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REVIEW

08.05.2012 Autor: René Schweitzer Website: http://www.amazon.de/Nr-415-Xatar/dp/B007JPDVY6

Xatar - Nr. 415

Geschichten rund um zersiebte Babas, Drogen, Nutten und Waffen

Redaktionsbewertung

Lieber Xatar,

Als erstes möchte ich mich umfassend und in voller Ausführlichkeit für den ganzen Trubel bedanken, mit dem Du in den letzten Jahren für unzählige Stunden Gesprächsstoff gesorgt hast.

Die diversen Schießereien, Dein Mitwirken bei der "Der Bluff", die Schlägerei auf der Playboyparty inklusive Deiner Flucht aus den USA und schließlich der legendäre Goldraub, wieder gefolgt von einer halsbrecherischen Flucht, aber diesmal um die halbe Welt. Zu guter Letzt haben sie Dich dann doch erwischt und verknackt, aber von der Beute fehlt weiterhin jede Spur. Also wenn das nicht der Stoff ist aus dem Hollywoodstreifen gemacht werden, dann weiß ich auch nicht.
 
Es gab Zeiten da hagelte es täglich neue abenteuerliche Meldungen über Dich und plötzlich wurde uns allen eins klar: Xatar ist offenbar wirklich Deutschlands erster richtiger Gangsterrapper. Wobei das Gangster bei Dir doch für wesentlich mehr Wirbel sorgte als das Rapper. Dabei war Dein Debütalbum "Alles Oder Nix" aus dem Jahre 2008 eigentlich eine ziemlich runde Sache. Keine Genrerevolution, aber authentisch, musikalisch sehr eingängig und auf jeden Fall äußerst unterhaltsam.

Das alles toppst Du jetzt mit deinem zweiten Album "Nr. 415", das du der Legende nach mittels Diktiergerät direkt in deiner Zelle eingerappt hast. Mal ganz ehrlich. Wie authentisch ist das denn? Im ersten Moment weckte die Vorstellung eines Knastalbums bei mir unangenehme und längst verdrängte Erinnerungen an die unterirdische Aufnahmequalität von C-Murders "The Truest Shit I Ever Said“, aber meine Bedenken sollten sich nach den ersten Anspielpunkten von "Nr. 415" in Luft auflösen.

Denn ich als Laie höre dem Album seinen komplizierten Werdegang zu keinem Zeitpunkt an. Aber genug von dem technischen Firlefanz. Nachdem über Dich, Xatar, drei Jahre lang nur in den Medien berichtet wurde, sprichst du nun endlich Klartext mit uns. Der Prozess ist durch und Du musst kein Blatt mehr vor den Mund nehmen. Auf Deinem zweiten Album reagierst du erstmals öffentlich auf all die Anklagepunkte, die mehr Gangster sind, als die Lebensläufe deiner vereinigten Straßenrapkollegen zusammen.
Und was Du zu berichten hast ist spannend. Ich meine so spannend, dass ich Dein Album höchst konzentriert in einem Rutsch durch gehört habe, obwohl ich eigentlich wirklich andere Dinge zu tun gehabt hätte. Aber manchmal muss man eben Prioritäten setzen.

Deine Geschichten rund um zersiebte Babas, Drogen, Nutten und Waffen sind einfach ganz großes Kino. Es macht Spaß und ist aufregend, von seinem sicheren Gartenstuhl aus einen Trip in die deutsche Unterwelt zu unternehmen. Dabei klapperst Du akribisch genau die Taten ab, die schließlich zu Deiner Verhaftung geführt haben ("Für Immer Yok", "Interpol.com"), erzählst detailverliebte Geschichten aus dem Milieu ("Ein Dieb Kann Kein Dieb Beklauen", "Befeindete Freunde") und erklärst mir absolut nachfühlbar, wie Du in dieses Leben hineingerutscht bist ("Es Ist Wie Es Ist"). Dass sogar ein Typ wie Du mit Zweifeln bezüglich seiner Berufswahl zu kämpfen hat, machst Du mir auf Songs wie "Wieder Erreichbar (feat. Kalim & Ssio)" eindringlich verständlich.

Und Deine Haltung! Während halb Gangsterrapdeutschland in Interviews rumheult, sobald es mal richtig zur Sache geht, bleibst Du einfach nur cool und hart. Schüsse auf Dich und Deine Jungs, Folterungen im Irak, mehrjährige Haftstrafen - gehört eben alles zum Geschäft. Da muss man einfach durch, jammern oder seine Werte verraten kommt natürlich nicht in Frage. So kündigst Du auf "Wenn Ich Rauskomm" auch gleich an, nach Deiner Entlassung erstmal Schellen an die Verräter zu verteilen. Du bleibst eben Deinem Weg treu. Rappen kannst Du mittlerweile auch sehr ordentlich. Die teilweise sehr amtlichen Reimketten auf "Nr. 415" sind Lichtjahre von den simplen Haus-Maus Nummern auf dem indizierten "Alles Oder Nix" entfernt.

