Interview mit D-Bo

D-Bo hat im Laufe seiner Rapkarriere immer wieder seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Widmete er sich auf seinem letzten Album „Auf der Suche nach dem Glück“ noch überraschend stark tanzbaren Klängen, die nicht wenige Hörer an den Sound der Atzen erinnerten, so soll sein neues Album „Kopffick mit Niveau“ beide Seiten des Mannes mit dem unfassbar dichten Bartwuchs widerspiegeln. Allerdings wurde der Release aufgrund nicht näher beschriebener Probleme auf nächstes Jahr verschoben. Wir haben uns trotzdem schon mal mit D-Bo getroffen und alles wissenswerte rund um den niveauvollen Kopffick, Religion, Politik, Glück und das ganze andere Zeug mit ihm besprochen.

rap.de: Dein Album heißt „Kopffick mit Niveau“. Wer oder was ist denn ein Kopffick mit Niveau?

D-Bo: Also, Kopffick mit Niveau ist eigentlich nur ein Wortspiel, weil es sich zusammensetzt aus zwei großen Themen, die mich als Künstler und auch dieses Album auszeichnen. Es geht um Optik im übertragenen Sinne, also um Probleme, die den Kopf ficken und die Seele belasten. Und das andere ist halt das Niveau, was mein Anspruch musikalisch ist. Und das zusammen ist Kopffick mit Niveau.

rap.de: Du hattest ja auch schon mal eine Facebook-Seite unter dem gleichen Namen, auf der du Bilder gepostet hast.

D-Bo: Richtig, wenn ich ein Bild sehe, das irgendwie politisch interessant oder vielleicht auch nur künstlerisch, ästhetisch, einfach gut gemacht ist, dann pack ich das da rauf und schau mal, was die Leute dazu schreiben. Also mich interessiert nicht nur, was meine Fans sagen, wenn ich einen Song gemacht habe, sondern mich interessiert ganz allgemein, was meine Fan-Community zu bestimmten Sachen sagt, weil das für mich immer ein guter Maßstab ist. Ich denke, ich habe eine relativ gute Schnittmenge an Fans, ein paar Schwarzköpfe, ein paar Intellektuelle, ein paar Arbeitslose, ich habe nicht DIE eine Fangruppe, und deshalb finde ich das immer sehr spannend, was dann da drunter geschrieben wird. Da wird dann oft diskutiert über Religion, Politik usw, oder manchmal auch nur ganz banal, also auch normale Sachen. Das finde ich ganz interessant und das sind so die Sachen die ich mir dann auf meiner Fan-Seite gönne.

rap.de: Bedeutet Kopffick nur, dass dein Kopf gefickt ist oder willst du auch den Kopf der Hörer ficken?

D-Bo: Naja, ich kann als Musiker eigentlich nur darüber berichten, was mir oder den Leuten in meinem engeren Umfeld widerfahren ist. Aus dieser Erfahrung schreibe ich halt meine Texte, und glaube die so schreiben zu können, dass die Hörer sich darin wiederfinden, und dass sie dann sagen genau: Genau, diese Sache hat auch mal meinen Kopf gefickt. Wenn ich darüber nachdenke und mir würde so was passieren, würde ich wahrscheinlich genauso denken oder handeln wie D-Bo.

rap.de: Was fickt denn deinen Kopf so?

D-Bo: Das sind auch ganz alltägliche Sachen, also das ganz große Thema, was uns alle beschäftigt, die Liebe, das ist immer so ein Ding, über das ich viel schreibe. Es sind auch politische Sachen, auf dem Album ist z.B. ein Song, wo ein Vater Soldat ist, der in den Krieg muss und sich dann in dieser Phase, wo er Abschied nimmt von seiner Frau und seinem Kind, bewusst wird, dass er auch Fehler gemacht hat, dass er fremdgegangen ist, das wird angedeutet in dem Text, das sind so Geschichten die da rein spielen. Mein Kopf wird nicht gefickt davon, dass jetzt irgendjemand anders krasser ist als ich oder ein größerer Gangster oder mir irgendein Gebiet wegnimmt, das ist mir echt alles völlig egal. Es geht tatsächlich um die Sachen, die uns als Kultur und als Gesellschaft ausmachen.

 

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