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REVIEW

06.02.2013 Autor: Phil Weichert

Cr7z - An7ma (Album)

Düstere Neoromantik

Redaktionsbewertung

Der junge Mann aus Rosenheim gilt in Untergrundkreisen schon lange als Geheimtipp. Bekannt durch diverse EPs oder Kollabotracks bringt Cr7z jetzt sein Debüt über 58muzik raus. Voller Elan und hochmotiviert geht der Rezensent die CD mit dem kryptischen Namen "An7ma" an.

Schon beim ersten Hören wird sofort klar, warum der Lyriker als Geheimtipp gehandelt wird. Das Rappen beherrscht Cr7z ohne weiteres, er flowt elegant über die Beats und verfügt auch über eine angenehme Stimme, die einen auch nach längere Zeit nicht genervt die Augen verdrehen lässt. Die Texte allerdings sind weitgehend sehr schwer zugänglich. Schon beim ersten Track "Weißer Sand" musste der Rezensent nach zwei Minuten dreimal die große Suchmachine mit den sechs Buchstaben anschmeißen, um dem Inhalt des Tracks einigermaßen folgen zu können. Oder weiß jemand hier aus dem FF, was ein Ikosaeder ist? Klar, worum es so ungefähr geht, versteht man auch so, aber um die feinere Bedeutung hinter Cr7zs Texten  zu entschlüsseln, braucht man Geduld und Zeit. Das gilt nicht nur für den ersten Track, sondern für das gesamte Album. 

"Vorbei am Ikosaeder bis hin zum Tesserakt/ Sechsundzwanzig hat mich echt geknackt/ ich bin zurück mit letzter Kraft."

Was ein Tesserakt ist, dürft ihr selbst nachschauen. Hat man sich allerdings erstmal an den Sprachgebrauch von Cr7z gewöhnt, erwartet einen ein Gesellschaftkritisches, selbstreflektierendes Werk, das einige unbestreitbare Stärken aufweist. Mit "Neue Welt" treibt es der Rapper auf die Spitze. Hier wird die Entwicklung der immer digitaleren Gesellschaft scharf kritisiert und der allgemeine Onlinewahn öffentlich an den Pranger gestellt. Leider werden ausschließlich die negativen Aspekte der Entwicklung beleuchtet, ein wenig mehr Aufgeschlossenheit hätte dem Text gut getan. Dennoch schafft es Cr7z, den Hörer zum Nachdenken anzuregen, ganz gleich, ob man ihm nun zustimmen mag oder nicht. 

"Damals hab ich dich besucht, als es mir nicht gut ging /Heute schreib ich das Wort über das Internet / Plötzlich bist du offline und bevor ich zu dir hintercheck / Haben mir andere schon wieder 'nen Link geschickt / Und ich nick besoffen mit". 

Düster geht es auch auf "Schmerzen" zu. Hier gibt es keinen Lichtblick, es geht, wie der Titel schon sagt, um Schmerzen, Pein und Leiden. Egal ob physische oder psychische, alles Leid wird detailliert beschrieben und bis zum bitteren Ende ausgekostet. Spätestens jetzt dürfte klar sein: Cr7z ist einfach kein Rapper für Partytracks, psychisch labile Menschen, die zu Stimmungsschwankungen neigen, sollten vorsichtshalber einen großen Bogen um die Platte machen. Über das gesamte Album hält der Protagonist konsequent an seinen dunklen Beats und bitter-süßen Texten fest. "An7ma" wird dadurch ein kohärentes Album mit einem stringenten roten Faden, klanglich wie inhaltlich.

Doch wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch. "Weitsicht" verbreitet schon fast so etwas wie hoffnungsvolle Stimmung. Textlich geht es hier bergauf, der Beat bleibt aber der eingeschlagenen Linie treu. Thematisch erwartet euch hier ein Kopfhoch-Track, der duchaus solide ist. Eine gelungene Abwechslung zu den bisherigen Themen und somit auch eine Auflockerung des gesamten Albums, auch wenn die Zeile "Du bist die Amplitude vom Pendel des Lebens" schon stark nach hochtrabender Phrase klingt.  

Nach diesem kurzen Ausflug in die wärmeren Regionen geht es gleich wieder in den kalten Abgrund. Mit "Montauk" zeigt sich der Rapper in Rage und rappt mit soviel Wut, dass der Hass regelrecht aus den Boxen quillt. Abzstrakkts tiefe Stimme macht den Track dann endgültig zu einem Höhepunkt der Platte. Düster, hart, aggressiv. Um nicht zu sagen: Rohkalt. 

