Geschrieben von: admin 10.05.2012
Der 1. Mai in Berlin-Kreuzberg ist berühmt-berüchtigt. Die Polizei bereitet sich auf diesen Tag mittlerweile sehr akribisch vor. Mithilfe eines Stadtteilfests, dem sogenannten Myfest, versuchen Anwohner, die seit Ende der 80er Jahre üblichen Krawalle zumindest einzudämmen. Und so verwandelt sich die Oranienstraße mittlerweile immer pünktlich zum Beginn des Wonnemonats in eine Sauf- und Fressmeile, von zahlreichen Bühnen schallen Rock, Punk, Techno und Rap. Vor allem wegen letzterem war rap.de dieses Jahr in Kreuzberg vor Ort. Wir sprachen mit Künstlern wie Alpa Gun, Liquit Walker, Ben Salomo, Mike Fiction, Chefkoch, Morlockk Dilemma, Chefket, Amewu und Veranstalter Senol von 36Kingz, der das Myfest seit Jahren mitorganisiert. Hier seht ihr Teil 1.
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Der 1. Mai in Berlin-Kreuzberg ist berühmt-berüchtigt. Die Polizei bereitet sich auf diesen Tag mittlerweile sehr akribisch vor. Mithilfe eines Stadtteilfests, dem sogenannten Myfest, versuchen Anwohner, die seit Ende der 80er Jahre üblichen Krawalle zumindest einzudämmen. Und so verwandelt sich die Oranienstraße mittlerweile immer pünktlich zum Beginn des Wonnemonats in eine Sauf- und Fressmeile, von zahlreichen Bühnen schallen Rock, Punk, Techno und Rap. Vor allem wegen letzterem war rap.de dieses Jahr in Kreuzberg vor Ort. In Teil 2 kommen Veranstalter Senol, Amewu, Jalil, Ben Salomo und Mike Fiction zu Wort.
Der 1. Mai in Berlin-Kreuzberg ist berühmt-berüchtigt. Die Polizei bereitet sich auf diesen Tag mittlerweile sehr akribisch vor. Mithilfe eines Stadtteilfests, dem sogenannten Myfest, versuchen Anwohner, die seit Ende der 80er Jahre üblichen Krawalle zumindest einzudämmen. Und so verwandelt sich die Oranienstraße mittlerweile immer pünktlich zum Beginn des Wonnemonats in eine Sauf- und Fressmeile, von zahlreichen Bühnen schallen Rock, Punk, Techno und Rap. Vor allem wegen letzterem war rap.de dieses Jahr in Kreuzberg vor Ort. In Teil 3 äußern sich B-Lash, Chefkoch, Morlockk Dilemma und Chefket.
Der 1. Mai in Berlin-Kreuzberg ist berühmt-berüchtigt. Die Polizei bereitet sich auf diesen Tag mittlerweile sehr akribisch vor. Mithilfe eines Stadtteilfests, dem sogenannten Myfest, versuchen Anwohner, die seit Ende der 80er Jahre üblichen Krawalle zumindest einzudämmen. Und so verwandelt sich die Oranienstraße mittlerweile immer pünktlich zum Beginn des Wonnemonats in eine Sauf- und Fressmeile, von zahlreichen Bühnen schallen Rock, Punk, Techno und Rap. Vor allem wegen letzterem war rap.de dieses Jahr in Kreuzberg vor Ort. In Teil 4 spricht Alpa Gun über seinen 1. Mai und warum er früher an diesem Tag nie in Kreuzberg unterwegs war.
Der 1. Mai in Berlin-Kreuzberg ist berühmt-berüchtigt. Die Polizei bereitet sich auf diesen Tag mittlerweile sehr akribisch vor. Mithilfe eines Stadtteilfests, dem sogenannten Myfest, versuchen Anwohner, die seit Ende der 80er Jahre üblichen Krawalle zumindest einzudämmen. Und so verwandelt sich die Oranienstraße mittlerweile immer pünktlich zum Beginn des Wonnemonats in eine Sauf- und Fressmeile, von zahlreichen Bühnen schallen Rock, Punk, Techno und Rap. Vor allem wegen letzterem war rap.de dieses Jahr in Kreuzberg vor Ort. In Teil 5 erklärt Liquit Walker, was er vom Myfest hält.
