Connect

PREMIUM BLOGS

Über den Autor

Rhymin Simon

Rhymin Simon has not set their biography yet

Rhymin Simon, seines Zeichens Battlerapper der ersten Stunde, hat sich für rap.de beim diesjährigen splash! verschiedene Auftritte angesehen. Da sein Kopf dermaßen auf Battle und Competition geeicht ist, wurden in seiner Vorstellung daraus, klar, Battles. Konzert-Battles. Unfassbar. Wer hat sowas? Die dritte Runde macht der King of Rap mit sich selbst aus.

Battle Nummer 3. Kool Savas 2012 gegen Kool Savas 2005. Eigentlich sollte dies epische Battle Nummer 3 ja Nas gegen Kool Savas heißen, aber diese Geschichte wäre wohl so schnell erzählt wie mein erstes Mal. Viel Alkohol, eine Klassenkameradin mit riesen Glocken macht Spagat in meinem Kinderzimmerbett und ich schlafe während des Aktes auf ihr ein. Als ich aufwache, frage ich mich wie lange ich wohl geschlafen habe. Sekundenschlaf? Oder eher ein halbstündiger Powernap? Ich versuche die Antwort in ihrem Gesicht zu finden. Mir fällt auf, dass ich sie vorher nie wirklich angeguckt habe und daher nicht lesen kann, was sie wohl denkt. Fuck it, zu Ende machen, fertig.

Sorry, zurück zum Thema. Ja, Nas gegen Savas. Dieses Battle der Auftritte wäre wohl ebenso schnell erzählt. Dazu kommt, dass ich kein großer Nas-Fan bin. "Ich mag nicht Nas oder Jay Z, ich mag beide“ – nein, eben nicht. Ich mag ja auch nicht Biggie und Pac, nicht Dre und Eazy. Nein, ich mag immer nur einen. Okay, das Nas-Savas-Battle würde natürlich komplett Sinn machen. Der King of Queens(bridge) gegen den König aus Kreuzberg. Das Vaterland des Rap gegen Raps neue Heimat, quasi. Der Ami, der damals seinen Splash-Auftritt wieder mal verpasste und der Deutschtürke, der diesen Slot bekam und sein bis dahin größten Auftritt hatte. Zwei absolute Schwergewichte am Mic. Aber, … langweilig. Während Nas mit Band kam und all seine Hits spielte, kam Savas mit DJ und spielte seine alten Hits nicht. Der große, große Vorsprung der Amis ist in den letzten Jahren ebenfalls deutlich geschmolzen, und so gewinnt Savas nach Punkten. Ende. Aber will jemand sehen, wie sich Essah (2012) gegen S-A-V (2005) schlägt? Okay, let’s go homey. Oder, ich hab kein Bock es selber zu denken, Simon schreib es für mich.

Der aktuelle King Kool Savas, in den letzten Jahren gefühlt öfter umgezogen als MC Rene, gegen seinen sieben Jahre jüngeren Kontrahenten aus Berlin, King Kool Savas. Alles beim alten. Das weiße XXXL-Shirt ist etwas kleiner geworden, oder der King etwas fülliger, aber ansonsten spittet hier der King of Rap gegen den King of Rap.
3, 2, 1. Los geht’s. 2012. Feuer. Alle Blicke Richtung Bühne 2012. Aus den riesigen Boxentürmen schallt ein Zusammenschnitt von Punchlines aus den besten Savas-Tracks, so als eine Art Intro zum warmwerden. Das kommt ähnlich wie das Devin Tha Dude-Intro vom "To Tha X-Treme“-Album und macht auf jeden Fall sehr viel Bock auf den Auftritt. Die Menge erwartet ihn, sehnt ihn herbei, den King of Rap. Und dann kommt er, endlich. Kool Savas, Deutschlands bester Rapper aller Zeiten, steht auf der Bühne. Und das, um gleich klar zu stellen, dass er der beste, ja, der erste und einzige (sorry, Splash-Deutsch beachten) – der einzigste Rapper ist. Nichts gab es vorher – keine Flows, keine Beats, gar nichts. "Und dann kam Essah - Ohh Ohh!“ und das Publikum stimmt zu. "Ohh Ohh!“. Mega. Jeder andere Act des Splash sollte sich sofort klar darüber werden, dass er nicht mal eine Randnotiz auf der schäbigsten, kleinsten Internetplatform wert sein sollte. Wenn Essah kommt, haben die anderen zu schweigen.

