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janiv

Sachlich, fachlich, kompetent.

Hätte, wäre, würde. Das Leben findet, so stellte ein weiser Mann einst fest, blöderweise nicht im Konjunktiv statt. Leider, denn: Wer vermag schon mit Sicherheit zu sagen, welch fantastisches Entertainment akustischer Natur uns ein Jay Dilla noch beschert hätte, wäre er nicht am 10. Februar des Jahres 2006 vom Lupus dahingerafft worden und tragisch von uns gegangen. Heute, zum theoretischen 39. Geburtstag des einmaligen und genreprägenden Prodzenten/Rappers aus Detroit, habe ich mir diesen Anlass zum Anlass genommen, um mein persönliches Dilla Best-Of zu erstellen.

01) J Dilla - Pause (Welcome 2 Detroit - 2001)

"Pause" ist einer dieser Beats, die allein vom Drumpattern her schon so klatschen, dass sich auf der Wange bei Boxenkontakt eine Handfläche abzeichnet. Das "upon this rock" Drumbreak von Joe Farrell, aufgenommen im Jahre 1974, wurde mit Sicherheit noch nie mit so viel Saft aufgespritzt wie es hier der Fall ist. Dazu ein Perfekt eingesetztes deutsches Progressivrock Synthesizer-Loop und ein Dilla in Höchstform. "Perfect Match", sagt der Brite.



02) J Dilla - Crushin (Ruff Draft - 2003)

Yup, so hat ein Sex-Song zu sein! Es gibt nicht viele MCs, die diesen Beat so "geritten" (HA! See what i did there?!?) hätten wie Herr Yancey es zu tun vermochte. Man wird das Gefühl nicht los, als hätte er den Song laid back auf der Couch mit der Hand an den Eiern aufgenommen. Sleazy-Listening von aller aller allerfeinsten. Hätte Sylvia Robinson gewusst, was Dilla mit ihrem Song knapp 25 Jahre später anstellen würde: ihr wäre wohl die Schamesröte ins Gesicht gestiegen!



03) De La Soul - Stakes is high (Stakes Is High -1996)

Absoluter Klassiker. Eigentlich muss zu diesem Track nichts mehr gesagt werden. Golden-Age-Shit. Hightop-Fade im Vers. Ahmad Jamal Chop. Peng. Perfektion. Abfahrt.



04) Frank n Dank - Take dem clothes off (12" - 2002)

Frank n Dank, ihres Zeichens die wohl inhaltslosesten und gleichzeitig unterhaltsamsten Rapper aller Zeiten! Dieses Brett von einer Single entstammt der Zeit, als in den Clubs kein Mensch an Pharrell vorbeikam. Keiner, außer Dilla natürlich. Der Titel ist nicht nur Programm, siondern auch für Männlein und Weiblein gleichermassen gütlig. Das schweißnasse Shirt zur Textilwurst verknotet und den Helikopter gemacht.


05) Jaylib - The Heist (Champion Sound - 2003)

In der Geschichte der Musikproduktion wird man so seine Mühe haben einen Song zu finden, auf dem das schnöde Ticken einer Uhr auch nur ansatzweise so unverschämt funky daherkommt wie hier. Mit all den offensichtlichen Hits, welche auf Champion Sound, diesem Underground-Klassiker der Brüder im Geiste Madlib und Dilla zu finden waren, dürfte "the heist" für den ein oder anderen geneigten Hörer eher eine Art "Skipper" gewesen sein. Nicht für mich. Bereits nach dem ersten Hören der Lp, war dieser Sound-Sumpf, zusammengebacken aus obskursten Synthesizersounds mit freundlicher Genehmigung von Throbbing Gristle, wie Sex für meine Ohren.



06) M.E.D. - Push (Push Comes To Shove - 2005)

DAT BASS! Dieser Beat war seiner Zeit so lächerlich weit voraus, dass man selbst Heute, nahezu 10 Jahre später, immer noch sagt: "OKAY!!!!!!" Der perfekte Beleg dafür, dass ein Beat nicht vor Soundgewirr überlaufen muss um wirklich voll zu wirken. Der absolut willkürlich durch den Takt geschnodderte Flow eines M.E.D. macht dieses Lied in meinen Augen zu einem der abgedrehtesten Nackenklatscher-Rapsongs aller Zeiten.



07) J Dilla - Fuck the Police (12" - 2001)

"On the count to three say FUCK the police...1-2-3: FUCK THE POLICE!" Streng genommen, basiert diese Produktion zu guten 90 auf einem Rene Costy Drumbreak, gesampled von einer Französischen Library-Platte. Aber: das beste Endprodukt ist ja nicht per se an den möglichst komplexesten Weg dahin gekoppelt. Manchmal is sone durchschnittliche Stulle eben einfach der Himmel auf Erden und deutlich besser als Wachtelzunge auf Aspik an Erdbeerschaum.



08) J Dilla feat. Common - E = Mc² (The Shining - 2006)

Selbst als ausgemachter Nicht-Fan des Common, ist an diesen Song nicht vorbeizukommen! Dieser Beat dient als perfektes Anschauungsbeispiel für all jene, die schon immer wissen wollten wie es klingt, wenn ein perfekter Drumgroove auf eine perfekte Basslinie trifft. Der spätsiebziger Jahre Disco-Sound des Giorgio Moroder wurde seit Cannibal Ox´s EL-P Produktion "iron galaxy" nicht mehr so zielsicher in einen HipHop-Kontext umgemünzt. Dieser Song transportiert die Essenz dessen, was HipHop ausmacht auf mehr als eindrucksvolle Weise. Ein komplett beschissener Randomsong....man nehme die 5 vom Vocoder geschwängerten Sekunden Vocals am Ende des Liedes--->VOILA! Banger.


09) Slum Village - Get Dis Money (Fantastic Vol 2 - 2000)

PAYDAY! PAYDAY PAYDAY! Dieser Song hat meine Art und Weise Rap zu hören umgekrempelt. Entweder man sieht die epische Göttlichkeit, oder man sieht sie eben nicht. So dick wie hier "Genial" drauf steht, wurde wohl der Edding 850 zur Hilfe genommen. Einmal mehr der Beweis dafür, das Dilla nicht zwangsläufig immer das gesampled hat, was einen anspringt. Selbst all jene, die das Album "Sunlight" von keinem geringeren als Herbie Hankock höchstpersönlich ihr Eigen nennen, werden beim Hörgenuss nicht zwangläufig sofort über das Loop zu "get dis money" gestolpert sein. Ich zumindest habe es erst beim dritten Hören entdeckt.


10) Q-Tip - Let's ride (Amplified - 1999)

Ob es die Drums sind? Ob es das eigentlich total unspannende Joe Pass Gitarrenloop ist, welches so höchstwahrscheinlich auch NIEMAND benutzt hätte? Ob es der übetrieben greifbare nasale Flow des Q-Tip ist, welcher diesen Track praktisch perfekt zusammenklebt? Es ist wohl eine Kombination aus all dem. Wie dem auch sei: "lets ride" ist einer dieser Songs, die trotz ihrer für einen Dilla eher untypisch nachvollziebaren Machart so rätselhaft göttlich daherkommen, das man einfach nur machtlos "JA, ICH WILL!" schreit.....

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Das solls gewesen sein. In diesem Sinne verbleibe ich mit einem "Jay Dee rest in peace!" (Premo-Voice)

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