Hier geht es zurück zu Teil 1.
Geschrieben von: Ali Peker /Fotos: Ondro Ovesny 25.04.2012
Alpa ohne Sido? Bisher schwer vorstellbar. Die selbsternannte Stimme der Straße hatte seinen Aufstieg schließlich an der Seite des Ex-Maskenmannes erlebt, war von dessen Fahrer zu dessen Back-Up und schließlich zu einem eigenständigen Rapper aufgestiegen. Doch die Versöhnung Sidos mit seinem einstigen Erzfeind war anscheinend zu viel für den Schöneberger - obwohl er sich mit Bushido inzwischen anscheinend ausgesöhnt hat. Doch Streit hin, Beef her - Alpa veröffentlicht am heutigen Freitag sein neues Album "Ehrensache". Und kündigt nicht weniger als einen Neuanfang an. Ein Gespräch über Ehrensachen, Jugendzeitschriften und die leidige Integrationsdebatte.

rap.de: "Ehrensache" ist dein erstes Album, das du ohne Sido im Rücken veröffentlichst. Empfindest du das eher als Belastung oder Befreiung?
Alpa Gun: Ich empfinde das als Befreiung. Es ist halt vieles passiert. Es war alles nicht so, wie es nach außen hin rüberkam. Von daher: "Ehrensache", um den Leuten da draußen klar zu machen, was wirklich Sache ist. Das ist mir sehr wichtig. Außerdem ist das Album wie ein Neuanfang für mich.
rap.de: Inwiefern ist "Ehrensache" denn ein Neuanfang? Erfindest du dich noch mal neu?
Alpa Gun: Alpa Gun hat sich nicht geändert. Aber die Leute haben mich die ganze Zeit mit der Sekte in Verbindung gebracht und ich bin keiner von denen. Ich bin der Junge von der Straße aus Schöneberg. Ich war noch nie mit denen wie eine Sekte oder Gang. Jetzt beginnt eine neue Ära. Ich fange wieder von Null an, um den Leuten endlich klar zu machen, dass ich keiner von denen bin.
rap.de: Hat dir Sido bei den bisherigen Alben viel reingeredet?
Alpa Gun: Nicht viel, aber immer, nachdem ich mein Album fertig hatte, saßen wir zusammen mit Sido an den Songs und haben dann entschieden, was wir rausbringen und was nicht. Jetzt entscheide ich alles allein. Das ist alles Alpa Gun, was ihr hört.
rap.de: Was hätte er wohl an "Ehrensache" kritisiert? Was hätte ihm daran nicht gefallen?
Alpa Gun: Sido wird auf jeden Fall den Song "Alles war die Sekte" feiern, da bin ich mir sicher (grinst).
rap.de: Ist dieser Song eigentlich als Diss gegen ihn zu verstehen?
Alpa Gun: Das ist kein Diss, eher eine Abrechnung mit der Sekte. Aber auf keinen Fall ein Diss. Da waren halt gewisse Sachen, die ich los werden musste. Es geht darum, dass Sido sagt, es sei alles cool zwischen uns - und nein, das ist es nicht. Ich muss den Leuten klar machen, was Sache ist.

rap.de: Denkst du, du kannst mit dem Album endgültig aus Sidos Schatten treten?
Alpa Gun: Ja, darum gehts mir auch. Irgendwie hab ich das Gefühl gehabt, Sido hätte in mir eine Konkurenz gesehen. Vielleicht wollte er nicht, dass ich richtig voran komme. Damals, als "Ausländer" rauskam, hat das jeder Zweite auf der Straße krass gefeiert, aber komischerweie hab ich nie 'ne eigene Tour gekriegt, obwohl die Rapper, die nach mir neu gekommen sind, dann alle auf Tour gegangen sind. Jeder hat sein Ding gemacht - wieso hat es bei mir nicht so funktoniert? Mir war es sehr wichtig, dass ich mit "Ehrensache" aus diesem Schatten heraustrete und den Leuten klar mache: Ich kann es auch alleine.
rap.de: Hat sich Sido in irgendeiner Form auf deine Äußerungen in einer auflagenstarken Jugendzeitschrift bei dir gemeldet?