Leider zeigt sich ein anderer Gast eher unbeholfen. Auf "Mantis" ist Feinkost Paranoia Mitglied Jamer$on vertreten, der vor allem in den ersten Takten über den Beat stolpert und zudem durch einen langweiligen Text und schlechte Betonung negativ auffällt. An die großen Zeiten der Münchner kann er so leider nicht anknüpfen.

"You" bildet dann den unversöhnlichen Abschluss mit der Platte, nein, gleich mit dieser Welt. Ein perfektes, folgerichtiges Ende. Die Konsequenz ist es auch, die dieses Album so interessant macht. Kompromisse gibt es keine. Wer sich erstmal durch die vertrackten Texte von "An7ma" gekämpft hat, den erwartet ein sauberes Debut, dass vor allem bei mehrmaligem Hören seine volle Energie entfaltet. Neudazugekommene Hörer dürften am Anfang ihre Probleme haben, Zugang zu finden. Doch mit jedem Mal wird "An7ma" intensiver. Man entdeckt immer wieder Textstellen, die man nur kopfnickend bestätigen kann. Der Soundtrack für den Winter, für Regentage und anspruchsvolle Manisch-Depressive. 

 

 

 

 

 

 

Kommentare   

 
+2 #6 Name 2013-03-02 20:36
Nice. Hölderlin-Zitat in der Rezension. Kultur schadet nie. Finde ich gut.
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0 #5 OnkelMichael 2013-02-27 19:58
"Vorbei am Ikosaeder bis hin zum Tesserakt/ Sechsundzwanzig hat mich echt geknackt/ ich bin zurück mit letzter Kraft."

From thi Cradle to thi Krave?
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-1 #4 ckn 2013-02-22 22:10
Nur weil er eloquenter ist bzw. einen erheblich größeren Wortschatz hat als der Durchschnitt (Was wirklich keine Kunst ist) heißt das doch net, dass er irgendwas extra nachlägt etc. - Jesus Christ.
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-8 #3 wayne juckts 2013-02-19 13:28
kommt mir auch so vor als hätte er im Duden schlaue Wörter rausgesucht aber nicht so ganz verstanden was die bedeuten....bei den meisten komplett verblödeten Deutschrap Fans allerdings kein Wunder das es noch nciemand gemerkt hat....;-D

deswegen steh ich auf Hermann Hesse, man brauch keine komplizeierte Sprache um komplizierte Sachverhalte wiedergeben zu können...

trotzdem ne schöne abwechslung zu den ganzen anderen behindis die meinen sie übernehmen das Game...
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+6 #2 VauE 2013-02-08 00:21
"Vorbei am Ikosaeder bis hin zum Tesserakt/ Sechsundzwanzig hat mich echt geknackt/ ich bin zurück mit letzter Kraft."

Hat eigentlich niemand den Schneid oder die Intelligenz, klippund klar zu sagen, dass das pseudointelektu eller Scheißdreck ist? Dazu brauche ich keine Vorlesung "Mathematik für Informatiker III". Das ist ganz billiger Blenderscheiß. Wenn nicht, soll er den Mist mal runterbrechen, wie es ja bei amerikanischen Rappern durchaus üblich ist.
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+3 #1 djfajak 2013-02-06 17:59
Ich gebe dem Album 8/10.
Die Review ist nachvollziehbar,
allerdings hätte der Rezensent - gerade bei der lyrischen Betonung des Albums - gerne noch die ein oder andere Textstelle zitieren können.
Dass lediglich die negativen Seiten der "Neuen Welt" (Fokus:Internet ) aufgezeigt werden, ist allerdings so nicht richtig. Passagen wie [..."die Informationen stehen uns in ihrer Schönheit offen"] sind -eigentlich- klar und eindeutig positiv, auch wenn das Ganze in einen negativen Kontext gerückt wird. Gegensätzlich. Trotzdem ein und das Selbe behandelnd... Dass das Album für manisch-depress ive Menschen ist, kann ich so auch nicht unterschreiben. Nachdenklich und emotional, ja. Aber dazu kann jeder Zugang finden.

Zusammenfassend gefällt mir die Review gut, die ein oder andere Aussage trifft es sehr gut wie ich finde.

Empfehlung an alle, hier mal reinzuhören, das Album auf sich wirken zu lassen etc.
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