Celo & Abdi – Hinterhofjargon

Als Celo & Abdi ihr Releasedate bekannt gaben, war (sicher nicht nur) meine erste Reaktion “endlich!“. Und als dann “Hinterhofjargon“ in der Post war, gleich nochmal. Denn das kostenlose “Mietwagentape“ war eine der größten Überraschungen des vergangenen Jahres. Über ein Jahr haben die hessischen Hustler mit dem Hamburger Produzenten m3 an “Hinterhofjargon“ geschraubt. Frei nach dem Motto Never change a winning team wurden die wichtigsten Erfolgsmerkmale von MWT übernommen, nämlich Straßenrap mit authentischem Backgroundknowledge, starker Technik und dem furiosen Mix aus diversen Sprachen und Straßenslang.

Aber keine Sorge – die deutsche Sprache bildet natürlich immer noch das linguistische Grundgerüst, allerdings kann man auch dieses mal Sprachfetzen auf arabisch, türkisch, jugoslawisch, französisch und so einige mehr entdecken. Und damit sind wir schon  beim ersten Punkt, der dem Album seinen realen Flair verleiht. In Melting Pots wie Frankfurt ist es üblich, dass man mit unterschiedlichsten Sprachen konfrontiert ist, und zu eingleisig fährt, wenn man nur eine davon beherrscht. Auch in Hinblick auf die wachsamen Ohren der Ordnungsmacht kann es mitunter von Vorteil sein, Begriffe zu variieren. Damit aber auch Zuhörer ohne jeglichen Migrationshintergrund und Straßenabi mitkommen können, wird gleich an zweiter Stelle der Track “Hinterhofjargon“ vorgeschickt. “Ich bins Abdi, Erfinder des globalen Rap/ aka interlinguales Vokabelheft/ Urbanstreetslang, Celo rappt Esperanto/ cento per cento, autentico garanto“.

Nach diesem kurzen Crashkurs kann es dann so richtig losgehen. Da wäre zum Beispiel das großartige “Über Wasser halten“. Vor allem Celo zeichnet hier sehr eindrucksvoll den Lifestyle eines Dealers wieder, der so gar nichts von Tony-Montana-Glamour und Sopranos-Phantasien hat. “Montag, acht Uhr morgens auf dem Sofa/ voll stoned, kein Bock, Totalschaden, Koma/ 24/7, Matrix, aufstehen, ready for action/ Doppelleben, rausgehen, Baustelle in Kauf nehmen/ acht Stunden, hart schuften/ nach Feierabend weitermachen und dann Drugs pushen.“ In der Hook kommt ein elegant-jazziges Sample zum Einsatz, das dem Song geradezu einen “Jackie Brown“-Flavor verleiht.

Überhaupt unterscheidet sich das Bild, das Celo & Abdi zeichnen, doch sehr häufig von dem romantisierten Dealer-Superhelden, das so viele andere der Kollegen gerne zeichnen. Da wäre zum Beispiel “Besuchstag“, das aus der Perspektive eines Inhaftierten den grauen Knastalltag schildert und passenderweise von Xatar und Veysel Unterstützung erhält. “Wallah, muss trotz der Sehnsucht immer lächeln/ damit Mutter sieht man kann den Sohn hier nicht brechen“ rappt Xatar da beispielsweise und Celo weiß “Oder da, der Habesha war Fußballtalent, ohne Zweck/ jetzt muss er fünf Jahre weg“. Natürlich kicken Celo & Abdi auch wieder jede Menge Streetknowledge, etwa auf “Traffic Cartel“ mit einem nassforschen Gastbeitrag von Haftbefehl. Allerdings wirkt der Track über den globalen Waffenhandel und Drogenschmuggel selbst für das Frankfurter Ticker-Trio etwas zu cineastisch überhöht , ist dadurch jedoch nicht minder unterhaltsam.

Und  da ist  ja auch noch “Durchsuchungsbefehl“, “Tock, tock, es macht an der Tür/ klopf, klopf, durch den Spion seh ich den Hausflur/ voll Cops, oh Gott, ich hab doch noch Stoff/ sieben Jahre Loch gehen mir gerade durch den Kopf“ schildert Abdi sehr bildlich, wie schnell das schöne Thug Life sein jähes Ende finden kann. Und weil eben auch Celo & Abdi eigentlich nur zwei ganz normale Jungs sind, gibt es auf dem Album halt auch ab und zu ganz normale Jungs-Themen, beispielsweise auf dem Track “Frauen“. Zugegeben, neue Erkenntnisse erhält man hier nicht, dafür aber einen Gastvers von Schwesta Ewa, die schon mal einen Hinweis gibt, worüber es in ihrem hoffentlich bald erscheinenden Mixtape gehen könnte: “Mit Jungs im Base-Chat am telefonieren/ präsentierst deine Blaselippen auf deinem Facebookprofil/ ach, ich könnte stundenlang von euch Heuchlern labern/ doch hab keine Zeit, weil ich muss Steuern zahlen“ regt sie sich über die Doppelmoral mancher Frauen auf, die über Ewas Berufsstand verächtlich die Nase rümpfen, aber durch ihr Verhalten selbst jeder Prostituierten Konkurrenz machen könnten – meist allerdings weit schlechter bezahlt sind.

