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REVIEW

11.09.2007 Autor: Stefan

Sharon Jones & The Dap Kings - 100 days, 100 nights

Funk Relaoded aus der Mutterstadt

Redaktionsbewertung
Eine Funkwelle überrollt das Land, nein, den Planeten. Nach DEM Shootingstar des Jahres, Amy Winehouse, die sich der alten Schule des Soul und Funk verschrieben hat, steht nun der nächste Funkstar in den Startlöchern. Sharon Jones. Man darf davon ausgehen, dass diese Dame das Terrain weitaus skandalfreier und geräuschloser beschreiten wird, denn das tut sie mit ihren 50 Jahren nämlich schon seit einiger Zeit. Geboren in Augusta, Georgia, genau dort, wo auch der Godfather Of Soul" Mr. James Brown herkommt, kam sie aber erst seit 1996 in den Genuss, ihre Leidenschaft mit  einer beruflichen Perspektive auszuleben. Begonnen hat alles mit dem Einsingen einiger Backingvocals auf einer Platte der Soullegende Lee Fields. Dabei traf sie auf Leute, die die Basis der erst später in ihrer heutigen Besetzung zusammenkommenden Dap Kings bildeten, und ihre Karriere nahm ihren Lauf. Auf ausgedehnten Tourneen in aller Herren Länder, bekam sie über Nacht den Titel Funk Queen" und bringt nun mit besagter Band ihren zweiten Longplayer raus.
Die Dap Kings ihrerseits, sind im Business keine unbekannte Größe, haben sie doch die Hälfte des Amy Winehouse Albums Back To Black" inklusive des Megahits Rehab" eingespielt und mit dieser auch deren erste US-Tour bestritten. Sogar Robbie Williams hat sich die Bläser der Dap Kings für sein Rudebox" Album ausgeliehen.

Was letztendlich diesen neuen Funkhype ausgelöst hat, scheint rätselhaft, denn neu ist hier eigentlich nichts. Auch auf dieser Produktion wurde penibelst darauf geachtet, dass alles irgendwie authentisch und alt klingt. Komplett analog im hauseigenen Studio des Labels Daptone Records" aufgenommen, vernimmt man das Schlagzeug mal links, Gitarre und Bläser oft rechts, wie zu Zeiten, als Stereoaufnahmen noch eine Seltenheit waren.
Man kann hören, dass kein Aspekt der Soulgeschichte außer Acht gelassen wurde; es steckt ein wenig Motown drin, alten Meistern wie James Brown oder Curtis Mayfield wird eifrigst gehuldigt. Sharon Jones klingt dabei wie eine, die das schon seit den Sechzigern macht, routiniert und mit einer sehr ausdrucksstarken, durchsetzungsfähigen und glaubhaften Stimme.
Die Songs sind abwechslungsreich in Tempo und Instrumentierung, auch verschiedene Stimmungen werden bedient, meistens bleibt es aber funky und bluesig, was angesichts der kurzen Laufzeit dieser CD nicht wirklich ein Problem ist, auf längere Dauer aber schon zu eintönig werden kann. Wohltuend ist aber die Tatsache, dass alte Songstrukturen, die heutzutage fast schon aus der Mode sind, hier wieder gehört werden können. Konkret heißt das, der Refrain unterscheidet sich musikalisch von der Strophe, es gibt eine Bridge und Instrumentalparts, die natürlich von den großartig aufspielenden Dap Kings bravourös umgesetzt werden.

Es wird sich lohnen, dieser Funk-Revival-Bewegung einige Aufmerksamkeit zu schenken, erst recht, wenn eine der Protagonistinnen direkt aus der Keimzelle dieser traditionsreichen Musik kommt – wie eben Sharon Jones. Dieses Album ist auf jeden Fall dazu prädestiniert, Abwechslung auf jeden Mp3-Player, auf jede (nicht nur ü30-)Party zu bringen. Gerade wer funkmäßig noch jungfräulich durch die Gegend läuft, wird vielleicht hier Blut lecken und dann doch mal im Plattenladen nach den alten Meistern kramen. Und er wird feststellen: Es hat sich nicht viel verändert seit damals. Trotzdem muss es Leute wie Sharon Jones geben, die uns immer wieder daran erinnern, und dieser Musik eine zeitgemäße Stimme geben.

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