Alpa Gun: Eigentlich nicht, aber indirekt schon. Er meinte, wer jetzt noch in der Bravo stattfände, hätte das halt nötig. Sido war doch der erste in der Bravo! Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Er ist derjenige, der HipHop in die Bravo gebracht hat und Sido ist auch aufgestiegen durch die Bravo. Er ist auf jeden Fall talentiert, aber dieses Talent hat ihm Gott gegeben. Egal, wie talentiert du bist, keiner schafft es allein nach oben und Sido ist so ein Mensch, der es auch nicht alleine nach oben geschafft hat. Sprich Bravo, sprich Aggro Berlin, sprich Alpa Gun. Leute, die ihm die Tür öffnen, die ihm den Weg frei halten. Also nochmal: Wer im Glaushaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Er hat's uns vorgemacht, er war der erste. Ich war der letzte.

rap.de: Wartest darauf, dass er sich bei dir meldet?
Alpa Gun: Ich hab damit abgeschlossen. Der Zug ist abgefahren.
rap.de: Was müsste Sido denn tun, damit ihr euch wieder vertragt?
Alpa Gun: Bei mir zählen die menschlichen Werte und ich hab bei denen echt gemerkt, dass sie nicht immer ehrlich zu mir waren. Hauptsache, es hat funktoniert bei ihnen - das war zu oberflächlich für mich. Sido soll erst mal ein Mensch werden, er soll sich selbst nicht belügen. Er soll in den Spiegel gucken und sagen: "Ja es stimmt, ich hab hier und da Fehler gemacht. Ich will jetzt ehrlich hingehen und das zugeben". Man kann über alles reden. Außerdem verzeiht der liebe Gott den Menschen auch. Wieso sollen wir nicht verzeihen? Ich weiß ja auch gar nicht, ob er so krass geblendet ist von seinem Erfolg oder so krass hängen geblieben ist auf seinen Drogen, dass er überhaupt nicht versteht, was ich ihm vermitteln will. Das ist mir auch sehr wichtig. Wenn er das jetzt als Diss aufnimmt und mir morgen einen Disstrack macht, dann hab ich halt recht gehabt: Er hat's nicht verstanden. Und mit solchen Leuten will ich nichts zu tun haben. Ich hab hier meine eigene Familie, meine eigenen Freunde. Die sind mir sehr wichtig, weil sie auch ehrlich zu mir sind. Sie würden hinter meinem Rücken für mich ins Feuer springen, nicht nur vor meinen Augen zum Schein.
rap.de: Kürzlich hast du mit Fler und Savas auf dem Cover bereits erwähnter Jugendzeitschrift "Das neue Berlin" ausgerufen. Was soll das sein?
Alpa Gun: Das neue Berlin sind wir drei, wir sind die Berliner Rapper. Die Loyalen, die Wahren, die Echten. Nicht die, die rumheucheln, oder sich hochblasen. Die, die auf eigene Faust, auf eine ehrliche Art und Weise ihr Ding durchziehen. Das ist das neue Berlin. Dazu gibts natürlich auch einen Song auf meinem Album und der wird auch die nächte Single nach "Alles war die Sekte" sein. Da geht es darum, was sich in Berlin alles geändert hat, dass es nicht mehr so hart und so Ghetto wie früher ist. Hier in Schöneberg und Kreuzberg, was früher Klein Istanbul war, haben jetzt mehr die Yuppies das Sagen, die sind in Überzahl. Du siehst nicht mehr BMX-Fahrer, du siehst jetzt nur noch diese Frauen-Radfahrer mit ihren Trödelanzügen.
rap.de: Gerade Fler und Savas sind ja schon mehr als zehn Jahre am Start. Was ist an der Konstellation also neu?
