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Chakuza – Magnolia (Album)

Drei Jahre ist es her, dass der ex-ersguterjungeChakuza sein letztes Album „Monster in mir“ droppte. Drei Jahre in denen es, bis auf die „Lost Tapes„-EP im Jahre 2011 nicht viel zu hören gab vom gebürtigen Linzer. Und drei Jahre, in denen sich so einiges am Soundbild von Chak verändert hat.

Wer den MC schon seit 2006 begleitet, der weiß, dass Chakuza für harten, aggressiven Sound stand, gepaart mit einer gehörigen Portion Ignoranz und Arroganz. Das mag nicht zuletzt am Einfluss von ersguterjunge-Labelboss Bushido gelegen haben. Bei seinem neuesten Werk, „Magnolia“ ist jedoch von selbstherrlich zur Schau gestellter Scheiß-drauf-Einstellung wenig übrig geblieben. Stattdessen ist das Album geprägt von einem neuen, frischen, melodiösen Sound und Texten, die sich durch ihre dezente Herangehensweise und Inhalte von seinen vorherigen Werken hörbar unterscheiden.

Vielleicht passt „Magnolia“ ausnahmsweise die abgedroschene Standardphrase von wegen der Künstler habe zu sich selbst gefunden. Das Album ist selbstreflektiert, melancholisch und berührt einen durch seine Ehrlichkeit und Authentizität stellenweise richtig tief. Das Soundbild erinnert zwar hier und da ein wenig an Casper oder Olson, was sicherlich dem Umstand geschuldet ist, dass Stickle bei allen dreien seine Finger im Spiel hat. Von einer Kopie ist „Magnolia“ aber weit entfernt, dazu ist das Album zu persönlich.

Bereits im Eröffnungstrack „Ich lauf“ zeigt sich, dass Chakuza fortan da hingeht, wo es wirklich weh tut. Weder das harte Image noch letztlich abstrakte soziale Missstände sind das Thema, sondern eigene Fehler, die eingestanden werden, Schwächen und Unsicherheiten, die nicht länger unter falscher Coolness verborgen bleiben. Chakuza lässt seine Vergangenheit in nachdenklichem Ton Revue passieren, das Ganze mit ruhigen Gitarrenklängen untermalt.

Oft bin ich gefallen/ hab‘ den Halt verloren/ blieb liegen/
den Kopf voller Gewalt/ ich schoss aus Panzerrohren auf Fliegen/
Viel lieber war ich Stargast auf zehntausenden Partynächten/
vergaß all diejenigen die auf mich zuhaus‘ gewartet hätten„.

Und diese Stimmung zieht sich durch das ganze Album wie ein roter Faden. Neben der Selbstreflektion findet auch der ein oder andere Liebestrack auf dem Album seinen Platz. „Hollywoodliebe“ ist der Track für verliebte Paare, bei denen auch mal ordentlich die Fetzen fliegen und nicht alles traute Langeweile ist. Thematisch geht es um die täglichen Streitereien mit der Partnerin und der trotz dieser Differenzen immer aufrechterhaltenden Liebe. Klingt ziemlich kitschig, ist es aber nicht. Chakuza liefert mit „Hollywoodliebe“ einen ungekünstelten, melancholischen Track der sich abseits von stumpfen Liebesbeteurungen bewegt und ungeschönt die Wahrheit erzählt.

Zu hause rauer Seegang/ ein Klabautermannpaar/
ich hab das erste Glas aufbewahrt/ das ne Frau nach mir warf/
ja ich hab es mir gemerkt und gelernt aus den Fehlern/
besser schläft man auf Feder/ als auf ner Couch aus braunem Leder

Chakuzas zweite große Liebe ist die Bundeshauptstadt und dieser widmet er mit „Notlandung auf Berlin“ einen eigenen Track auf dem Album. Ein Liebesgeständnis an eine, wie könnte es anders sein, widersprüchliche Stadt. Unterstützt wird der Linzer dabei von Sebastian Madsen, seines Zeichens Frontmann der Band Madsen. Leider ist die Hook des Indie-Rockers nicht so druckvoll wie es sein sollte. Die an sich einzigartige Stimme kommt leider ziemlich lustlos, fast schon nölig daher, dabei hätte der Sänger doch das Potential für soviel knallendere Hooks.

Das einzige, was man Chakuza vorwerfen könnte, ist, dass er sich bei den Inhalten gelegentlich wiederholt. Gottlob schafft er es jedoch,  immer wiederkehrende Themem wie das Reflektieren eigener Fehler oder das Versprechen einer besseren Zukunft immer wieder in neue, andere Metaphern zu verpacken. So kommt keine Langeweile auf. Auf „Schneekugel“ etwas beschreibt er seinen bisherigen Werdegang metaphorisch und bildhaft, was das Ganze greifbar und anschaulich macht. Dankenswerterweise sind die Metaphern bei ihm nie Selbstzweck, in dem er sich auf Kosten des Inhalts verliert, so bleiben klare Verständlichkeit und Logik stets vorhanden. Und auch wenn er seine Raptechnik deutlich und durchaus bewusst heruntergefahren hat, zeigt er auf „Sanduhr„, dass er auch das Flexen über einen treibenden Beats keineswegs verlernt hat.

Lediglich den Track „Dieser eine Song“ hätte sich der Künstler sparen können. Die „Nanananananana“ – Hook und das dazugehörige Pop-Geklimper wirkt irgendwie deplaziert, in diesem sonst so passenden Wintersoundtrack. Doch da dies der einzige Wermutstropfen auf „Magnolia“ bleibt, fällt das angesichts der Qualität der sonstigen Songs nicht weiter negativ ins Gewicht. Mit „Magnolia“ hat Chakuza ein von vorne bis hinten stimmiges Album hingelegt, das durch hochwertige Produktionen, ein schlüssiges Konzept und einen sauberen Rapstil überzeugt. Gar keine schlechte Sache, so eine Selbstfindung.

 

 

 

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