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REVIEW

23.04.2013 Autor: Janiv Koll

Kid Cudi - Indicud (Album)

Fail

Redaktionsbewertung

Es schallt durch das Oberhäslicher Wirtshaus direkt neben dem Sportplatz der Stadt Dippoldiswalde im Weißeritzkreis. Der örtliche Handballverein hat sich ein stolzes 23 zu 18 erkämpft. "DAY N NITE......blablablablablablabla DAY N NITE!" Feuchtfröhliche Stimmung, glückliche Gesichter. Die Kickdrum des Crookers-Remixes des Kid Cudi-Hits "Day 'n' nite" wummert an die staubigen, mit Wimpel behangenen und von billigen Zimmerpflanzen zugewachsenen Fenster der Kaschemme. "Day n nite" hat sich einst, 2008, lang lang ist´s her, dank eines an David Guetta'ness kaum zu übertreffenden Soundbildes, tatsächlich bis in die entlegensten Winkel der Provinz hervorgearbeitet. Thorsten und Heiko liegen sich beschwipst und verschwitzt in den fleischigen Armen, stemmen den Maßkrug gen Himmel und frönen der ungezügelten Heiterkeit. Dabei versuchen sie, mehr schlecht als recht, die Hook des Songs papageienartig nachzuplappern. Es misslingt, stört allerdings niemanden.

Damals. 2008. Als der Himmel in der Welt des Scott Mescudi noch mit güldenen Geigen behangen schien. Steile Karriere? Frage der Zeit. Jeder und seine Tante war plötzlich Fan. Auch Kanye, eventuell gar dessen Tante. 2009, also im Jahr eins nach "Day 'n' nite", holte der Göttergatte des ansehnlichsten Exemplares im Nachwuchspool der Kardashians den Mann mit der rosigen Zukunft ins Roster seines Labels G.o.o.d. Music. Ein Glücksgriff, sollte sich bald herausstellen, denn: "808s and Heartbreaks", das polarisierndste aller Kanye West Alben, wurde zu beträchtlichen Teilen von Kid Cudi mitgeschrieben. Es ist angerichtet. Erfolg, here i come! Doch ach, nicht so schnell!

Eine halbe Dekade später hat sich einiges verändert. Alle Zeichen deuten mittlerweile auf den Umstand hin, dass die Karriere des Kid Cudi zum musikalischen Pendant des Werdegangs eines Sebastian Deisler verkommt. Zu viel Hype, zu wenig Rechtfertigung dessen. Nachdem sowohl Fans als auch Kritiker mehr oder minder unisono die Meinung vertraten, dass Cudi von Album zu Album an Standard verliere, fand diese Spirale der akustischen Abwertung des Cudi Outputs seinen Tiefpunkt im 2012 erschienenen WZRD Projekt. "Ich bringe mir jetzt Gitarre bei und mache Rock!" Ob der gute Mann mit der Bedeutung des Wortes überambitioniert vertraut war? Wohl nicht. Er hätte sonst eventuell abschätzen können, wie unterirdisch die Resonanz auf diesen Ausflug ins Ungewisse ausfallen würde.

Auch labeltechnisch war die jüngere Vergangenheit absolut nicht Cudis bester Freund. Unlängst kehrte er seiner Heimat G.o.o.d. Music entnervt den Rücken. Unzufrieden soll er gewesen sein. Fehlende Labelarbeit, fehlende Motivation. Das Tischtuch zwischen den Herrschaften West/Mescudi: zerschnitten. "Indicud" allerdings erschien trotzdem noch unter der Schirmherrschaft von Kanye. Wer jetzt allerdings denkt, dass dieser Umstand musikalisch gesehen ein Segen sein müsste, liegt etwa so falsch, dass er beim morgendlichen Erheben aus dem Schlafgemache ein Gefühl an der Wirbelsäule verspüren dürfte, welches auf eine Schlafhaltung im 90° Winkel hindeutet.

Um das Fazit gleich vorweg zu nehmen: "Indicud" ist ganz ohne Zweifel eins der schlechtesten Major-Alben der Rapgeschichte! Mit jedem Song sinkt die Erwartung umgekehrt proportional zur steigenden Wut über das Gebotene. Stichwort: Überambitioniert. Der werte Herr M. scheint mit dem Konzept der Selbstüberschätzung zu heftig geflirtet zu haben. Man könnte fast meinen, er habe sein komplettes Hab und Gut bei feinstem Candle Light Dinner mit besagtem Phänomen mit Pauken und Trompeten auf den Kopf gehauen. Anders ist nicht zu erklären, wie Cudi allen ernstes auf die Schnapsidee kam, das komplette Album selber zu produzieren. Das nahezu unterirdische Produktionsniveau ist streckenweise absolut nicht zu erklären. Es lohnt sich fast gar nicht, einen Song in dieser Hinsicht herauszuheben. Wie soll man das Gebotene am besten erklären? Prätentiös. Das wäre ein Ansatz.

