Connect

REVIEW

18.06.2012 Autor: Oliver Marquart

Blokkmonsta - Doom Rap

Berlin bleibt hart

Redaktionsbewertung

Das Thema Hirntot wird von den HipHop-Medien gerne mal links liegen gelassen. Wenn, dann sind es meistens eher die Boulevardblätter, die sich auf angebliche Waffenfunde und "Hass-Rapper" stürzen. In weiten Teilen der HipHop-Szene wird diese grundsätzliche Ablehnung mehr oder weniger stillschweigend mitgetragen. Die Frage sei erlaubt: Warum eigentlich? Derselbe Typ, der sich Gewalt-Pornos der Kategorie "Saw" reinzieht, hat ein Problem mit Texten, die ebenfalls meist gewalttätige Inhalte haben? Obwohl Texte immerhin noch weit mehr die Phantasie einbeziehen als filmische Bilder?

Etwas anderes wäre es freilich, wären Blokkmonsta und einige weitere Künstler aus dem Hirntot-Umfeld in dem Prozess Anfang dieses Jahres schuldig gesprochen worden. Dann wäre klar gewesen: Eine Trennung zwischen Kunst und Realität findet nicht statt. Sind sie aber nicht. Sie wurden vielmehr freigesprochen. Und dieser Freispruch stellt klar: Was Blokkmonsta und andere auf ihren CDs veranstalten, ist Kunst. Kunst, die einem gefallen oder nicht gefallen kann, aber definitiv nichts, was es zu ächten gilt.

Doch genug der Vorrede. Wenden wir uns dem neusten Streich des Hirntot-Chefs Blokkmonsta zu. Besagter Prozess bzw. die vorangegangene Zeit in der Untersuchungshaft spielen auf "Doom Rap" gleich zu Beginn eine Rolle. Beim Opener "Steh wieder auf" verarbeitet der Hirntot-Chef diese Zeit in gewohnt wütendem Tonfall. "Ich sitze bei der Polizei und habe keine Wahl/ hab mein Anwalt angerufen "hol mich aus der Scheiße raus"/ keine Lust auf Knast/ heute lande ich im Bau". Das alles auf einem bedrohlich nach vorne marschierenden Beat, dazu die Versicherung, sich von solcherlei Erlebnissen nicht unterkriegen lassen zu werden. Auch "Eine wahre Begebenheit" greift die Ereignisse rund um die Verhaftung Blokks auf, hält sich allerdings nicht sehr streng an die wahren Begebenheiten, sondern dramatasiert das Geschehen bewusst und übersetzt es in eine weitgehend fiktive Geschichte mit wahrem Hintergrund.

Das war's dann aber auch schon zu diesem Thema. Wer ausführliche Reflektionen über Blokks Zeit hinter Gittern erwartet hatte, wird enttäuscht. Auf den meisten Tracks bekommt der Hörer stattdessen das, was er von einem Hirntot-Release gewohnt ist. Da wird die Waffe in "Desert Eagle" durchgeladen, werden Feinde in "Lava" verbrannt, werden Kontrahenten in "Guck nicht wie ein Hund" recht humorlos weggegrätscht. Nach wie vor holt Blokkmonsta mit Vorliebe zur verbalen Blutgrätsche aus, noch immer steckt sehr viel Wut, Ärger und Hass in seinen Zeilen.

Das gilt auch für zwei Songs, die man durchaus als politisch bezeichnen kann: "Der kleine Mann", in dem es nicht um Basstard, sondern um den sprichwörtlichen Mann von der Straße geht, der von denen da oben nur verarscht wird. Ein bisschen platt, das. In eine ähnliche Kerbe schlägt "Alles Schein" zusammen mit Schwartz, das in seiner Kritik an Instransparenz, politischen Intrigen und Korruption auch eher vage bleibt.

Die musikalische Grundlage dafür, die von Blokk selbst sowie Samurai Sounds, Stalka Beatz, Hamad Sherif, Barret Beatz sowie dem Ami Mr. Sche  stammt, ist angemessen düster und in der Tradition des Untergrund-Rap aus Memphis, Tennessee verhaftet. Eine bedrohliche Synthieline, ein dumpfer Bass und eine klatschende Snare bilden meist die Grundlage der einzelnen Songs. Fröhliche oder entspannte Tracks sucht man auf "Doom Rap" vergeblich. Allein "Echte Jungs" mit Frauenarzt, Sady K und Jasha überrascht mit einer gesungenen Hook, während "Murda 4 Hire" mit Westcoast-Legende C-Bo tief in G-Funk-Gewässern fischt.

Neben letztgenanntem hat Blokk noch einen weiteren US-amerikanischen Verbündeten mit ins Boot geholt: Niemand geringeren als Pastor Troy, der dem Abschlusstrack "We the crunkest" seinen Stempel aufdrückt. Weitere Gastauftritte bestreiten Rako, Orgi, Uzi, Perverz, Vero, Dapharao und den 4.9.0. Friedhof Chillern.

Auch wenn Blokks Stimme und Raptechnik über die Jahre hinweg weitaus ohrenfreundlicher geworden sind, bleibt es doch dabei: "Doom Rap" ist ein Album für die breite Masse, sondern für den harten Kern der Hirntot-Fans und wird dem Mann mit der Sturmmaske eher keine neuen Fangruppen erschließen - was er vermutlich auch gar nicht vorhatte. Harter, wütender und kompromissloser Rap mit einem starken Hang zu Bösartigkeit und einer grundsätzlichen Anti-Haltung.