Alpa Gun: Dass wir zusammen sind, dass wir das neue Berlin zusammen bilden. Wir sind die Berliner Rapper, die wahren Berliner Rapper. Nicht Sido oder Bushido, wie die Leute denken. Die haben mit Berlin nichts zu tun. Guck mal: Savas, ich, Fler - wir sind die Jungs, die auf der Straße noch Laufen Können. Die beliebt sind. Wo die Leute mit dem Finger auf uns zeigen und sagen "Oh geil, Savas ist da, oh geil Fler ist da - lass Foto machen". Nicht wie bei den anderen, bei denen sie sagen "Ihh, guck mal, der Hund von dem und dem". Das ist das neue Berlin. Um klarzumachen: Berlin ist nicht so, wie die Leute denken, dass jeder uns dissen kann. Wir sind ehrlich und loyal - das neue Berlin halt.
rap.de: Die beiden sind also auch auf deinem Album vertreten. Ist darüber hinaus eine weitere Zusammenarbeit mit ihnen geplant?
Alpa Gun: Warum nicht - ich bin für alles offen. Es gibs zwar keine genauen Pläne, aber bei Savas und Fler würd' ich mich freuen... ein "Carlo Cokxxx Nutten 3", oder so! (lacht)
rap.de: Zum Album "Ehrensache ". Was sind für dich Ehrensachen?
Alpa Gun: Mit drei Worten: Respekt, Loyalität und Ehre. Oder sagen wir vier Worte. Stolz gehört auch dazu.
rap.de: Deine erste Single "Meister aller Klassen" war ein Rundumschlag an Rapdeutschland. Sonst warst du immer ein Freund der nachdenklichen Töne. Ist das neue Album aggresiver als deine bisherigen Werke?
Alpa Gun: Auf gar keinen Fall aggresiv - es ist ehrlicher, ehrenhafter, vielfältiger. Ich habe für jeden was dabei und in "Meister aller Klassen" geht es halt darum zu sagen: Alpa ist ein Entertainer. Er ist gerade dabei, sich eine Schauspielkarriere aufzubauen, er nimmt sich grad selber nicht so ernst und lacht über das alles, was er da erzählt. Aber im zweiten Video ist Alpa Gun wieder typisch er selbst. Es geht wieder um etwas, da ist wieder eine Aussage drin, was von der Presse die ganze Zeit ignoriert oder überschattet wurde. Die Wulff-Affäre und so 'ne Geschichten. Da ist natürlich Alpa Gun, die Stimme der Straße und da rede ich über sowas, weil es mein Ding ist. Darum geht's mir. Weißt du, die Fans sollen kommen und sagen: "Ich hör keine Rapmusik, aber ich feier Alpa Guns Texte."

rap.de: Ist es nicht Zeit, die ganzen Beef-Geschichten aus Westdeutschland mal ad acta zu legen?
Alpa Gun: Ich hab doch keinen Beef, mit niemandem. Die Leute haben Beef mit mir, die suchen Beef mit mir. Wann habt ihr gesehen, dass Alpa jemanden disst? Nur antworten. Alpa verteidigt sich und das würde jeder Mensch machen. Es gibt keinen Beef, wenn wir da hin gehen und die nicht kommen, dann gibts für uns keinen Beef mehr. Zum One Love Festival sind wir gegangen um zu gucken, wie Kollegah drauf ist, er ist nicht gekommen, also gibs keinen Beef. Wir waren in Düsseldorf, Farid ist nicht gekommen, also gibts keinen Beef. Wenn jemand Beef will - ich bin zu finden, wie ich in meinen Texten sage! Guck mal, wo sitzen wir grade? Im Question. Ich sitz hier jeden Tag, sollen die doch kommen! Ich bin doch hier. Das Ding ist, ich hab keine Security. Ich bin der Älteste von meinem Kreis, ich pass auf meine Brüder auf, nicht die auf mich.
rap.de: Welche Themen werden auf "Ehrensache" behandelt?
