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Vega – Nero (Album)

Ein neues Vega-Album ist eine verlässliche Sache. Große Überraschungen, ambitionierte Experimente sind nicht zu erwarten. Vega kennt seine Stärken und hält sich konsequent daran: Kompromisslosigkeit, Härte und jede Menge Pathos. Das gilt selbstverständlich auch für „Nero„, sein jüngstes Werk, benannt nach dem römischen Kaiser, der Rom angezündet und die Schuld den Christen in die Schuhe geschoben haben soll. Und das italienische Wort für die Farbe Schwarz. Beides passt natürlich: Städte anzünden, wenn alles schwarz (dunkel) ist, bis alles schwarz ist. So könnte man Vegas Musik und Texte durchaus treffend zusammenfassen.

Somit könnte einen beim Hören eines neuen Vega-Albums gähnende Langeweile packen. Die immer wiederkehrenden Inhalte, die immer wieder beschworenen Werte, die immer wieder verfluchten Pop-Schwuchteln, die „ihn blasen bis er spuckt„, die immer wieder gnadenlos pathetischen Beats. Das Erstaunliche ist aber: Es wird nicht langweilig. Kein bisschen. Im Gegenteil. Bereits im „Intro“ stellen sich die Nackenhaare auf. Es ist Pathos-Zeit.

Über 400 Tage auf der Straße mit den Jungs
über 400 Rapper, die ihn blasen bis er spuckt
über 30.000 Minuten gefiebert, wenn du spielst
hab gelacht, hab geweint, weil für mich Krieg ist wenn du spielst“ („Intro„)

Letzeres natürlich bezogen auf die Eintracht aus Frankfurt. Am besten findet man zu diesem pathetischen, dichtgeknüpften Wortteppich Zugang, wenn man sich vorher das eine oder andere Gläschen Whiskey genehmigt. Dann nickt der Kopf wie selbstverständlich zu den martialischen Beats, zu den trotz des Erfolgs von Vorgänger „Vincent“ immer noch trotzigen Ansagen, die Vega im Minutentakt abfeuert.

Und es wird schwarz
wo ich lauf‘ zieht der Himmel sich zu
und es wird schwarz
atme den Smog dieser Stadt seitdem ich laufen kann
und er ist schwarz“ („Erster der kommt, letzter der geht„)

Wenn Vega selbst dann auch noch in ebenjenem Song bekennt: „Und ich sauf‘ zu diesem Sound„, hebt man automatisch das Glas mit dem guten Scotch in die Höhe, prostet ihm zu und fühlt sich besser verstanden als der Säufer in der Kneipe. Ja, Vegas Musik macht besoffen, ist selbst besoffen. Besoffen von schweren, düsteren Bildern, besoffen von großen Worten, besoffen von mächtigen Beats.

Und die Natur. Die gute, alte Mutter, ihre Gewalten und vier Elemente sind in Vegas Texte stets präsent, ziehen sich wie ein roter Faden durchs Erdreich seiner Texte und verleiht diesen erst recht eine gewisse archaische Atmosphäre, die im deutschen Rap ihresgleichen sucht. „Eisiger Wind, der auf die Wangen peitscht wie kaltes Leder“ („Dem Himmel noch näher„), „Ihr wünscht euch alle, dass der Regen wieder fällt“ („Diese Stadt muss brennen„), „Wir sind da, wenn es schwarz wie die Nacht ist“ („Es wird Zeit“ feat. Bosca). Das in Verbindung mit einer großen Portion Weltschmerz und Einzelkämpfertum sind die Grundzutaten für Vegas Musik. „Ich bin ein ganz großer Frankfurter/ brauche ein Mic/ doch den letzten Weg lauf‘ ich allein“ („Käfig aus Gold„)

Wenn Vega einmal nicht einsam auf einem hohen Berg steht und voller Verachtung ins Tal blickt, dann findet man ihn sicherlich mit zwei Bengalos in der Hand im Fanblock seines Lieblingsvereins. Bereits erwähnte Eintracht widmet Vega den kompletten Song „Weiß„, auch sonst taucht der Frankfurter Erstliga-Club immer wieder auf. Für die zweite große Liebe in seinem Leben, seine Frau, hat er den Song „Nur wir beide“ aufgenommen, der durch den Gesang von David Pino ein bisschen kitschig wird, was angesichts der ansonsten vorherrschenden Brachialität aber durchaus für ein wenig Erholung sorgt. Das gilt im übrigen auch für den Gastauftritt von Raf Camora und MoTrip auf „Von einem anderen Stern„.

Außer diesen beiden Konstanten (Frau und Fußballverein) gibt es nur noch eine weitere, deren Licht ab und an durch die ansonsten undurchlässige Wolkendecke bricht: Seine Jungs. Die Loyalität zu diesen ist ebenfalls weiterhin fester Bestandteil von Vegas Texten.

So könnte man nun geneigt sein, „Nero“ auf den vorletzten Song der Standard-Edition „Immer noch“ zu reduzieren: Alles beim Alten, im südwesten nichts Neues. Doch das stimmt nicht. „Nero“ ist im Vergleich zum Vorgänger noch konsequenter durcharrangiert, der Pathos ist noch monumentaler, die Beats sind noch besser auf den Punkt produziert bzw. reduziert, denn Vegas Stimme braucht viel Platz zum Atmen. „Vincent“ war die Pflicht, „Nero“ ist die Kür.

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