Jeder Song strotzt nur so vor gefährlichem handwerklichem Halbwissen. Man merkt es einfach unangenehm deutlich: "Indicud" ist nicht von einem Produzenten produziert worden, sondern von jemandem, der diesen Status gerne inne hätte, leider Gottes aber Lichtjahre von besagtem entfernt ist. Die Instrumentale klingen nahezu über die gesamte Spieldauer des Albums nach einigermaßen soliden ersten Gehversuchen, die zwar aller Ehren wert, allerdings auf einem Major Release vollkommen und mehr als fehl am Platze sind. Beliebige Drumsounds, teilweise vollkommen langweilige, atonale und von Dissonanz nur so strotzende Synthesizermelodien, enorm lahmarschige Arrangements und ein sehr dürftiges klangliches Gesamtbild stellen den roten Faden in "Indicud" dar. Böse Zungen mögen einwenden: "Der rote Faden ist deshalb rot, weil rot eine abschreckende Signalfarbe ist." Wie ein Stopschild quasi. "Achtung! Dieses Album ist ganz fürchterlich! Bitte nicht anhören! Eltern haften für ihre Kinder!"

Sei es nun das mit dem abgehalfterten, heutzutage lieber vor der Polizei wegrennenden als ernsthaft Musik machenden Too Short eingespielte "Girls", das megalomanische "Unfuckwitable", das vollkommen abstruse "Afterwards" inklusive Micheal Bolton (!) oder das reißerische "Immortal". Dazu noch die am Reißbrett ausgedachten Zweckfeatures der ohnehin mehr als überpräsenten Kendrick Lamar und A$AP Rocky, welche interessanterweise im krassen Gegensatz zu der ansonsten vollkommen massenuntauglichen Marschroute dieses Albums stehen. Welchen Song der geneigte Hörer auch anspielt: Es stellt sich nahezu sofort das Verlangen ein, so laut es geht "Ruhe!" zu brüllen, das eigene hilflose und weitestgehend unbescholtene Laufwerk von der Bürde dieser CD zu befreien und selbige einem Frisbee gleich gen Horizont zu feuern, von wo sie hoffentlich - anders als Veysel und Saad glauben, nie mehr zurückkehren wird. Selten war Belanglosigkeit greifbarer.

Kid Cudi ist trotz des Hinweises im Namen kein Kind mehr. Wenn ein 5jähriges Blag seiner Mutti mit dem Hinweis "Kuck mal Mama, ich hab ein Auto gemalt!" ganz stolz ein ungelenk beschmiertes Papier unter die Nase streckt, klebst du dieses Papier an den Kühlschrank. Keine Diskussion. Wenn allerdings ein fast 30jähriger Mann dem Konsument "Kuck mal, potentieller Käufer, ich hab ein Album gemacht!" rufend einen Silberling von dieser erschreckenden Qualität präsentiert, darf er um Gottes Willen nicht mit derselben nachsichtigen Reaktion rechnen. Vor dem Hintergrund des bisher Gesagten sollte es auch niemanden mehr verwundern, dass der Höhepunkt des Albums mit dem RZA Part auf "Beez" nicht einmal auf dem Mist von Kid Cudi gewachsen ist... was macht eigentlich Sebastian Deisler so heute?

 

 

Label: Universal

Kommentare   

 
+4 #13 Don Promillo 2013-04-28 13:52
Schon allein wegen diesem behinderten Handballintro sollte man Janiv auf die Fresse geben. Aber der werte Herr Knoll ist ja dafür bekannt hier gerne möchtegern lustige Sachen abzuliefern :-x
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+7 #12 RonJam 2013-04-27 20:23
Ganz ehrlich. Hab noch nie eine so schlecht geschriebene und unseriöse Review gelesen. Der Autor hat nicht mal versucht ein bisschen Objektivität reinzubringen. Geschmäcker sind verschieden, alte Binsenweisheit, aber ein Album dermassen offensichtlich zu verreisen, weil man mit dieser Art von Musik nichts anfangen kann, was total ok ist, ist einfach eine Frechheit. Eine Frechheit sich Autor zu nennen und eine Frechheit solch jemandem eine Plattform zu bieten. Berufsstolz Fehlanzeige. Für mich persönlich Cudders schwächstes Album, aber doch einige Tracks (die besonders von Mal zu Mal wachsen) die ich von der Produktion und den Lyrics wirklich frisch und innovativ finde. (Scheisse- ich bin nicht mehr HipHop- ich hab auch Kanyes 808 auf seine Art gefeiert). Sicherlich nicht sein bestes Album, aber sicherlich auch nicht so grottenschlecht wie es hier gemacht wird.
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-3 #11 burnyouridolsfuxk 2013-04-27 15:18
zitiere taktvoll:
blablabla und wenn du so etwas wie ne karriere haben würdest,dann waerst du bestimmt nicht son 3.klassiger reviewschreiber bei nem onlinemagazin das seit jahren an relevanz verloren hat und dessen exboss von halbstarken möchtegerns aufs maul bekommt. geht weiter die dödel von deutschrappern wie bushido und konsorten lutschen, bei denen traut ihr euch naemlich nicht harte kritik zu üben, denn sonst.... hahaaa- F.U.


