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15.12.2011 Autor: Oliver Marquart

Thomas D?

Was macht eigentlich...

Waren die Fantastischen Vier HipHop? Und wenn ja, warum doch nicht? Egal. Die Diskussion interessiert heute keinen mehr. Kommerzieller Erfolg bzw. dessen offensives Anstreben, für das die Fantas seinerzeit verteufelt wurden, ist auch im Rap längst normal geworden. Eine Zeit lang wurde die Maxime "Erfolg um jeden Preis" sogar beinahe zur alleinigen Begründung, das Mikrofon zu ergreifen. Diese Phase ist jedoch mittlerweile überwunden, wir befinden uns quasi im postmaterialistischen Rap-Zeitalter.

Angesichts dieser Entwicklungen kann man schon mal nachsehen, was die einst geschmähten und gedissten heute so treiben. Thomas D  zum Beispiel, der seit einigen Jahren in einer Landkommune in der Eifel lebt, wird ab Januar die Fernsehshow "Unser Star in Baku" moderieren. Dort soll der deutsche Kandidat für den Eurovision Songcontest.

In einem Interview mit der "Freien Presse" erklärte er, welche Rolle die Fanta Vier aus seiner Sicht gespielt haben. "Wir haben den deutschen Hip-Hop für die breite Masse geöffnet."

Was viele heute gar nicht mehr wissen: Die Fantastischen Vier waren der erste HipHop-Act, der einen Song auf dem Index hatte. 1993 wurde ihr Song "Frohes Fest" indiziert. "Gegen das, was mittlerweile in Liedern so von sich gegeben wird, klingt "Frohes Fest" wirklich harmlos" kommentiere Thomas D. "Aber damals war die Behörde noch schärfer. Wir haben nicht groß widersprochen, es war ja auch cool, wenigstens einen Song auf dem Index zu haben."

Auch zur Gangsta-Rap-Ära äußerte sich Thomas D und zeigte sich dabei durchaus verständnisvoll. Verbote (wie sie jüngst erst wieder im Zusammenhang mit Kollegah und Trailerpark gefordert wurden - rap.de berichtete hier, hier und hier) seien nicht der richtige Umgang damit. "Sie berichten aus einem Leben, das sie teilweise selbst führen, sie sind also authentisch. Sie sprechen die Sprache der perspektivlosen Jugend. Das hat eine Daseinsberechtigung. Ich persönlich muss sie nicht gut finden, aber ich würde sie nicht verbieten."

In die Zukunft schaute er allerdings wenig optimistisch: "Die große Zeit des HipHop ist eh vorbei. Bushido ist zwar der Star der Szene, aber die Verkaufszahlen von heute sind gering. Ob der Gangster-Rap dazu beigetragen hat oder ob er diese Musik eher eine Zeitlang oben gehalten hat, kann ich nicht sagen." Na, was das mit der großen Zeit, die angeblich vorbei sein soll, angeht, sind zumindest Zweifel erlaubt...

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