachen Auto-Tune-Peinlichkeit noch einmal nach oben geschraubt werden, ohne Rückblick auf Geschmacksgrenzen.

Auf Mixtapes hingegen macht sich Tunechi überhaupt keinen Kopf, sondern hat einfach Spaß am Rappen und styled vor sich hin. Das Ergebnis: pure Euphorie. So auch bei seinem neuem Tape Dedication 4, das wenige Minuten nach dem Release auf livemixtapes.com direkt mal sämtliche Download-Kapazitäten pulverisierte. Und das auch zurecht: Was wir auf Dedication 4 hören, ist der beste und hungrigste Weezy seit langem. So fly, dass er an Arachnophobie leidet. Mindestens so high wie Captain Kirk. 60 Minuten Stream of Consciousness eines Rappers, der ganz klar noch den vielzitierten Hunger for More verspürt. Schwer beeindruckend etwa, wie Weezy auf dem krawalligen Instrumental von So Sophisticated einsteigt. Grandios, wie er sich auf Burn selbst die Liebe auf den ersten Blick erklärt (Hello, I am Tunechi / you had me at hello). Der Höhepunkt ist jedoch erreicht, wenn der Dr. Carter wie schon unzählige Kollegen vor ihm auf den I Don't Like-Beat hüpft und ihn dennoch krasser zerlegt, als es irgendjemand zuvor hinbekommen hat. Dedication 4 ist das erhoffte Lebenszeichen eines der versiertesten MC's dieser Generation. Oder um es mit Weezy selbst zu sagen: “Still eating rappers on my fucking lunch break.”

Ebenfalls mit einem neuen Mixtape am Start ist Joey Bada$$, das 17-jährige Wunderkind aus Brooklyn, das zuletzt mit dem 1999-Tape für Furore gesorgt hat. Das Spannende an Joey ist ja, dass wir es hier mit einem Kid Baujahr '95 zu tun haben, das trotz der Gnade der späten Geburt mehr auf Lord Finesse als auf Waka Flocka abfährt. Dass besagtes Kid dann auch noch mit ungeahnter technischer Virtuosität seine Reimketten auf alte Boombap-Bretter der Neunziger ballert, ist gleichermaßen schwer zu glauben wie grandios. Als eine Art Nachzügler hat Joey jetzt ein Mixtape namens Rejex rausgehauen, auf dem der Jung-MC zum größten Teil Songs versammelt, die es nicht auf 1999 geschafft haben. Dass in der Ausschussware, die es nicht auf ein Mixtape geschafft hat (!), immer noch mehr Perlen enthalten sind als anderswo auf Albumlänge, sagt einiges über das irrwitzige Talent, mit dem wir es hier zu tun haben.

Das neue Video von Azealia Banks wird derweil ganz eifrig in den unzähligen Modeblogs dieser Welt gefeiert – was demonstriert, wie sehr die 21-Jährige bereits als Style-Ikone wahrgenommen wird, gleichzeitig aber auch ein bisschen schade ist. Denn bei dem ganzen Hype um ihre Inszenierung geht immer ein bisschen unter, was für eine brutale Rapperin sich hinter den ganzen netten Hipster-Brillen und eleganten Zweiteilern verbirgt. 1991 ist dabei ein gutes Beispiel, denn wie mühelos Azealia sich durch den Uptempo-Beat des Titeltracks ihrer EP manövriert, ist schon ein kleines Spektakel. Dass sie sich dazu noch zu kleiden weiß, ist für den gemeinen Raphead (um diesen wunderschönen Begriff mal wieder auszugraben) nur ein Bonus. Das Debütalbum Broke With Expensive Taste soll am 13. Februar erscheinen.

Azealia Banks - “1991” (Video)


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