Alpa Gun: Da gibs schon einige Themen, mein Freund. Auf jeden Fall hab ich einen Song für meinen Freund im Knast geschrieben, der für acht Jahre verurteilt wurde. Ist Ehrensache für mich, ihm einen Song zu widmen. Genau so ein Song für meine Geschwister, weißt du. Mit denen ich aufgewachsen bin, wir hatten eine harte Kindheit. Oder was für ehrenvolle Sachen ich noch machen würde, bevor ich von dieser Welt geh. Das sind so Sachen, die mir am Herzen liegen. Oder zum Beipiel für mein Volk, für mein Land zu kämpfen, für meine Leute. Deswegen habe ich auch einen Song gegen Sarrazin gemacht. Oder ein Song namens "Almanya" (türkisch für "Deutschland"), Anm. d. Red.) , wie unsere Eltern damals hier her gekommen sind, wo ich von meinem Volk erzähle, weißt du. Wir sind Deutsche mit Migrationshintergrund. Darum geht's mir. Das ist halt Ehrensache für mich, jeder einzelne Song hat eine Bedeutung. Das liegt mir am Herzen. Das Album ist sehr, sehr persönlich. Ich hab sogar einen Song für meine Exfreundin geschrieben, um ihr nochmal klarzumachen, wie die Beziehung für mich aussah und ihr klarzumachen, warum ich sie verlassen habe. Das sind halt so Songs, die mir am Herzen liegen. So wie ein "Alles war die Sekte"-Song.

rap.de: Du rappst oft über Sarrazin. Bei vielen Rappern gilt er seit seinem Buch "Deutschland schafft sich ab" als Erzfeind. Hast du das Buch eigentlich gelesen?
Alpa Gun: Sowas lese ich nicht. Erzfeind ist er bei uns nicht, wir haben einen Song gemacht, "In jedem von uns steckt ein bisschen ...". Die Thesen, die er bringt, denkt doch jeder von uns ein bisschen so. Aber ich fühle mich trotzdem angegriffen von seinen Aussagen. Er sagt alleine schon: wenn du südländische oder muslimische Gene hast, bist du ein bisschen verblödeter als Europäer. Was soll das bedeuten?! Natürlich hasse ich ihn, er ist ein Hundesohn! Da gibt es nichts zu reden, egal wer er ist! Denkst du, ein Imbissladen, der jeden Tag 80.000 Euro Kasse macht, lässt ihn reinkommen? Bei Hasir (Dönerladen in Berlin Kreuzberg, Anm. d. Red.) haben sie ihn nich reingelassen, weil die gesagt haben, das könnten wir unseren Volk nicht antun. Ich zum Beispiel würde niemals wieder bei Hasir essen, wenn die ihn reingelassen hätten.

rap.de: Verlief die Diskussion nicht ziemlich unglücklich? Anstatt Sarrazins Argumente zu widerlegen, haben fast alle nur wütend reagiert und ihn als Rassisten beschimpft. Damit überzeugt man doch nur die, die eh schon der gleichen Meinung sind, wie man selbst.
Alpa Gun: Wir haben ein Song zu dem Thema Sarrazin gemacht, wir haben auch seine Thesen widerlegt. Den Song haben wir nicht auf's Album genommen, weil er viel zu politisch ist. Aber mal sehen, vielleicht kommt er im Sommer zur Tour mit (grinst).
rap.de: Denkst du, die leidige Intigrationsdebatte wird uns noch lange begleiten? Oder hört das irgendwann von selbst auf?
Alpa Gun: Das hört nicht auf. Genau so versteinert, wie wir in unseren Gedanken sind über die Deutschen und ihre Mentalitäten, sind die auch versteinert. Da kannst du nichts mehr reinmeiseln.
rap.de: Im deutschen Rap hingegen funktioniert der Austausch mitunter recht gut. Kann Deutschland von Rap noch etwas lernen?
