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REVIEW

12.09.2012 Autor: Quelle

Dope D.O.D. - Branded

Niederländische Krawallmacher

Redaktionsbewertung

Es ist ungefähr zwei Jahre her, dass mich ein Kumpel mit zu einem Konzert der Nu-Metal-Band Limp Bizkit geschlleift hat. Der Saal war gefüllt mit entweder langhaarigen Metalheads oder Leuten mit umgedrehten roten Yankees-Basecaps, die so aussahen als wären sie einem Fred Durst-Look-A-Like-Contest entsprungen.

Nichtsahnend stand ich nun in der Menge zwischen den Headbangern, als der Voract auftrat: Dope D.O.D.. Auf einmal sprangen diese drei Niederländer über die Bühne mit ihren roughen Raps und dreckigen Beats. Das Trio ist bestehend aus Jay Reaper, einem Schwarzen der die ganze Zeit so schaut, als wolle er jemanden abstechen, Skits Vicious, einem zwei Meter großen Typen mit Halbglatze, der einem schlechten 80er Jahre Trash-Horror-Film entsprungen sein könnte und Dopey Rotten, der wahrscheinlich das Amphetamin schon mit der Muttermilch aufsaugen musste. Die Show der drei kam bei dem Metalheads ungefähr so gut an als wäre Justin Bieber der Voract für ein Wu-Tang Konzert. Mich störte das nicht weiter, ich feierte die Verbindung von harten Raps, Boom-Bap Drumbreaks und Wobblebässen.

Zuhause zog ich mir erstmal das genial gemachte "What happend"-Video des Trios rein, aber es kam, wie es kommen musste "Aus den Augen aus dem Sinn" und Dope D.O.D. verschwand für mich erstmal wieder von der Bildfläche - bis zu dem Tag als ihr Album "Branded" auf unseren Redaktionstisch landete.

Wie bereits erwähnt verschmelzen Dope D.O.D. Samples mit Dubstep-Bässen, der findige Raphead wird sich nun denken "Ahh, Grime!", aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Der Sound des Trios orientiert sich eher an 90er Jahre-Rap als an der aus 2step entstandenen Musikrichtung und entlehnt lediglich die Subbässe des Genres, die Drums und die düsteren Samples hingegen stammen eindeutig aus dem Boombap. Die Texte sind eine Mischung aus harten Punchlines und Horrorfilmverweisen, wie das oft beschrieene "Redrum" aus "The Shining" oder den "Ratmonkeys" aus Peter Jacksons Frühwerk "Braindead".

Bereits der Introtrack "Branded", mit einem Sample aus dem Film "Kings of Rock", zeigt wo es thematisch und soundtechnisch die nächste Stunde lang geht. "Are you ready for the real hardcore shit?" brüllt Skits Vicious mit seiner charkteristischen Reibeisenstimme. "Real Gods" featured den Untergrund-MC Simon Roofless auf einem Beat der Instrumentals der ersten Wu-Tang Ära ähneln, wieder einmal Punchlinerap vom feinsten.

Ebenfalls positiv hervorzuheben ist der Track "Ghost in the Darkness", dessen Bassline wahrscheinlich einige Stereoboxen sprengen könnte. Skits und Jay schmeißen quer mit Verweisen aus Horrorfilmen, Religionen, Prä-Astronautik und Ägyptologie um sich.

"Ya quite clueless, ya just like judas /
ya might just run, while i face night,fights with the white cougar /
i dont carry luger, just me and mitts /
in the darkness im raising the obelisk /"

Ein Problem bei den Leute von Dope D.O.D. ist, dass sie leider kaum von ihrer Horrorfilm-Ästhetik abweichen können, in Lieder wie "Slow Motion" wird dies sehr deutlich. Während sich Dopey Rotten noch recht smooth durch den chilligen Beat flowed, hauen Skits und Jay so sehr auf die Kacke, dass es nicht wirklich relaxed bleibt und der Song insgesamt vollkommen sein Ziel verfehlt. 

"Gatekeepers"  zeigt dann aber wieder die Stärke des Trios im guten, alten Possecut-Style wird das Mikro zwischen den Crewmitglieder rumgereicht und der Beat auf ordentliche Weise maltretiert. 

"I hunt this habitat destroy ya battle raps /
 Fracture ya knee caps and take home ya weed stash / 
Gatekeeper no one shall pass / 
Try to trespass and I’ll have the last laugh /"  rappt Dopey Rotten auf "Gatekeepers".

 "Candy Flipping" sampled das eigentlich kritische Lied "Acid, Pot or Pills" von Horace Silver und verwandelt es in eine totale Drogenhymne. "No matter what choice we make, ya know we aint got nothing to loose." Okay, wenn man es so sehen will...

Nach einer Stunde tiefen Bässen, bösen Raps und knalligen Drums ist die Debüt-LP von Dope D.O.D. durchgelaufen. "Branded" ist ein grundsolides Album mit komplett eigenen Soundentwurf, welches das einzige Problem hat, dass es kaum Abwechslung hat, was allerdings für Fans von solch roughen Raps kaum ein Thema ist. Daher sei allen Freunden der härterer Gangart, die Musik á la La Coka Nostra oder Jedi Mind Tricks feiern, dringend empfohlen, sich neue Bassboxen zu kaufen und dieses Album zu pumpen.

Label: Duck Down Music

Kommentare   

 
+2 #3 Stefan_ 2012-09-18 01:08
Danke für die Review, klingt interessant.
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+1 #2 VauE 2012-09-12 21:54
Dieses Album musste fast genau ein Jahr auf eine Review warten. Herzlichen Glückwunsch.
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0 #1 hrnshn 2012-09-12 15:53
Wo ist "HRNSHN"?
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