Label: Hirntot Records

Kommentare   

 
+1 #13 Phreneticus 2012-08-02 08:10
Wieviele deppen es hier sind die denken sie hätten ahnung.. ist echt schon armselig..

der erfolg spricht für blokk .. also solltet ihr dummen hater ma den kopp zu machen ;)
Zitieren
 
 
-1 #12 raw bird 2012-07-09 16:55
ich finde die review klingt so ziemlich negativ. auf jeden fall wird nix gutes gesagt :D es scheint so geschrieben zu sein, dass minder-intellig ente menschen wie blokkmonsta einfach nicht kapieren, dass alles andere als lobpreisungen darin zu lesen sind :D

danke rap.de
Zitieren
 
 
-1 #11 Giga Gerne 2012-07-06 17:13
zitiere Stefan_:
Danke für die Review.
Die Kommentare hier sind wirklich sehr lustig. Ich kann mir Hirntot Musik anhören und sie gefällt mir sogar. Ganz ohne das meine Ohren zum bluten anfangen oder ich mir alle 5 Sekunden denke "Das ist nicht Hip-Hop."
Die Kommentare sehe ich nur als Bestätigung, dass die meisten Leute hier rap erst seit ein paar Jahren hören und einfach keine Ahnung von deutsch rap (und damit mein ich nicht schwuchteln in engen Hosen) und von Hip-Hop allgemein haben.

Es grüßt


Was man "Hirntot" echt nicht vorwerfen kann, ist das sie sich nach ihrer Zielgruppe benannt haben! Sehr Fair,..
Zitieren
 
 
+4 #10 Stefan_ 2012-06-23 14:43
Danke für die Review.
Die Kommentare hier sind wirklich sehr lustig. Ich kann mir Hirntot Musik anhören und sie gefällt mir sogar. Ganz ohne das meine Ohren zum bluten anfangen oder ich mir alle 5 Sekunden denke "Das ist nicht Hip-Hop."
Die Kommentare sehe ich nur als Bestätigung, dass die meisten Leute hier rap erst seit ein paar Jahren hören und einfach keine Ahnung von deutsch rap (und damit mein ich nicht schwuchteln in engen Hosen) und von Hip-Hop allgemein haben.

Es grüßt
Zitieren
 
 
+3 #9 vitamalz 2012-06-21 18:38
@schwartz: es gibt nicht die technik, aber wenn etwas handwerklich schlecht gemacht ist, dann ist es eben handwerklich schlecht gemacht. es gibt leute die sind in ihrer technik relativ unspektakulär, aber es flowt trotzdem, und das ist ok. wenn jemand aber vollkommen unbeholfen über den beat stolpert und auch reimtechnisch auf unterstem niveau ist, dann kann er sich nicht beschweren wenn den scheiß kaum einer hören will.
Zitieren
 
 
+3 #8 arno nyhm 2012-06-19 06:50
@schwartz
das auf grindcore zu beziehen ist schon sehr gewagt. da haben auch bands mit unterirdischem frontmann erfolg, weil der rest der band es halt mal drauf hat.
so muss man es schon auf die gesammte band beziehen, der drummer trifft den tackt nicht und verkackt die double base, die klampfe spielt alte slayer riffs, der bass macht was er will und bedient sich bei alten "romero" melos. die lyrics basieren auf grundschul polemik und abgedroschenen splatter bildern. so eine band würde von der scene auch abgestraft werden.
Zitieren
 
 
+3 #7 Don Promillo 2012-06-18 18:19
@schwartz
dann mach doch Metal und kack hier nicht so rum...die böse, böse Hip Hop Szene mag mich nicht, heul.... man, man, da will man sich mit seiner Musik von allen Anderen abgränzen, jammert dann aber rum wenn alle Anderen mit der Musik nix anfangen können und die eigenen minderbemitteln den Hardcorefans das Zeug nur saugen... Ach Oliver, auch Fan oder hat man Schiss das wieder mal Besuch vorbei kommt... soviel zum Thema nur in den Texten Gewalt, frag doch mal Staiger...
Zitieren
 
 
+7 #6 so so 2012-06-18 14:26
"saw" ist also ein "gewalt-porno" und das blokkmonsta album kunst. interessant...
Zitieren
 
 
+1 #5 dr. zerficker 2012-06-18 13:18
hör das album grad auf einem legalen streamingservic e. wär hätte das gedacht, dass die ht-jungs es mal soweit schaffen....…

für diesen horror-kram war ich schon immer offen, nur der ht-output war einfach unterirdisch! aber seitdem dieser blokk flowen kann, find ichs geil......
Zitieren
 
 
+4 #4 dr. zerficker 2012-06-18 13:00
so is richtich, rap.de. erste woche reviews raushauen. kann ich mit leben. bitte immer so. danke!
Zitieren
 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

mehr zum Thema

Ratings Reviews

Ein Fan werden

Newsletter

Was Rap angeht - immer auf dem laufenden bleiben. Melde dich für den rap.de-Newsletter an.