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REVIEW

30.11.2012 Autor: Lisa

Assassin's Creed 3

Eine psychisch fragwürdige On-Off-Beziehung

Redaktionsbewertung

Die Post ist mal wieder schuld. Ja, wir sind uns der Tatsache bewusst, dass das "Assassin’s Creed 3“-Release schon ein paar Tage her ist und mittlerweile jeder Mensch, der sich ansatzweise für die Reihe interessiert, das Ganze schon mit Platintrophäe durch hat. Wir nicht. Aber wir sprechen gerne zu den Ausgestoßenen unserer gnadenlosen Leistungsgesellschaft und außerdem  wäre das Ganze hier auch erheblich schneller über die Bühne gegangen, wenn unser deutsches Lieblings-Logistikunternehmen Päckchen in den Briefkasten werfen würde, anstatt sie als unzustellbar zurückzuschicken. Aber das nur am Rande.

Vor ein paar Monaten durfte ich bei der Gamescom bereits einen Blick in das neue Ubisoft-Großprojekt werfen und war absolut begeistert. Dementsprechend heiß drauf war ich auch, den Halbindianer Connor über Baumgipfel und Kirchendächer zur Zeit der Amerikanischen Revolution zu prügeln. Parallel zu dem Kampf  eines Eingeborenen, der zumindest anfangs einfach nur seinen Wohnort und seine Familie verteidigen möchte, spielt ein erheblicher Teil des Plots außerdem in der Gegenwart statt. Desmond, der sich durch technische Hilfsmittel in die "Erinnerungen“ seiner Vorfahren einschleusen kann, muss die Zeit seines halb-britisch, halb-indianischen Verwandten rekapitulieren, um die Welt vor der Apokalypse und den Templern zu beschützen. Letzterer Story-Teil zieht sich durch alle "Assassin’s Creed“-Teile, nur die Epoche, in der die wirkliche Action stattfindet, variiert.

Klingt alles ziemlich verworren? Ist es auch und vielleicht habe ich das alles falsch verstanden und die Story ist eigentlich komplett anders. Macht aber nichts, denn rein spielerisch merkt man von den vermeintlich komplizierten Verstrickungen größtenteils gar nichts – und das ist auch gut so. Wobei es einem die Ubisoft-Kumpels bei dem dritten Teil der Saga auch nicht so wirklich leicht machen. Zu Beginn des Spiels, und wenn ich von "Beginn“ rede, dann handelt es sich hierbei um Stunden, spielen wir nämlich den Vater des späteren Hauptakteurs: den Briten Haytham Kenway. Ihn begleiten wir, und ich denke an dieser Stelle darf noch gespoilert werden, auf seinem Weg von England in die Vereinigten Staaten und erleben hautnah mit, wie er sich auf teilweise überaus gruselige Art und Weise an seine spätere Frau und Mutter seines Kindes, Ziio, ranschmeißt. Um bei ihr zu landen bringt er auch ganz nebenbei mal ein paar Menschen um und während manche einen derart zeitintensiven Prolog in den Himmel heben, hätte ich dann langsam schon mal Bock auf den Indianer gehabt, der nicht nur mehr kann, sondern auch erheblich coolere Waffen hat.

Insgesamt ist die detaillierte, sich über mehrere Jahrzehnte hinweg erstreckende und mit diversen geschichtlich relevanten Personen gespickte Geschichte aber absolut episch ausgefallen. Die Umgebung, in der man sich je nach Wahl gehend, kletternd, reitend, bei anderen Leuten auf dem Wagen mitfahrend oder auf Schiffen vorwärts bewegt, sieht fantastisch aus. Wenn man auf seinem Pferd die verschneiten Waldgebiete des amerikanischen Hinterlandes durchquert und aufpassen muss, nicht von wilden Tieren angegriffen zu werden, fühlt man sich mitunter sogar in ein optisch aufpoliertes „Red Dead Redemption“ versetzt. Allerdings ohne einen Hauptcharakter, der an die Großartigkeit des zu Recht vielgefeierten John Marsten heranreicht. Und auf einem Reittier, bei dessen Statur sich die Entwickler offensichtlich an einem Brachiosaurus orientiert haben.

Neben all der offenkundigen Epicness gibt es mehrere Dinge, die an „Assassin’s Creed 3“ richtig nerven. Zum einen ist es die teilweise absurde Verbuggtheit einiger Szenarien. Pferde stehen schräg auf Futtertrögen, Waffen schweben wie Hexenbesen in der Luft, bei manchen Cutscene-Dialogen bewegt sich der Mund des Gesprächspartners nicht – ob das bei einem Spiel, dass so viel richtig macht und so zeitintensiv entwickelt wurde sein muss? Ich glaube nicht. Zumindest für mich ein zusätzlicher Kritikpunkt ist außerdem die Tatsache, dass man zur Lösung einer Mission in seinem Handeln kaum Spielraum hat. Du musst unerkannt von A nach B? Krieche durch kniehohes Gras direkt an Wachen vorbei, hänge quasi vor ihrem Gesicht an einer Wand runter, aber wehe du versuchst sie unauffällig so auszuschalten, wie es von den Entwicklern nicht vorgesehen war.

Das mag jetzt vielleicht nur mich abfucken, aber diese endlosen Rumschleichpassagen, die man beim Scheitern einer Mission (Nein, das Spiel ist nicht schwer. Ja, man wird trotzdem ab und an entdeckt und hat dann keinerlei Möglichkeiten mehr, die Mission durch Ausschalten der jeweiligen Wache weiterzuspielen) noch mal komplett von vorne machen muss, haben mich mehrfach an den Punkt des kompletten Ausrastens gebracht. Wiederholt habe ich mir geschworen dieses Scheiß-Spiel nie wieder anzufassen und zwei Stunden später saß ich trotzdem wieder vor der Playstation. Schon wenn man in der ersten Mission durch ein vollbesetztes Londoner Opernhaus geklettert ist, was selbst ein zeitgenössisches Gemälde nicht detaillierter hätte abbilden können, ist man gefangen. Man muss wissen, wie es weitergeht. Man will in die nächste detailverliebte Stadt, die man komplett frei erkunden kann und in der an jeder Ecke etwas passiert. Man will durch die Wälder hetzen und Tiere jagen und ja verdammt, man will auch auf diese komplett alberne und unrealistische Art und Weise von der Spitze eines Kirchturms in einen Heuwagen springen.

"Assassin’s Creed 3“ ist wie eine psychisch fragwürdige On-Off-Beziehung. Es spuckt dir ins Gesicht, lässt dich nichts auf der Welt mehr hassen als plötzlich lichter werdendes Gras und gerade dann, wenn du dich endgültig abwenden willst, macht es irgendetwas, was dich wieder bei der Stange hält. Nur cholerische Menschen sollten sich das Ganze vielleicht zweimal überlegen.

 

 

 

Kommentare   

 
+4 #2 VauE 2012-12-02 10:01
Und wo ist jetzt der Rap?
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+6 #1 snowflakejoe 2012-12-02 09:49
Komischerweise spielen sehr viele Mädels AC. Wieso??
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