trottel wie du können eh nicht lesen, aber trotzdem: http://www.rap.de/reviews/87-review/11624-bushido-amyf die trauen sich was, rap.de, anders als die seiten, die du vielleicht "relevant" findest...
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+3 #10 taktvoll 2013-04-27 14:59
zitat vom möchtegernschre iber "janiv" --'Sei es nun das mit dem abgehalfterten, heutzutage lieber vor der Polizei wegrennenden als ernsthaft Musik machenden Too Short eingespielte "Girls", ' -
der einzige der abgehalftert ist,bist du, du kleiner punk. too short ist ne legende der millionen von scheiben verkauft hat ohne werbung und airplay. in der bayarea immer noch ein absoluter star. und wenn du so etwas wie ne karriere haben würdest,dann waerst du bestimmt nicht son 3.klassiger reviewschreiber bei nem onlinemagazin das seit jahren an relevanz verloren hat und dessen exboss von halbstarken möchtegerns aufs maul bekommt. geht weiter die dödel von deutschrappern wie bushido und konsorten lutschen, bei denen traut ihr euch naemlich nicht harte kritik zu üben, denn sonst.... hahaaa- F.U.
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+3 #9 lol^ 2013-04-26 22:09
lächerliche review. man merkt einfach, dass das motto hier "last uns dieses album zerreißen" lautete... geschmäcker sind verschieden aber wo bitte ist hier die konstruktive kritik?

aber hauptsache jedem deutschrapper in den arsch krichen, weil die ja auch eure lächerliche existenz ermöglichen. oder ihr aber sonst angst habt auf die fresse zu bekommen.
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+2 #8 basskäse 2013-04-25 14:25
ich will nur schnell anmerken, dass der autor von dieser review NICHT derselbe ist, der die fler oder die jbgII - review geschrieben hat. das sind alles unterschiedlich e autoren, also kann man die wertungen auch nicht vergleichen. das wäre ja als wenn man den grillgeschmack des einen mit dem pizzageschmack des anderen vergleicht. beides ist essen, aber trotzdem weicht es stark voneinander ab. eventuell feiern ja die anderen die mMn durchaus beschissene Platte und nur der autor (herr koll), der diesmal dafür zuständig war bzw. sich dafür bereitgestellt hat, nicht.... immer locker bleiben freunde
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+5 #7 skywalkerstyle 2013-04-25 13:26
null verständnis für kunst dieser janiv, als ob crookers rmx jetzt representativ für kid cudi ist, das wär so als würde man den sweat remix von snoop als dessen top hit erwähnenen und sowas auf einer rap seite.. hör mal sachen solo dolo, cudi zone, soundtrack 2 my life, prayer, mr. rager, ashin kusher usw usw usw das ist nämlich wirkliche musik, kunst, lyrisch vom besten, krass produziert. man merkt halt das diese rezension von sonem engstirnigen mitläufer geschrieben wurde.. gleichzeitig krieg rap legasteniker fler ne stabile bewertung wer soll das noch ernstnehmen alta..
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+5 #6 Codoc 2013-04-25 11:19
1. Fail: "Day & Nite" (RMX) als Cudders bestes Stück Musik darzustellen ohne mit einer Silbe auf das großartige Debütalbum zu sprechen zu kommen.
2. Fail: Der Vergleich mit Sebastian Deisler
3. Fail: Diese Album so zu zerreißen und auf selber Seite "Blaues Blut" abzufeiern
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-4 #5 Tothefullest 2013-04-25 06:55
Wie kann man diesen neumodischen Müll in irgendeiner Weise rechtfertigen? Der Fall liegt doch klar auf der Hand: Beats Schrott, Stimme schwul, Features schlecht, Produktion daneben: Misslungenes Projekt, mach wieder stumpfe Clubmukke für dumme Leute. Herr Marquardt hat ganz recht, man ist nach kurzem Reinhören (2 Sekunden) schon so sehr am Ende, dass man sofort erstmal die Neue von Rick Ross, French Montana, Gucci Mane, Kollegah und Farid anhören muss, um nicht sofort unsäglich zu verenden. Danke rap.de, dass ihr diese Scheibe als das entlarvt habt, was es ist: Eine Riesenfrechheit und wer soetwas allenernstes hört...
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-2 #4 R.r.R. 2013-04-24 20:46
da janiv ueblicherweise ein spasti ist, cudi allerdings auch... hab ich mich eben mal dazu entschlossen herauszufinden, was ein spasti an einem spasti schlecht finden koennte.

stellt sich heraus:
der spasti scheint die whackness des anderen spastis zu erkennen. ueber diese einsicht meditiere ich jetzt mal und versuche es zu verstehen.
oder ich geh mal kacken. hmmm.
jo. kacken. da kommt wahrscheinlich was besseres bei raus.
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