Doch was denkt oder fühlt S-A-V auf der gegenüberliegenden Bühne wohl, mit seiner Fähigkeit sieben Jahre in die Zukunft zu blicken. "Und wenn einer aus meiner Crew mich frontet, fick ich ihn auch“. Okay, Zeit zu ficken. Absurd, aber es ist so, Spax, ausgesprochen wohl Schpaks (vielen mögen ihn nicht mehr kennen – youtube sollte hier helfen – das wird echt lustig Freunde – versprochen: Euch erwartet ein junger Mann, der sich und Rap so verbittert ernst nimmt, dabei so unentspannt und peinlich wirkt wie Sachsen-Paul am Pornoset, dass Fremdschämen garantiert ist.), ja, dieser Spax kündigt Kool Savas an. Dann kommt er auf die Bühne – anstelle von Nas, wie gesagt. Es ist dunkel. Es ist Chemnitz. Es nieselt. Blitze zucken durch die Luft. Okay, Blitze sind nicht wirklich da, aber die HipHop-Heads auf dem Ackerland spüren diese Elektrizität. Dieses epische Intro kommt ähnlich fesselnd wie auf der 2012er Bühne und auch hier wird das Publikum direkt eingebunden: "Optik Boom – Optik“, Publikum: BOOM. Auch Mega.

Und so geht es weiter. Ganz schnörkellos, ganz Rap, ganz voll-in-die-Fresse. Ohne schwule Gimmicks. Hier steht ein Rapper, der weiß, dass er das nicht nötig hat. Nicht nötig und vor allem keine Zeit. In gefühlten 110% Battle-Rap wird hier klargemacht, warum sich Savas "King of Rap“ nennen darf. Und das gilt für beide Bühnen, sprich 2005 und 2012. Das Publikum scheint hin- und hergerissen zwischen den Bühnen. Die verschiedenen Songs werden ineinander gemixt, nicht zwingend zu Ende gespielt, neue Beats drunter geschoben. Das ist alles sehr professionell gemacht. Eigene Beats – Ami Beats. Ob mit DJ Nicon oder einem anderem DJ, da kann man kaum größere Unterscheide erkennen. Das läuft. Pausen kommen nur ab und zu, und diese sind auch ziemlich kurz gehalten. Savas hat nicht viel zu erzählen. Er lässt die Songs für sich sprechen. Und diese Songs sprechen. Nein, sie sprechen nicht, sie zeigen. Denn Savas-Worte verwandeln sich im Kopf der Savas-Jünger automatisch in Bilder. Und so scheint Savas weniger der Rap-Roberto-Blanko als der Rap-Steven-Spielberg oder gar der Rap-Tom-Six zu sein. "Es ist die Aura“, japp.

