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Interview mit Fard

Lange Zeit war Funkstille zwischen Fard und rap.de. Gewisse Meinungsverschiedenheiten mit dem Ex-Chefredakteur Staiger führten dazu, dass es auf Deutschlands kritischster und schnellster Rap-Seite lange kein Interview mit dem selbstbewussten Gladbecker gab. Doch auf dem splash!15 wurden die Karten neu gemischt. In zähen Friedensverhandlungen wurde nach circa drei Stunden (naja, eigentlich nur ein paar Minuten, besoffen am Kicker) der entscheidende Durchbruch erzielt. Und so saßen rap.de-Chef Oliver Marquart und Fard Ende Februar gemeinsam am Tisch eines persischen Restaurants in Berlin-Moabit. Zu reden gab es schließlich genug. Über Missverständnisse der Vergangenheit, Fards neues Album „Bellum et Pax“, persönliche Texte versus Battleshit, Disstracks, unterschwelligen Rassismus, Vorurteile, Politik und natürlich die hervorragende persische Küche.

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Fard: (rappt) Ich muss kotzen, wenn ich euch Rapper seh’/ kritisier den Falschen, Oliver Marquart, geh zu Boden, rap.de.

rap.de: Was war eigentlich der Hintergrund dieser Zeile? Damals war sie ja auf meinen Vorgänger Marcus Staiger bezogen.

Fard: Der Hintergrund dieser Zeile war einfach, dass ich mitbekommen habe, dass Staiger eins vor die Mappe bekommen hat. Ich war im Vorfeld schon der Meinung, dass sich Marcus Staiger einfach zu viele Sachen rausnimmt, gerade mir gegenüber. Ich habe den Typen das erste Mal getroffen, da wollte er ein Interview mit mir zu „Omerta“ machen. Ich bin dort hin gefahren und wir haben uns eine Stunde lang unterhalten. Dieses Interview ist aber nie veröffentlicht worden. Auf tausend von Anfragen hin kam nach ein paar Monaten die Antwort, dass das Aufnahmegerät verloren gegangen sei. Das kann alles passieren, wir sind ja alle Menschen und das habe ich ihm auch nicht übel genommen. Ich kann mich aber daran erinnern, dass ich in dem Interview gesagt habe, dass ich die Musik von K.I.Z nicht feier‘ – ohne zu wissen, dass er zu diesem Zeitpunkt noch K.I.Z. gemanagt hat. Zu diesem Zeitpunkt habe ich aber noch nichts böses vermutet, sondern gedacht, okay, scheiß drauf, das kann passieren. Dann habe ich mit Snaga zusammen „Talion“ rausgebracht und da hat er sich irgendwie hintenrum die CD besorgt. Er wollte im Vorhinein ein Muster von uns haben, aber wir haben ihm gesagt, vier Wochen vor Release würde er das nicht bekommen. Da hat er sich irgendwie undercover vom Vertrieb die CD besorgt.

rap.de: Von Groove Attack.

Fard: Ja. Ich weiß bis heute nicht, warum der Typ das gemacht hat. Später sitze ich dann mit einer Praktikantin beim Interview, das war drei oder vier Wochen vor dem Release und ich will ihr die Lieder zeigen und da meint sie, dass sie das Album schon gehört hätte. Ich habe den Staiger dann auch direkt angerufen und er hat sich in den höchsten Tönen entschuldigt. Da habe ich auch wieder gedacht, okay, das kann auch passieren, vielleicht war er ja so interessiert an der Sache. Jetzt kommt der Höhepunkt an der Geschichte. Staiger hat irgendeinen Typen die Review zu „Talion“ schreiben lassen, irgendein vertrottelter Typ aus der Schweiz, den zu diesem Zeitpunkt keiner kannte. Und die Kritikpunkte an der CD waren: 45 Minuten Spielzeit wären zu teuer für 15 Euro und solche Geschichten. Er wollte das Ding kaputt reden, da hatte er Ambitionen zu, warum auch immer. Ich kam ihm vielleicht unsympathisch rüber oder was auch immer. Er hat auch später zugegeben, dass er Einfluss auf diese Review hatte. Ich habe dann im Vorfeld von „Alter Ego“ diese Line mit rap.de gedropped und was passiert? Marcus Staiger will plötzlich ein Interview mit mir machen!

rap.de: Das ist doch aber cool von ihm.

Fard: Ja, ich dachte mir aber, dass er es auf mich abgesehen hat. Ich bin nicht dumm, ich weiß wie rhetorisch Staiger sein kann, aber ich will in diesem Interview auch nicht die ganze Zeit über Staiger reden, es ist halt dumm gelaufen. Jeder geht seinen Weg, ich scheiß drauf, was er über mich denkt, er kann genauso drauf scheißen, was ich über ihn denke, wir werden nie Freunde werden und gut ist.

rap.de: Gut. Kommen wir zu deinem Album „Bellum et Pax“- der dritte lateinische Titel in Folge für ein Album.

Fard: Ich finde es cool, so ein Schlagwort zu haben, wo die Leute erstmal nicht genau wissen, was es heißt. Das heißt nicht, dass ich perfekt Latein spreche, aber ich finde einfach, diese Titel haben eine bestimmte Magie und ich finde diesen Zauber schön. Bei dem Album ist es mir am deutlichsten aufgefallen, wie sehr die Elemente Krieg und Frieden passen. Das wird mir jetzt erst deutlich, dass ich ein Album machen wollte, das zwei Seiten von mir zeigt und trotzdem eine Handschrift trägt. Und deswegen „Bellum et Pax“. Auf der einen Seite gibt es die Songs, die Aussage haben und die auch tiefer gehen, auf der anderen Seite gibt es das Non-Stop-Scheißelabern, pures Entertainment, in die Fresse.

rap.de: Das sind ja die beiden Seiten, für die du schon eine ganze Weile stehst.

Fard: Ich habe auch das Gefühl, dass ich dadurch zwei Lager in meinem eigenen Fankreis geschaffen habe. Die einen sagen, der soll nur deepe Sachen machen und die anderen sagen, der soll nur Songs machen, die auf die Fresse sind. Die einen sagen, der ist jetzt ’ne Pussy geworden, der macht ja nur noch deepe Sachen uind die anderen sagen, der soll bloß nicht anfangen mit „Ich fick deine…„. Aber am Ende des Tages, wenn die das Album hören, werden alle glücklich sein. Vorab ist es für mich schwer, mit drei, vier Videos verständlich zu machen, was gerade abgeht, aber nach dem Album sind sich eigentlich meistens immer alle einig, dass das ein Film ist.

 

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