Mein großes Lob gilt auch Deinem Produzenten Maestro und seinen Mitstreitern. Die Instrumentals sind so eingängig und soulig, dass das Album aus eigener Erfahrung auch bei Leuten ankommt, die man mit deutschem Gangsterrap für gewöhnlich um den Block jagen kann.

Gäste hast Du auch einige am Start. Bero Bass, Nate57, Ssio und Farid Bang fügen sich hervorragend in das Gesamtkonzept ein. Dagegen wirkt Eko Fresh etwas deplatziert. Aber sag mal, wo hast Du eigentlich diese Schwesta Ewa aufgetrieben? Wenn die auf ihrem hoffentlich bald erscheinenden Debütalbum auch nur ansatzweise so die Beats zersägt wie auf eurem Song Beifall, dann erwarte ich nicht weniger als das erste Album eines deutschen Female Mcs, das ich abfeiern kann. Wo wir gerade bei Beifall sind. Was hat Kool Savas Dir eigentlich getan? Na ja, wird schon alles seine Gründe haben, wobei ich mit dem King of Rap in dieser Situation ungern tauschen würde.

Kommen wir zu dem absoluten Feature-Höhepunkt des Albums: Dem Possecut "Konnekt". Wenn nacheinander Du, Celo, Abdi, Capo Azzlack und Haftbefehl ohne Hook über dieses Hammerinstrumental flowen, dann ergibt der sonst so konsequent ignorierte Repeatbutton an meinem MP3-Player endlich mal Sinn. Ich freue mich übertrieben auf "Hinterhofjargon", frage mich aber, warum Hafti seine besten Parts immer über die Alben anderer Künstler verteilt.

Soviel zu "Nr. 415". Kommen wir zu einem anderen Thema. Es soll ja allen Ernstes Leute geben, die Dir Deinen Lebensstil und die Verherrlichung des Gangsterdaseins übel nehmen. Zu diesem Thema wurde sogar eine einstündige Reportage gedreht. Aber was erwarten diese seltsamen Menschen denn von dir? Du bist Gangsterrapper. Ein Gangster, der rappt. Würdest du keine Gangstersachen mehr machen und dich moralisch und pädagogisch korrekt verhalten, wäre dass doch nicht mehr dasselbe. Die Argumente gegen dich sind doch reichlich hirnrissig.

Es sei denn sie richten sich gegen Gangsterrap im Allgemeinen. Aber mal ganz ehrlich. Wer will denn bitte eine Welt ohne Gangsterrap? Wie langweilig wäre das denn? Aber diese Jammerlappen, Hazaks würdest Du sie eventuell nennen, sind wahrscheinlich dieselben, die back in the days das erste Fumanschu-Album und die Westberlin Maskulin-Platten dem Genre Gangsterrap zugeordnet haben. Dank Dir kann ich heutzutage jedem Klugscheißer, der mir mal wieder erklären will, dass es echten Gangsterrap nur in den Staaten und in Frankreich gibt, endlich einen Namen entgegenschleudern. Und der lautet verdammt noch mal Xatar! Deutscher Gangsterrap wird in 2012 eben nicht länger ausschließlich von narzisstischen Sozialversagern mit Scarface-Fetisch und Marihuana-Problemen produziert. Diese Zeiten sind ein für alle mal vorbei!

Also halt die Ohren steif! Meinen Berechnungen zu Folge hast Du noch etwa sechs Jahre vor Dir. Vielleicht beehrst du uns ja zwischenzeitlich mit weiteren Alben aus dem Knast, wie es Maestro kürzlich in einem Interview durchsickern ließ.

Bis dahin alles Gute!  