Diese Aura oder Präsenz ist einfach überwältigend. Da kann niemand mithalten. Niemand. Kein Deutscher. Kein Ami. Und das gilt gleichermaßen für Essah und S-A-V.
Gut, aber wo ist der Unterschied zwischen den beiden gegeneinander antretenden KKSs auszumachen. Klar die Reife. Bei sieben Jahren Altersunterschied aber ja auch klar. Die DJs haben sich ebenfalls wieder gewechselt, wie erwähnt, ebenso die Back-ups. Das läuft aber alles wie geschmiert und eben im Hintergrund, da strahlt die Aura Savas‘ einfach drüber. Dennoch ist das Schnellsprechwunder Laas, diesmal ohne Rucksack, so etwas wie der i-Punkt. Der bringt bei all der Aura und Atmosphäre etwas Greifbares rein. Das sieht gut aus und reiht sich auch gut in die lange Historie von Savas' Back-ups seit dem legendären Jack Orson ein. Vor allem stimmlich. Als Geschenk hat er dann auch seinen eigenen Part bekommen. Das unterbricht natürlich etwas dieses Magische, wenn Savas alleine rappt, aber dennoch fügt sich das einigermaßen ein, wie die anderen Auftritte von Savas‘ Freunden auch. Tone, Alpa, Automatik, Curse, Erc, Olli Banjo, wen habe ich vergessen?, werden auf der 2012er Bühne grad mit eingebaut, auch wenn Savas die Texte teilweise scheinbar nicht gut kennt, oder backen einfach keine sehr königliche Aufgabe ist, oder bekamen gar einen ganz eigenen Slot. "Und was ist jetzt?“, Curse' Trauersong spielt inklusive zauberhaftem "ich bin nur öööööörn ex“ mit den Gefühlen des Publikums.

Da schüttelt Savas auf der 2005er Bühne verwundert den Kopf. "Du bist frei, Curse, nutze die unendlichen Möglichkeiten mit betrunkenen Mädchen auf dem Zeltplatz“ brüllt er der 2012-Bühne entgegen. Und das Publikum? Ebenfalls leicht mitgenommen. Lag es an den schmerzenden Erinnerungen an die frühere Liebe oder aber am totalen Bruch der Show? Auf der 2005er Bühne gibt es das nicht. Hier ist der King der King und duldet keine anderen Kings neben sich. Essah 2012: "Curse, auch ein wahrer King of Rap“. Das verwirrt.

Der vielleicht größte Unterschied ist die Trackauswahl. Während auf 2012er-Stage relativ viele Tracks gespielt werden, die auf eine gute Live-Tauglichkeit und der Erzeugung einer königlichen Aura abzielen, spittet S-A-V auf der 2005er Bühne grad diese richtig fiesen, frauenverachtenden, sexistischen, ekligen … ja … wie soll man sagen … Meisterstücke, also all die Songs, die vom 2012er-DJ nur im Intro angespielt wurden. Okay, es gibt kein gut oder schlecht, richtig oder falsch, nur die Konsequenzen zu einer Handlung (habe ich vermutlich mal bei Curse oder so gehört) und so scheint das Publikum mehr von den legendären Du-findest-Stellungsspiele-scharf-die-einzige-Stellung-die-ich-kenne-is’-mein-Schwanz-in-deinem-Arsch-Reimen des Kings angezogen zu sein. Zumindest blickt die Crowd in Richtung 2005er Bühne. Zwei Songs, die das untermauern. 2005. "LMS". Die Menge tobt. "Alle Nutten mit viel Geld“ … Untertanen: "Lutsch mein Schwanz“. Was setzt Essah dem entgegen? Technopilot. Die Massen gehen ähnlich ab. Gehen ab zu einem Song, der ja wohl anti sein soll. Anti diesen Style von Beat und Rap, bla. Und genau das ist das Highlight der 2012er Stage, bei dem alle "komplett am Zeiger drehen“? Komisch. Komisch für beide Savas‘. Auf der 2012er Bühne berichtet der King über eine gewisse Aura und über den "Rhythmus seines Lebens“, wie es so auf Tour und in den Städten Europas ist. 2005-Savas schmettert dem seine Lieblingstalkshows "In meiner Freizeit glotz ich dauernd Bärbel Schäfer, Peter Fliege, Sonja, Kerner & das fette Miststück Vera“ von ganz weit oben entgegen - mit diesen liebevollen Zusätzen "Ich scheiß auf jeden und schieb konstant den Dicken, was geht Mädels? S, wir wollen ficken! So ist es brav, ich lad schon mal den Kolben, von Münster bis nach Olden/burg will ich alle Nippel sehn, Titten kneten und meinen Schwanz in Ficksaft versenken, wenn ich rammel hören Pussys auf zu denken.“ Wenn ich rammel, hören Pussys auf zu denken. Traum.

