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09.09.2010 Autor: yacine

Kriegt New York ein Hip Hop Museum?

Und: Archiv der Jugendkulturen vor dem Aus!

Hip Hop wird alt. So alt, dass unlängst der Trend entstand, zu sagen, dass Hip Hop sterbe, beziehungsweise schon munter im Grabe rotiert. Bis dann jemand kommt, der das Totgerede vielleicht ein wenig zu ernst nimmt und deswegen möchte, dass man sich an all die erquickenden Früchte der Kultur erinnert, dauert es nicht lang und so reifte in einem gewissen Craig Wilson der Beschluss, das erste und einzige Hip Hop Museum zu eröffnen.

Dazu möchte man natürlich gratulieren, doch vom Planen zur Verwirklichung ist es manchmal ein sehr weiter Weg, weshalb es so kommt, wie es irgendwie kommen musste und sich der angehende Museumsdirektor einer langen Liste von Problemen stellen muss.

Zum ersten wäre da das liebe Geld: Von den benötigten 50(!) Millionen US-Dollar, die er für diesen sinnbildlichen Grabstein realistisch veranschlagt hat, befinden sich zur Zeit gerade mal 6000 US-Dollar auf dem Konto der Museumsorganisation. Kein Grund zur Sorge, denkt sich Wilson, es gibt doch genug Hip Hop Fans auf der Welt und wenn jeder von ihnen auch nur einen Dollar spenden würde, sei doch alles geritzt. Selbst wenn es nur die Kulturliebhaber aus seiner Heimatstadt New York wären, läge der Deal in trockenen Tüchern.
"Hip Hop as a culture is extremely powerful, but I think there is a stereotype out there that none of us can work together. […] The Hip Hop posse is huge, and not only in the U.S. "If we got a dollar from just Hip Hop fans in New York City alone, we would be fully funded."

Doch selbst wenn das Projekt nicht am Geld scheitern würde, wäre da immer noch der Hustle mit den anderen Komplikationen, dem Gebäude zum Beispiel. Da in Hip Hops Geburtsviertel der Bronx kein geeigneter Unterschlupf für diesen Golden Era Palast gefunden werden konnte, plant Präsident Wilson sich in Harlem umzusehen, dem Viertel nebenan.

Zusätzlich zu dem ganzen Stress kam, wie so oft, wenig Liebe aus den eigenen Reihen der Rapwelt, so dass Rapper KRS One direkt zum Boykot des "National Museum of Hip Hop“ aufrief und Legende Grandmaster Caz äußerte, die Idee zwar ganz nett zu finden, allerdings auch zu wissen, dass es nur eine gutgemeinte Aktion sei, bei der am Ende nichts heraus komme.

Warum Craig Wilson es trotzdem versucht, begründete er schlicht mit einem sonst eher 50 Cent typischen Satz, dass, wenn er es nämlich nicht mache, es auch kein anderer schaffe:
[My relatives] think I’m crazy. They know I’m educated and I’ve had jobs, so it just doesn’t make sense to them...the only reason I can come up with is that I truly believe if I don’t, no one else will."

Während das eine Haus des Wissens also mitten im Entstehungsprozess mit ungewissen Ausgang steckt, muss ein ganz anderes um seine Zukunft fürchten: Wie Spiegel.de in einem sehr lesenswerten Bericht (Bitte hier klicken!) vermeldet, steht das einzigartige Archiv der Jugendkulturen von Schriftsteller und Publizist  Klaus Farin kurz vor dem aus.

Die seit zwölf Jahren bestehende Sammlung aller Subkulturen entstand 1998, Farin, der schon mit 20 Jahren sein erstes Buch schrieb, wurde zum Spezialisten für "Jugendverständnis“ und sogar von der Polizei für Grafitti-Workshops gebucht, um einen tieferen Einblick in die Szene zu entwickeln.

Nun sei es den hauptsächlich ehrenamtlich arbeitenden Archivsbetreibern aber nicht mehr möglich, die monatliche Miete von 5500 Euro aufzubringen, obwohl sie selbst schon regelmäßig bis zu 1500 Euro aus eigener Tasche zahlen würden. Würdigungen ihrer Arbeit käme haufenweise rein, das Geld bleibe aber leider aus. Unter dem Motto "Das Archiv der Jugendkulturen geht stiften" beschlossen die engagierten Mitarbeiter um Farin jetzt Spenden zu sammeln, um eine Stiftung bis zur Mietvertragsverlängerung im Oktober gründen zu können. Sollten die fehlenden 60.000 Euro der benötigten 100.000 Euro bis dahin nicht zusammen gekommen sein, sei das Archiv gezwungen endgültig zu schließen. Das wäre wirklich sehr schade und wenn ein beherzter Hip Hop Fan, dessen Urban Culture in diesem Quell der Jugendinteressen auch zur Genüge behandelt wird, beschließen möchte seinen Teil zur Rettung des Archivs beizutragen, so kann er es hier tun.

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