René

VÖ: 27.04.2012
Label: Alles Oder Nix

Kommentare   

 
0 #16 VauE 2012-06-22 11:52
Das ist ja schrecklich hier. Mal kühl betrachtet:
1. Verbrechen sind böse. Scheißegal, ob "nur" gegen eine Bank, was sollen denn dann die Kunden sagen? Wenn man kein Bankkonto hat, kann man ja's Maul aufreißen, aber über böse Banken wettern und ihnen dann das eigene Geld anvertrauen ist einfach ziemlich whack.
2. Hab' das Album nicht gehört, werde es mir aber auf jeden Fall mal anhören, denn, auch wenn 1. immer noch zutrifft, ich eine gewisse Realness trotzdem reizvoll finde, wenn ich irgendetwas höre.
3. @ ich bitte euch: kleingeistig bitte mit g, sonst wirkst du ziemlich bescheuert, wenn du jemanden damit beschimpfst. ich bin ja sonst nicht so, aber wenn man schon versucht, mit intellekt zu kommen...
4. dass xatar seine strafe akzeptiert ist insofern vernünftig, dass er ja wohl keine andere wahl hat. außer er buddelt sich mit einem löffel nach draußen, was ich ihm durchaus zutrauen würde.
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0 #15 Ich bitte euch !!! 2012-06-05 15:57
Halloooo, dass kann doch wohl nicht euer Ernst sein ?
Ich hoffe ja wircklich das diese Review purer Sarkasmus ist. Wie kann man bitte sowas in irgendeiner Art und Weise verherlichen???
Der Artikel liest sich als ob dem Autor gleich ordentlich einer abgeht. Alleine die Tatsache, dass man so einem Album auch eine Werbefläche bietet ist ein riesen Witz. Was soll das für Musik sein?? Mir sagt diese Review lediglich, dass man heute kein Talent mehr haben muss, einfach nur Kriminell und darüber Rappen. Dann folgen dem Ganzen auch noch Promo disses an einen guten Künstler unseres Landes. Leider machen solche "Musiker" viel Kaputt. Man geht heute ins Netz und das einzige was man geboten bekommt, ist im Genre HipHop ein Haufen kleinkeistiger die einen Kampf austragen wer der härtere ist.
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+1 #14 Azz 2012-05-27 14:26
@ Don Promillo
Davon abgesehen, dass es noch nie vorkam dass ein vergewaltiger und Frauenmörder ein Buch schrieb und es kein Bestseller wurde.. ?
International kam das schon ein paar mal vor.

Das Album spricht auch keine gesetzestreuen Bürger an (auch wenn es solche unter den Hörern gibt).
Das Album (gilt auch für Azzlackz) spricht meistens Menschen an, die Erfahrungen aus erster Hand haben in der Materie, so sprechen wie er und die Orte kennen und Erlebnisse kennen die er anspricht.

Ob es nun ein paar Kiddis anspricht die das hoch und heilig feiern Kriminell zu sein ist bloß ein (vllt gewollter) Nebeneffekt.
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-1 #13 @renee 2012-05-24 09:06
liest sich als wärs sarkasmus. schwesta eva und die anderen hirnplatten in den himmel loben. lol
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0 #12 Torch 2012-05-23 16:43
rap.de = saugbeidenazzlacks.de

Deutschrap hat Angst.Denn was passiert wenn man die Jungs nicht mitmachen lässt kann sich ja jeder denken.
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0 #11 Lea-WOOOOOOOOOOON 2012-05-15 23:30
süß, die meisten kommentare hier.
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+4 #10 doderar 2012-05-14 17:45
Wenn es Gangsterrap nur um den Preis gebn kann, dass Schwerkriminell e in den Hiphopmedien gehypt werden und ihre Taten verherrlicht und verharmlost werden, kann ich darauf gerne verzichten.

Geht's noch?
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+4 #9 fleischindosen 2012-05-12 09:24
Zum Thema Banken:
Zwar ist kein Verbrechen legitimiert (es sei denn, es ist ein unsinniges Gesetz), doch ist ein Goldraub ein Verbrechen an Verbrechern, schließlich lebt das Geschäft der Banken von Lug und Betrug - nur eben gesetzlich legitimiert, weil darauf die kapitalistische Gesellschaft aufbaut. Deswegen finde ich Banküberfälle, solange keine Personen zu schaden kommen, grundsätzlich sympathisch (ausgenommen sind Öko-Ethikbanken ).
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+1 #8 Tothefullest 2012-05-11 08:10
@Don Promillo, der Vergleich mit dem Vergewaltiger, sowie mit dem Privathauseinbr uch ist ziemlich scheiße, das weißt du selbst. Einen Vergewaltiger und einen Bankräuber auf eine Stufe zu stellen, das geht eindeutig zu weit. Ansonsten, ich kann verstehen, wieso dich das ärgert, ich find's aber lustig, weil's in diesem Fall eine Bank ist, die den Schaden hat. Die Bank kann mich mal!
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-1 #7 Don Promillo 2012-05-10 15:16
@ Rene Schweitzer
Für mich hat das eben einen negativen Beigeschmack wenn jemand sich durch seine kriminellen Taten auch noch hinterher bereichert. Ganz krass gesagt, würde Max Mustermann, der wegen Vergewaltigung einsitzt ein Buch darüber schreiben, mit allen Details, ganz real, und das Buch würde ein Bestseller werden... wäre das dann auch ok? Es geht hier ja nicht nur um jemanden der ein bisschen Odd vertickt hat, der Mann ist ein Schwerkriminell er und bekommt jetzt durch diese Platte dafür auch noch Fame und Kohle. Und ja, vielleicht bekommt das Geld eh nur der Anwalt oder die Opfer des Raubs, der Fame bleibt trotzdem... find ich einfach nicht in Ordnung....und @ sowie... was heist hier kalt akzeptiert, der gute Xatar ist erstmal in die irakischen Berge geflohen und hat sich bei Ziegen versteckt, weil er seiner Strafe so kalt ins Auge gesehen hat, wa?
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