Finale. 2005 (oder irre ich mich?). Letzter Song. Dieser brutale Mel-Beat läuft ein. Savas gefühlte drei Meter groß. Alleine im Spotlight. Hinter ihm Blitzlichtgewitter. Und dann diese hasserfüllten Punshlines des von allen so geliebten, kaum endenden Eko-Disses? Savas beendet eine Karriere. Das fesselt die Massen, und da kann auch der Titelsong "Aura“, der parallel auf der 2012er Bühne läuft, die Fans nicht weiter in den Bann ziehen. "Flow Revolution S – A die Wasserbahn, wie soll ich heute noch umkehren ich bin zu weit gegang‘, durchquere die Stratosphäre die Sterne sind zum greifen nah, und sie folgen meiner Stimme wie verzaubert ergriffen von dem Licht meiner Aura, ich geb Power.“ Hmm.
Kommen wir zur Schlüsselsituation – dem Moment, der ganze Battles entscheiden kann. Die Eulen-Story. Savas gefühlt alleine auf der großen Splash Bühne 2005. Die Scheinwerferlichter machen den feinen Nieselregel sichtbar. Die Menge kommt zwischen zwei Tracks kurz runter. Kein Beat. Nur Savas. Savas und seine Ausstrahlung. Savas und sein Mikrofon. Es wird etwas sentimental. Plötzlich steigt diese Eule in den Nachthimmel. Savas zeigt auf die Eule: "Seht ihr die Eule?“ Alle gucken hin. Gänsehaut. Beat. Neuer Track. Kollektives Ausrasten. 2012. "Es ist die Aura“, klar, die ist natürlich auch hier zu spüren, und klar, er kann diese natürlich beschreiben, und klar, guter Song. Nur, auf der anderen Bühne ist diese in diesem Moment halt zum greifen nahe. Und wenn Savas tatsächlich der "King of Rap“ sein sollte, dann ist dieser Auftritt 2005 die Zeremonie als ihm Papst Johannes Paul II die Krone aufsetzt. Lang lebe der König.

Und so muss man einfach feststellen, dass die Mehrheit der echten Savasfans sich der 2005er-Bühne zugewandt haben. Sie wollen ihn sehen, den King of Rap. Schnörkellos, mit unendlichen Rapfähigkeiten, diese Worte spittend, die sich im Kopf direkt in Bilder umwandeln. Der Typ, der Kino rappt und dabei alle Weiber der Welt fast gleichzeitig runterholt wie 'ne Flak und jeden anderen Rapper ganz nebenbei ins Gehege schickt. 70/30, kann das sein? Ja, so ungefähr. Savas gegen Savas, das ist natürlich ein komisches Gefühl, aber es ist halt so.
Achja, von wegen "komisches Gefühl“. Natürlich ist es ein komisches Gefühl am nächsten Tag wieder mit dem Mädchen aus der Nacht zuvor in einem Klassenraum zu sitzen und Hermann Hesse oder das Laichverhalten des Quastenflossers durchzunehmen. Aber erstens scheint sie mich ihrer besten Freundin empfohlen zu haben, die mich einige Tage später Nachts betrunken anrief und mich bat vorbeizukommen (und ich kam, logisch) und zweitens ist sie ein Jahr später zum zweiten Mal sitzen geblieben und war damit eh aus dem Game.
Aber das letzte Wort soll dann natürlich doch KKS-2005 gehören. Wie konnte es zu diesem Sieg kommen - trotz des großen Alter- und Erfahrungsunterschiedes. Seine Antwort: "Kein Plan, ich glaub ich hab einfach zu viel Hormone.

0 Stimmen

Comments

Please login first in order for you to submit comments

welcome Blog

Ein Fan werden