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Bushido bekommt Bambi

Am Donnerstag verleiht der Burda-Verlag wieder seinen Medienpreis Bambi. Zu den geehrten gehört, wie gestern bekannt wurde, auch Bushido. Er soll für seine Vorbildrolle bei der Integration geehrt werden. Bushido habe mit seinem Satz "Egal, woher unsere Väter kommen, wir sind Deutsche" das Selbstverständnis vieler "Deutscher mit Migrationshintergrund" zum Ausdruck gebracht, lässt die Jury wissen. Außerdem setze er sich gegen Gewalt und für ein respektvolles Miteinander in einer multikulturellen Gesellschaft ein.

Wie nicht anders zu erwarten, regt sich bereits Widerspruch gegen die Ehrung, besonders in HipHop-Kreisen. Tenor: Was, ausgerechnet der? Die damit verknüpften Vorwürfe sind erstaunlich nahe an dem Zerrbild, das rechtskonservative Blogger gerne pauschal von, naja, Deutschen mit Migrationshintergrund zeichnen. Natürlich hat Bushido vor allem in der Frühphase seiner Karriere gerne mit verbotenen Früchten, mit Tabuthemen provoziert. Aber erstens ist derlei Übertreibung und Überzeichnung im Rap nun wirklich keinesfalls unüblich, sondern gängiges künstlerisches Stilmittel. Und zweitens zählen Worte mehr als Taten. Bushidos Engagement gegen Gewalt an Schulen sei an dieser Stelle ins Gedächtnis aller Kritiker gerufen.

Was die Jury als Begründung angibt, ist also formal vollkommen richtig. Berechtigt ist der Preis aber aus einem ganz anderen Grund, der schon ein paar Jahre zurück liegt.
Erinnern wir uns mal kurz an die deutsche Raplandschaft vor Bushido, also so um 2002. Der sogenannte Studenten- oder Spaßrap war in Rückzugsgefechte verwickelt, aber es gab ihn noch. Gleichzeitig erlebte der Battlerap vor allem dank Kool Savas seinen fulminanten Aufstieg. Und erinnern wir uns, wie sehr das die Jungs von der Straße, im Volksmund auch gerne Kanaken genannt, interessiert: Null. Deutscher Rap war für "Jugendliche mit Migrationshintergrund" so ziemlich das letzte, unsexy, peinlich und definitiv nichts, womit sie sich identifizieren konnten. Klar, es gab einen Azad und seine Frankfurter Jungs, aber seien wir ehrlich, deren Bekanntheitsgrad war damals noch recht beschränkt.

Dann kam Bushido. Er trug eine Lederjacke, er kuckte meistens böse aus der Wäsche und er gab Interviews, die mit ihrer Mischung aus Größenwahn, Respektlosigkeit und Anmaßung munter provozierten. Große Teile der deutschen Rapszene reagierten darauf mit Ablehnung. Die Jungs in den getuneten 3er BMWs aber waren begeistert. Endlich einer, der ihre Sprache beherrschte, der sie verstand und repräsentierte. Der Gedanke, dass Rap denen, die in der Gesellschaft keine Stimme haben, ein Stimmrecht erkämpfen soll, wurde plötzlich von einem umgesetzt, der sich solch sozialromantisches Gedöns nie auf seine Fahnen geschrieben hätte.

Plötzlich ertönten aus den besagten 3er und 5er BMWs, die mit überhöhter Geschwindigkeit an einem vorbeirauschten, neue Töne: Deutscher Rap. Die Söhne und Enkel von Gastarbeitern in Deutschland hatten jetzt eine Stimme, einen, der wie sie provokant und großspurig auftrat, der sich nicht brav an den deutschen Mainstream anpasste und immer schön die Fresse hielt. Sie hatten jemand, mit dem sie sich guten Gewissens identifizieren konnten, einen, der sich nichts gefallen ließ und nicht bereit war, den netten Ali von nebenan zu geben. Und das war zu diesem Zeitpunkt neu. Kein anderer deutscher Promi, geschweige denn Rapper, mit dem berühmt-berüchtigten "südländischen" Aussehen war seinerzeit so forsch in seinem Auftreten, so wenig zurückhaltend, so respektlos gegenüber allen Tabus, sei es solchen in der Rapszene oder in der Gesellschaft.

Die Frage, inwieweit Bushidos Image übertrieben oder gar ausgedacht war, interessiert in diesem Zusammenhang übrigens nicht. Fakt ist, es wurde geglaubt. Dass Bushido im weiteren Verlauf seiner Karriere maßvoller und kompromissbereiter geworden zu sein scheint und sich wie bereits erwähnt auch offensiv gegen Gewalt engagiert, ist natürlich zu begrüßen. Es wäre aber nicht so glaubwürdig, wenn Bushido nicht immer noch von der Authentizität seiner Anfangsphase zehren könnte, von der Zeit, als er glaubwürdig wie niemand den Bad Boy, den gandenlosen, aufrechten Außenseiter gab und damit die Blaupause für viele andere deutsche Rapper, von Massiv bis Farid Bang, von Nate57 bis Haftbefehl lieferte.

Und für diese integrative Leistung, ganz egal, ob sie in der Form überhaupt beabsichtigt war oder ob es, wie von vielen unterstellt, nur eine besonders kluge Form der Selbstvermarktung darstellte, hat Bushido diesen Bambi definitiv verdient. Weshalb ihm rap.de dazu auch ohne falsche Höflichkeit gratuliert. Und klar, ihr dürft uns jetzt dafür hassen und uns unterstellen, wir wären gekauft, hätten Angst oder seien einfach dumm. Ist euer gutes Recht.

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