Connect

NEWS

19.07.2012 Autor: Oliver Marquart

BPjM begründet Indizierung von "JBG"

"Jugendschutz geht vor Kunstfreiheit"

Seit Juni ist "Jung, brutal, gutaussehend" von Kollegah und Farid Bang indiziert. Das 2009 erschienene Kollabo-Album darf somit nicht mehr an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft werden (rap.de berichtete).

Nun liegt auch die 31-seitige Begründung der Bunderprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) vor. Darin begründet die Stelle ihre Entscheidung, das Album als jugendgefährdend einzustufen. Einen Großteil der Seiten füllen dabei die Lyrics von "JGB", die komplett wiedergegeben werden.

Dann folgt eine Wiedergabe der Argumentation der Künstlerseite, vertreten durch deren Anwalt. Diese läuft im Großen und Ganzen darauf hinaus, Battle-Rap bzw. Gangsta-Rap als Kunstform geltend zu machen, die eine fiktive Welt erschafft, worüber sich die Hörer im Klaren seien. "Der Künstler Felix Blume verkörpere unter dem Künstlernamen "Kollegah“ für jedermann deutlich erkennbar das Image des "Gangsters“ und "Bad Boys“. Dabei handele es sich in der gesamten literarischen und filmischen Kunst um eine der bekanntesten und am leichtesten zu durchschauenden Rollenfigur. Gleiches gelte für den Künstler Farid Bang", heißt es da.

Zudem wurde der Grad der Verbreitung als relativ gering darzustellen versucht. "Dadurch, dass deutsche Rapmusik aufgrund der Formatvorgaben der Sender grundsätzlich weder im Radio gespielt werde, noch im sog. Musikfernsehen eine nennenswerte Beachtung erfahre, bleibe die Verbreitung der Musik regelmäßig auf den Kreis der Fans beschränkt."

Die BPjM folgte dieser Argumentationslinie jedoch nicht. Vielmehr wurde dem Ersuchen der namentlich nicht genannten Antragstellerin stattgegeben. "Die Texte beinhalteten Passagen, die zu Gewalt aufriefen, explizit zur Vergewaltigung von Müttern und Jungfrauen, sowie rassistisch und gegen Homosexuelle gerichtet seien. Darüber hinaus würden Begriffe aus dem Nationalsozialismus gebraucht, wie z.B. "Endlösung“ und "Deportation“", hatte diese behauptet.

So sieht es auch das 12er-Gremium der BPjM: "Sämtliche Titel des Albums inklusive der kontextuellen Würdigung des Booklets sind nach Auffassung des Gremiums aus dem Grunde jugendgefährdend, weil sie verrohend wirken sowie zu Gewalttätigkeit und Verbrechen anreizen."

"Die Texte schildern durchgängig einen auf Gewalt und Kriminalität basierenden Lebensstil. Dabei werden durchweg verschiedene Klischees der Rap-Genres Battle-Rap, zum Teil namentlich erkennbar in sog. Disstracks gegen andere Rapper wie Samy Deluxe, Curse oder B-Tight, und Gangster-Rap bedient. Die Gangster-Rap-Passagen zeichnen sich durch die Darstellung und Berühmung eigener krimineller und extrem violenter Handlungen der Interpreten aus. Als roter Faden durchzieht die gesamte CD ein ständiger auf gezielte Beleidigung des Gegenübers gerichteter Duktus, der sich insbesondere durch die stetige Wiederholung sexuell diskriminierender Aussagen ausdrückt."

Den Einwand, dass dies alles nur Selbstinszenierung und bewusste Übertreibung sei, ließ man hingegen nicht gelten. "Dem Gremium ist bewusst, dass es sich um eine Inszenierung im Rahmen der Genres Battle- und Gangster-Rap handelt, mit Überhöhungen, die nicht immer besonders realistisch scheinen, wie z.B. die Vergleiche mit teils fiktiven Mafia-Größen und Drogenbaronen wie Tony Montana und Pablo Escobar. Diese Überhöhungen schaffen vorliegend jedoch keine wesentliche relativierende Distanz zu den Texten, sondern tragen eher noch zur Verabsolutierung des vorgegebenen Verhaltens der Interpreten dar."

Im weiteren werden zur Untermauerung dann noch wissenschaftliche Studien zitiert, die belegen sollen, dass verbale Gewalt jugendgefährdend wirken kann und der Konflikt Kunstfreiheit versus Jugendschutz näher beleuchtet - mit dem bereits bekannten Ergebnis.

 

 

 

Kommentare   

 
+1 #6 pjafridays 2012-07-20 15:44
"Die Texte beinhalteten Passagen, die zu Gewalt aufriefen, explizit zur Vergewaltigung von Müttern und Jungfrauen"
haha, ich kann nicht mehr xD die begründungen für die indizierung sind zwar schön und gut, aber die wörter "endlösung" und "deportation" hab ich auf dem album nicht einmal gehört. die wörter fallen zwar in 1-2 tracks von kollegah, aber die haben ja mit dem album nichts zu tun. das dann als begründung anzuführen jbg zu indizieren find ich schon whack.
Zitieren
 
 
+8 #5 Cyco E 2012-07-19 16:33
"Als roter Faden durchzieht die gesamte CD ein ständiger auf gezielte Beleidigung des Gegenübers gerichteter Duktus, der sich insbesondere durch die stetige Wiederholung sexuell diskriminierend er Aussagen ausdrückt."

DAS IST DIE ESSENZ VON BATTLE RAP!!
Zitieren
 
 
+7 #4 Don Promillo 2012-07-19 14:10
...explizit zur vergewaltigung von Müttern... oh BPJM, Mütterficken ist doch schon wieder soooo last weak
Zitieren
 
 
-7 #3 Name Pflichtfeld 2012-07-19 13:50
Die Texte beinhalteten Passagen, die zu Gewalt aufriefen, explizit zur Vergewaltigung von Müttern und Jungfrauen, sowie rassistisch und gegen Homosexuelle gerichtet seien. Darüber hinaus würden Begriffe aus dem Nationalsoziali smus gebraucht, wie z.B. "Endlösung“ und "Deportation“

Und die sagen sie wären stolz auf ihre Religion und sowas. Schämen solltet ihr euch eher. Sollche Idioten.
Zitieren
 
 
+2 #2 dr. zerficker 2012-07-19 13:21
nachdem die von selfmade beabsichtigte (und äußerst dümmliche) provokation mit dem nazi-vokabular ein völliger schuß in ofen war, springen wenigstens unsere liebsten hinterwälder von der bpjm a.k.a die kostenlose promo-fraktion für gangsta-rap drauf an....da freut sich der slick........
Zitieren
 
 
+2 #1 Herr grönemeyer 2012-07-19 10:28
ist sookee jetzt bei der bpjm?
Zitieren
 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

mehr zum Thema

Ein Fan werden

Newsletter

Was Rap angeht - immer auf dem laufenden bleiben. Melde dich für den rap.de-Newsletter an.