Alpa Gun: Von meinen Rap können sie lernen, aber nicht von den anderen. Das ist Alpa Gun, die Stimme der Straße. Die sollen mal echt mein Album durchhören, dann werden sie merken, dass ich mich von allen anderen unterscheide.
rap.de: Was bedeutet dir Rap eigentlich? Du bist ja relativ spät zum Rappen gekommen.
Alpa Gun: Ich war noch nie der Rapper aus der Schule. Rap ist für mich ein Sprachrohr, wo ich meine Message loswerden kann. Alles, was ich seh und erlebe, was die Leute da oben nicht mitkriegen, das werde ich halt in meine Texten los. Das bedeutet für mich Rap.
rap.de: Könntest du auch darauf verzichten, oder geht das nicht mehr?
Alpa Gun: Mir ist Rap wichtig, damit verdien ich zur Zeit auch mein Geld. Hoffentlich auch mit meiner Schauspielkarriere. Da gibt's auch sehr viele Projekte, bei denen ich mitmachen darf. Aber auf jeden Fall ist Rappen mein Hauptjob, obwohl ich finanziell nicht von Rap abhängig bin.

rap.de: Viele wundern sich, warum du in Songtexten in so einem klaren Hochdeutsch rappst, in Interviews aber mit einem gut hörbaren Straßenslang redest. Trennst du das absichtlich?
Alpa Gun: Das ist Berliner Straßen-Mentalität. Das ist unser Straßen-Slang, deswegen ist auch der Song "Arab-Style" entstanden. Das soll einfach nur zeigen: Wenn man jeden Tag in Schöneberg verkehrt - die Jungs sind einfach nicht gebildet. Zeig mir deinen Umgang und ich zeig wer du bist. Und wenn du jeden Tag mit denen rumhängst, redest du so.
Was erhoffst du dir von "Ehrensache"? Wohin soll die Reise gehen?
Alpa Gun: Auf einen ehrlichen Weg, Bruder.
rap.de: Dein Letztes Album erschien über Universal. Mit wem arbeitest du dieses Mal zusammen?
Alpa Gun: Major Movez ist meine Bookingagentur. Major Movez wird das neue Label der Zukunft. Die sind so 'ne Art wie Four Music, die machen auf einer Seite die Labelarbeit, auf der anderen Seite das Booking. Ist wie Kinderüberraschung - alles in einem. (lacht)
rap.de: Hast du noch ein paar abschließende Worte an deine Fans?
Alpa Gun: Kommt zur Tour! Und mein Album gibt's einmal in der Woche umsonst - und das war gestern! (lacht)
Geschrieben von: Oliver Marquart 18.04.2012
Der Vorfall war eigentlich einer der harmlosen, lustigen Sorte. Ein Rapper aus dem Rheinland gab via Facebook bekannt, dass er ein gemeinsames Album mit drei anderen prominenten deutschen Sprechgesangsartisten veröffentlichen werde. Zwei Stunden später erklärte er, er habe sich nur einen Scherz erlaubt.
Natürlich griffen zahlreiche Medien die Ankündigung auf. Normal. Die Vorstellung eines gemeinsamen Abums von Farid Bang, Kollegah, Kay One und Haftbefehl (denn um genau diese ging es) beflügelte die Vorstellungskräfte der Deutschrap-Hörer rasant und führte schnell zu Diskussionen um die Sinnhaftigkeit oder -losigkeit des vermeintlichen Projekts. Mit dem schelmischen Dementi von Farid war dies natürlich überholt.
Damit hat Farid Bang - gewollt oder nicht - exemplarisch vorgeführt, wie die Berichterstattung im Zeitalter der Echtzeit, im Echtzeitalter, ab- und manchmal eben auch heißläuft. Natürlich sind Online-Medien darauf angewiesen, für ihre Berichterstattung Twitter und Facebook miteinzubeziehen. Die Schnelligkeit des Mediums Internet lässt nichts anderes zu. Persönliche Statements von Künstlern sind immer schwerer zu bekommen und dauern vor allem meist länger, als einen Tweet zu zitieren. Außerdem nutzen Künstler selbst gerne ihre eigenen Plattformen, um ihre Fans auf dem laufenden zu halten. Den Medien, die früher fast das einzige Sprachrohr der Künstler waren, müssen mitziehen - oder sie können eben nicht mehr aktuell berichten. Mit drei Tage alten Statements braucht man im Netz jedoch niemandem zu kommen.
