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Oliver Marquart

http://twitter.com/doktorallesklar

Das große Ganze, das unwichtige Kleine, das mittelmäßige jedenfalls nicht. Rap ist Rap. Amen.

Gestern hat David Asphalt einen Song bei den Kollegen von hiphop.de veröffentlicht, der "Kritiker" heißt und sich kritisch mit Rap-Journalisten auseinandersetzt. Jedenfalls behauptet das die Kurzbeschreibung, die dem Track beigefügt wurde. Tatsächlich macht David Asphalt keinen erkennbaren Unterschied zwischen Journalisten, Bloggern und Forenkommentatoren.

Der Tenor des Songs lautet, etwas zugespitzt: Jeder, der Kritik übt, ist selbst ein Versager, der nichts auf die Reihe bekommt und deshalb andere runtermacht.

Nicht, dass in dieser Aussage nicht ein Körnchen oder sogar ein ausgewachsenes Korn Wahrheit stecken würde. Natürlich gibt es viele erfolglose Rapper, die stundelang am PC sitzen und ihren Frust durch maßlose und destruktive Kritik ablassen. Natürlich gibt es Blogger und Journalisten, die aus Gründen der besseren Lesbarkeit schon mal ein Album einfach verreißen anstatt in lauwarmer Mittelmäßigkeit differenziert Vor- wie Nachteile aufzuzählen. Und natürlich ärgert es einen Künstler, wenn an seinem Werk, in das er idealerweise viel Zeit, Mühe und Herzblut gesteckt hat, mit dem er möglicherweis tasächlich sein Inneres nach außen gekehrt hat, Kritik geübt wird, die ihm ungerechtfertigt oder gar bewusst bösartig erscheint.

Insofern ist ein Satz wie "Kunst ist schwer, Kritik ist leicht" mehr als verständlich.

Trotzdem ist er nicht unbedingt richtig, auch wenn er sicherlich nicht ganz falsch ist. Jedenfalls ist er einseitig und interessiert sich ausschließlich für die Perspektive des Künstlers. Das ist soweit in Ordnung, als dass der Künstler in keiner Weise verpflichtet ist, einen anderen Standpunkt als seinen eigenen einzunehmen.

Dennoch gibt es auch noch andere Standpunkte und Betrachtungswinkel zu dem Thema. Nämlich den des Journalisten. Des Journalisten, der eben nicht gerne selbst Rapper geworden wäre, sondern der seine Aufgabe darin sieht, zu dokumentieren, zu informieren und zu berichten. Sachlich, aber nicht ohne eigene Meinung. Kunst ist nämlich etwas sehr subjektives, keinesfalls existieren Regeln, was gut oder schlecht zu sein hat. Bei dem einen löst ein bestimmter Song nur belustigtes Kopfschütteln aus, während es einen anderen zu Tränen rührt. Ganz banal: So unterschiedlich und subjektiv sind eben die Wahrnehmungen.

Deshalb sollten Künstler nicht jede Kritik an ihrer Musik oder an sonstigen Aussagen sofort persönlich nehmen.

Wer seine Musik einer Öffentlichkeit zur Verfügung stellt, riskiert eben auch, kritisiert zu werden. Es zeichnet einen souveränen, selbstsicheren Menschen aus, auch mit harter Kritik umgehen zu können - natürlich nur, solange diese fair bleibt. Persönliche Beleidigungen fallen nicht unter Kritik.

Es ist allerdings auch ein weit verbreiterer Irrglaube unter Rappern, dass Rapmedien ausschließlich Promotionzwecken zu dienen haben. Natürlich ist das Verhältnis Rapjournalisten-Rapper ein anderes als das Verhältnis von politischen Journalisten zu Politikern. Trotzdem ist eine kritische Berichterstattung, die auch unangenehmen Fragen nicht einfach aus dem Weg geht, einer unkritischen Hofberichterstattung, die den Künstler stets nur in dem Licht erscheinen lässt, das er sich selbst wünscht, vorzuziehen. Es kann auch nicht im Interesse der Künstler sein, dass Rapmedien zu gleichgeschalteten Jubelpersern degradiert werden, die sich nicht trauen, einen langweiligen Reim, eine unüberlegte, platte Aussage, einen lieblosen hingerotzten Beat beim Namen zu nennen.

Schließlich haben Journalisten unter anderem auch den Auftrag, die Fragen, die der normale Raphörer von der Straße sich stellt, an die Rapper heranzutragen. Dazu gehören selbstverständlich auch kritische Nachfragen.

Bevor der Standardsatz mit den getroffenen Hunden ertönt: Ich selbst kann den berühmten Satz von zwei bekannten deutschen Rappern bedenkenlos unterschreiben: Ich war nie ein Rapper/ ich wollte nie einer sein (ich habe aber mal ein paar Jahre in einer Funkrock-Band gesungen...). Deshalb hat mich der Song von David Asphalt auch nicht persönlich getroffen oder gar geärgert. Ich habe ihn lediglich zum Anlass genommen, das nicht immer einfach Verhältnis Journalist-Künstler auszuloten.
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