Dexter – The Trip (Album)

Wie Pilze schießen sie momentan aus dem teutonischen Boden, die Frickler und Beatnerds. Die Freunde des Verqueren, die Feinde der Quantisierung. An vorderster Front dieser Mischpoke marschiert seit Stunde null der Heilbronner Produzent Dexter, sein Blondschopf weht im Takt zum Luftdruck aus dem Subwoofer. Frenetisch schwenkt er die Fahne für den Speck-in-der-Pfanne-Sound. Wer schonmal eine Schallplatte aus der Jugend von Vati und Mutti auf den Plattenteller gelegt hat, hat ihn auch erleben dürfen. Diesen warmen, wohlig knisternden Klang aus einer 40 Jahre alten Vinylrille. Pops, Crackles and Static – Speck in der Pfanne eben. Brutzel brutzel.

Besagter Dexter schlägt nun mit seinem Instrumental-Werk „The Trip“ ein weiteres Kapitel der deutschen Beatkultur auf. Ein sehr interessantes obendrein. Eine mit psychedelischen Soundelementen durchzogene Kampfansage an jeglichen Plastik- und Presetmüll. Akustisches Greenpeace, wenn man so möchte. Zwar hat Dexter bereits mit Beats für erfolgreiche Rapper wie Cro („Ein Teil„) oder Casper („Der Druck steigt/ Blut sehen„) produziert und wird wohl auch auf dem kommenden Album von Xatar vertreten sein. Am liebsten aber macht er seine Musik ganz für sich.

The Trip“ führt den geneigten Hörer direkt ins Jahr 68. An die Westküste Amerikas. San Francisco. Freie Liebe. Friede, Freude, Eierkuchen. Oder besser: Friede, Freude, Haschkekse. Und LSD. Unmengen davon. Die Droge war damals nicht nur im übertragenen Sinne in aller Munde. Man mag vom unkontrollierten Konsum wesensverändernder Substanzen halten was man will, eines steht jedoch außer Frage: Ohne das Gebräu von Albert Hoffmann wäre diese Zeit musikalisch gesehen nie und nimmer so unfassbar fruchtbar und unendlich interessant geworden. Kreativität, Aufbruchsstimmung, Rebellion, Ausbruch aus sämtlcihen Normen. Und dazu durfte jede(r) mit jede(r)m. Konsequenz: Eine schier unübersichtliche Armee heutzutage weitesgehend unbekannter Bands formierte sich in dieser Ära. Einer Ära, die an klanglicher Vielfältigkeit und Experimentierfreudigkeit kaum jemals wieder übertroffen wurde. Der Psychedelic-Rock wurde geboren.

Und was damals gut war, ist es auch heute noch. Erst recht, wenn es von Dexter fachgerecht in ein maßgeschneidertes neues Gewand gekleidet wurde. Nike Airs statt Sandalen. Hoodies statt Batikshirts. Basecaps statt geflochtenen Blumenkränzen. „The Trip“ versteht es auf spielerische Art und Weise, die Essenz der Psycho-Mucke der späten Sixties in einen kontemporären HipHop-Kontext herüberzutransportieren.

Fuzzige elektrische Klänge wechseln sich mit herzallerliebsten akustischen Gitarren ab. Verträumte Harfen, kreischende Orgeln mit Staub in den Tasten, durchdringende Basslines, dramatische Streichersätze und abgedrehte Soundeffekte. Sidechainkompression meets Sitharsolo. Dazu punktuell eingesetze, teils vom Meister im heimischen Schlafzimmer am Minimoog-Nachbau selbst eingespielter Synthesizer. Das alles auf dicken, satten Drums der Marke Bummzack. Das alles mündet in ein sehr stringentes, in sich stimmiges Gesamtbild, mit einem deutlich sicht- bzw. hörbaren roten Faden. Das ganze charmant aufgelockert mit Vocalcuts und kurzen Interludes aus der Schule eines Madlib. Der druckvolle HipHop-Sound von heute fusioniert mit der naiven weltoffenen Verspieltheit vergangener Tage. Aus Psychedelic-Rock wird auf organische Art und Weise Psychedelic-Hop. Einzelne Songs hervorzuheben ist gar nicht nötig, da „The Trip“ ein Gesamtkunstwerk ist. Vom Betätigen der Skip-Taste wird daher dringend abgeraten – zumal die Stücke sowieso sehr flüssig ineinander übergehen.

Mit „The Trip“ ist dem Posterboy des deutschen Stolpersounds ein wahnsinnig gutes Instrumentalalbum gelungen, welches keinen internationalen Vergleich mit egal wem scheuen muss. In der Tat ein Trip, den man nicht verpassen sollte.

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