Soweit die Lage. Ein Problem, das sich daraus ergibt, ist, dass angesichts der allgemeinen Schnelligkeit und Rastlosigkeit Dinge wie Recherche und kritisches Nachhaken an Stellenwert verlieren. Der Zeitdruck diktiert, dass es ständig etwas neues gibt, das meist unkommentiert und als Zitat verbreitet wird. Der User wartet ständig auf neue Breaking News, also kann alles zur Meldung werden - auch eine halbprivate Unterhaltung zweier Rapper über Twitter. Der Zeitdruck bedingt, dass eine kritische Prüfung des Wahrheitsgehalts oft entfällt.
Außerdem entsteht dadurch eine Nachrichtenlage, die immer unübersichtlicher wird. Aus dem Wust von scheinbaren und tatsächlichen Meldungen die herauszufiltern, die tatsächlich von längerfristigem Interesse sind, wird zunehmend schwieriger. Es scheint auch so zu sein, dass viele dies gar nicht wollen. Zwischen wichtig und unwichtig wird gar nicht mehr unterschieden, stattdessen geht es ausschließlich um den Unterhaltungswert, den eine Neuigkeit hat.
Um das an dieser Stelle klar und offen (und selbstkritisch) zu sagen: rap.de ist bei dieser Entwicklung nicht außen vor. Auch wir stehen unter obengenanntem Druck und müssen, hässliches Wort, liefern. Ebenso klar festzuhalten ist, dass diese Entwicklung nicht aufzuhalten oder gar zu stoppen sein dürfte. Dazu hat sie längst zu viel Dynamik gewonnen. Es wäre aber wünschenswert, wenn alle Medienschaffenden, alle Redakteure und Journalisten, wir selbst ausdrücklich eingeschlossen, sich mitunter die Frage stellen, wo die Grenze zwischen Berichterstattung und Sensationslust verläuft. Man wird diese Grenze immer wieder neu definieren müssen, in Stein gemeiselt ist sie nicht und wird sie niemals sein. Aber ein gelegentliches Innehalten, ein kurzes Hinterfragen des eigenen Schaffens, kann durchaus wohltuend und befreiend wirken.
Geschrieben von: Oliver Marquart 03.04.2012
MC Bogy ist nicht nur eines der seltengewordenen Exemplare der Spezies Berliner Original. Der Südberliner ist dank seiner Vergangenheit bei der berühmt-berüchtigten Crew Berlin Crime nicht weniger als eine lebende Legende. Mag seine Musik auch nicht Millionen von Hörern erreichen - davon lässt sich der kräftige und stets zu Scherzen aufgelegte Bogy nicht im mindesten erschüttern. Unbeirrt geht er weiter seinen Weg, ohne irgendwelche Kompromisse oder Konzessionen mit einem wie auch immer gearteten Mainstream. Radiofreundlichkeit? Nein, danke.
Wir haben Bogy in seinem Heimatbezirk Lankwitz im Berliner Süden besucht. Von außen eine beschauliche Reihenhaussiedlung, ein kleines, intaktes Dorf. Doch Bogy, der hier jeden Winkel, jeden Pflasterstein und jeden Busch zu kennen scheint, zeigt auch die weniger bilderbuchartigen Seiten von Lankwitz. Willkommen in der Welt von MC Bogy.
Teil 1 - Bogys Wohnung, Lankwitz Kirche, Kino, Fitnessstudio
Teil 2 - Am Boxverein, Im Park, Treffen mit Smoky, Unter der Brücke
Geschrieben von: admin 30.03.2012
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