Sehr amüsant auch “Last Action Hero“ mit Queen-Sample, oder das durch die Videoauskopplung bekannte Hektiks“ mit Celos Supereinstieg. “Hinterhofjargon“ ist nicht nur ein extrem kurzweiliges Album geworden, was zu einem erwähnenswerten Teil auch m3 zu verdanken ist, der immer die richtigen Instrumentals aus dem Ärmel zu schütteln weiß, sondern durch seine rohe, unverfälschte Machart ein echter Beton-Klassiker, vergleichbar mit früheren Azad-Werken. Pure Authentizität gepaart mit dem richtigen Schuss Wahnsinn. Hier wird die Messlatte, an der sich künftige Releases dieser Schule werden messen lassen müssen, ganz schön hochgelegt, oder um an dieser Stelle mal meine zugegebenermaßen noch schwachen Hinterhofjargonskills anzubringen: Rrrasiert!

mudi

Mudi – Züleyha (prod. The Royals) [Video]

Mudi veröffentlicht seine erste Videoauskopplung „Züleyha“ aus seinem kommenden Debüt Album „Hayat„, welches im April erscheinen soll. Der Track handelt von einer verflossenen Liebe, der Beat ist simpel melodisch…

kurdo-sheherezade1

Kurdo – Sherazade feat. Massari (prod. Zino Beatz) [Video]

Kurdo mit einem selten romantischen Moment: Der kurdische Emmertsgrunder berappt seine Traumfrau, die den Namen der berühmten Geschichtenerzählerin aus der arabischen Sagensammlung „1001 Nacht“ trägt, die, zum Tode…

Morten-Lex Lu-Vibes aus Berlin

Lex Lu & Morten – Vibes aus Berlin [Stream]

Der Berliner Produzent Morten dürfte mittlerweile auch einem breiteren Publikum bekannt sein: Nach Produktionen für seinen Bruder Marvin Game, Mauli und Zugezogen Maskulin ist der Moabiter im gehobenen…

nazar-konzert-ansage

Nazar gibt Titel seines neuen Albums bekannt

Nazar arbeitet derzeit an seinem neuen Album – das gab er vor kurzem bekannt. Nun gibt er den Titel des neuen Werks bekannt. Demnach wird es „Irreversibel“ (unumkehrbar)…

capital-bra-uzi

Capital feat. King Khalil – Kuku Habibi (prod. Hijackers) [Video]

Capital veröffentlicht mit „Kuku Habibi“ ein weiteres Video aus seinem kommenden Album „Kuku Bra„. Als Featuregast tritt King Khalil in Erscheinung. Produziert wurde der Track von den Hijackers….

MC Smook Rap-Ist Alina

MC Smook – Rap-Ist Alina (prod. Young Flüchtling) [Video]

MC Smook veröffentlicht heute das Video zu dem Song „Rap-Ist Alina“ . Die Hymne auf die „fruchtige“ Rap-Ist Redakteurin wurde von Young Flüchtling produziert und ist auf dem…

Nimo-Camp Nou-Ideal-Habeebeee

Nimo feat. Celo – Camp Nou (prod. m3) [Video]

Nimo gibt weiter Gas und veröffentlicht mit „Camp Nou“ das nächste Video von seinem kommenden Album „Habeebeee„. Auf dem von m3 produzierten Beat liefert außerdem Celo einen Gastvers ab….

flexis

Flexis feat. Mo – Winterdepression (prod. Bobby Soulo) [Video]

„Winterdepression“ – die fühlt gerade sicher nicht nur Flexis – er aber macht einen Track dazu. Zusammen mit Mo in der Hook rappt Flexis smooth mit aggressiven Lyrics…

manuellsen-akustik

Manuellsen – Thx I Get (Akustikversion) [Video]

Manuellsen gewährt uns Einblicke in seine Studioarbeit in Form einer Akustikversion von „Thx I Get“ . Der Song war als Feauturesong mit PA Sports auf seinem Album „MB3“…

Pi-mal-d

Meme der Woche: Pi mal Daumen

Ein Prinz muss tun, was ein Prinz tun muss. Da Präzision und Genauigkeit bekanntlich zu den Tugenden des begabten Friedrich Kautz gehören, ist er sich auch nicht zu…

Cover 4. Februar

Überblick 4. Februar: Megaloh, RAF Camora, Ali As, Pillath u.a.

Was war am 4. Februar los im Rap-Game? Einiges. Wer nicht den Überblick verlieren will, kann wie jeden Tag in unserer Tagesübersicht checken, ob er was verpasst hat….

raf-camora-ghost

RAF Camora – Ghøst‬ ‪(prod. Stereoids, Abaz & RAF Camora) [Video]

Mit dem ersten Video „Ghøst“ zeigt RAF Camora, wohin die Reise mit dem gleichnamigen neuen Album gehen soll. Düstere Atmosphäre, ein Sound, der Einflüsse von Ragga bis Trap…