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Mach One – Meisterstück Vol. 2

Da ist er wieder, dieser kranke Berliner Wichser. Nach  schier endlosen sieben Jahren ist der Meister aus Kreuzberg aka Mach One endlich wieder zurück und hat seine neueste Platte, den zweiten Teil des „Meisterstücks“ gleich mit im Gepäck. Die Erwartungen sind groß nach dem grandiosen ersten Teil, der in HipHop Deutschland völlig zu Recht als Klassiker gehandelt wird. Kann Mach mit seinem neuen Werk, dass den Untertitel „Rock n Roll“ trägt, an frühere Glanzleistungen anknüpfen oder war das Warten vergebene Mühe? 

Eins gleich vornweg: Das ‚Rock n Roll‘ im Untertitel bezieht sich auf Machs Lebensstil, nicht auf die Musik. Fans der alten Werke werden erleichtert aufatmen, den Hörer erwartet ein straightes Rap-Album, das sich zwar von den alten Werken des Meisters unterscheidet, deshalb aber auf keinen Fall schlechter ist. „Meisterstück Vol. 2″ ist, trotz des Richtungswechsels in eine etwas abgedrehterer Bahn, ein pures Mach One-Werk mit gesundem Kreuzberger Sound. Dreckig, rough und ziemlich verrückt. Schon beim ersten Track, „Schweinegrippe“ beweist der Kreuzberger, dass er in den sieben Jahren das Rappen nicht verlernt hat. Ein sauberer Flow über einen smoothen Beat sorgt für einen kurzweiligen und amüsanten Einstiegssong. Auffällig ist jedoch, dass der Track mit vielen, Mach-untypischen Phrasen daherkommt, die zum Teil an sein früheres Kollabo-Projekt mit Darn erinnert. „Freakshow„, jemand?

Doch schon der erste Track nach dem Intro beweist, dass vieles beim Alten, beim guten Alten in diesem Fall, geblieben ist. „Alles Stimmt“ ist eine ironische Einführung in die Persona Mach One, in der sich der 32jährige selbst beschreibt bzw. von enttäuschten Fan- und Haterkommentaren beschreiben lässt. Wer „Meisterstück Vol. 1“ oder das Die Lätzten-Tape „(R)evolution“ gehört hat, der wird sofort erkennen, dass „Alles Stimmt“ einen Abschluss zu „Ich hab gehört“ und „Du hast gehört“ bildet. 

„Alles was du über mich gehört hast stimmt!/
Der is’n Arschloch! Voll der Junky! Mach? Der spinnt!/
Jap! Alles was du über mich gehört hast stimmt!/
Der is‘ korrekt! Voll der Künstler! Mach? Is‘ King!“ 

Mit „Lemminge“ driften wir kurz ab in die verrückte Welt des Kreuzbergers. Der Track ist vergleichbar mit einer irren Reise durch eine Zirkuswelt auf Koks. Ein düsterer Beat trifft auf die verrückten textlichen Auswüchse eines Mach One. „Und jetzt Alle im Gleichschritt Richtung Abgrund„. „Junkytown“ und „Selbstzerstörungsmodus“ fügen sich in die Reihe der abgedrehten Tracks nahtlos ein. „Junkytown“ kommt mit einem knallenden Elektrobeat daher und ist bestens geeignet für das Vorglühen vor der nächsten Technoparty mit bunten Pillen und genügend ethanolhaltigen Getränken. Die Hook wird von Machs Ex-Frau Juscha übernommen und gibt dem Track die passende Atmosphäre. Perfekter Track für den nächsten Exzess. „Selbstzerstörungsmodus“ hingegen ist der Sound für den Morgen danach. Mit viel Ironie werden die Vorkomnisse einer durchzechten Nacht bilanziert. Eine durchgesoffene Nacht mit vielen Drogen, Abstürzen und, naja, geopferten Tieren. 

Mit „Hier steh ich nun“ wird Mach persönlicher und gibt ein wenig Licht in Erlebnisse, die ihn geprägt haben. Die Stichgeschichte wurde ja schon oft genug in Interviews angesprochen, hier erklärt Mach seine Sicht auf die Sache, musikalisch natürlich passend untermalt mit langsamen und ruhigen Beat, der nur durch die eingesetzten Streichinstrumenten ein wenig an Hektik gewinnt. Doch was ist mit den düsteren, alten Sounds, die man von „Meisterstück Vol. 1“ kennt? Die gibt es, wenn auch nicht so stark vertreten wir auf dem Vorgänger. Doch „Nicht von dieser Welt“ und „Legendär„, das mit Taktlo$$ das einzige Feature auf „Meisterstück Vol. 2“ darstellt, beweisen, dass der Kreuzberger auch diesen Style noch drauf hat. Auch Taktlo$$ überzeugt mit für ihn typischen schwarzem Humor und hartem Rapstil. Der Track stellt eines der Highlights der Platte da. Mach One at its best.

In „Sperrt mich ein“ werden die sozialen Umstände, die Mach zu dem machten, was er jetzt ist, beschrieben. Auffallend ist hier die Ähnlichkeit zu B-Real-Tracks, die eindeutig als Vorbild in Sachen Beat und Stimmbetonung dienten. 

Bis jetzt haben wir nur über den Meister persönlich geredet, dabei ist Mach One eigentlich ein Gemeinschaftsprojekt. Zusammen mit Mo, früher bekannt unter dem Namen D-Mo auf Aktes Teroa-Label, entstand „Meisterstück Vol. 2“ fast schon als Kollaboalbum. Auf „Wie Brüder“ übernimmt Mo den zweiten Part des Dialogs über Alkohol, Frauen und Drogen. Getreu dem Motto: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Auf „Nicht von dieser Welt“ überzeugt der neue Begleiter des Kreuzbergers vor allem durch seinen passenden Gesang, der dem Track eine düstere Atmosphäre verleiht.  

Alles in allem, hat Mach es geschafft, ein Album abzuliefern, das den hohen Erwartungen nach „Meisterstück Vol. 1“ mehr als gerecht wird. Die angekündigten Psychotracks und die deutliche Steigerung zu aggressiven bzw. fast schon depressiven Tracks ist mehr als gelungen. Mach flowt dermaßen lässig über die abgedrehten, düsteren, melancholischen oder wahnsinnigen Beats. Die sieben Jahre Wartezeit haben sich gelohnt, jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass es bis zum „Meisterstück Vol. 3“ nicht wieder sieben Jahre dauert.

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