KC Rebell – Banger rebellieren (Album)

Was tut Man(n), wenn der Hunger sich meldet? Essen! Was ist man, wenn man aus Essen stammt? Hungrig. Ganz einfache Milchmädchenrechnung. Gut, selbstverständlich ist nicht jeder Essener aufgrund eines unbändigen rapmusikalischen Tatendranges im ICE unterwegs zur Zugspitze des deutschen Straßenraps. Einer von ihnen ist es allerdings, und zwar mit dampfenden Kesseln: KC Rebell. Hungrig ist der frischgebackene Banger allemal. Richtig hungrig sogar. Man meint über die gesamte Spieldauer von „Banger rebellieren“ ein deutliches Magengrollen im Hintergrund zu hören.

Nachdem KC letztes Jahr bereits mit dem Album „Rebellismus“ seine Solokarriere mit dem Kapitel 2 nach SAW ordentlich vorantrieb und den Pflichtteil durchaus sauber absolvierte, folgt nun ein Jahr später über das Label Banger Musik seines Kumpels Farid Bang mit „Banger rebellieren“ die Kür. So präzise auf den Punkt hat KC seine verschiedenen Fähigkeiten, von ignoranten Punchlines über Clubtracks bis Herzschmerz-Lieder, noch nie ausgespielt wie hier.

Farid Bang der Schirmherr, Banger Musik das Label, „Banger rebellieren“ der Titel – eine Menge Bang also, bevor man die CD überhaupt ins heimische Laufwerk eingespeist hat. Und dieser Endruck verfestigt sich nach dem ersten Durchhören: KC Rebell macht dieses Mal richtig ernst. Angefangen beim Titelsong „Banger rebellieren“ über „Kanax in Paris“ mit Farid Bang, „Raprebelizzy“, „Größenwahn“, „Sky is the Limit“, „Alle Blicke auf uns“ bis hin zu „Erst hassten sie“: KC richtet seinen Fokus mit der Präzision eines Laserpointers auf die genreüblichen Themenschwerpunkte. Ein obligatorisches Loblied auf das eigene Ego, der Titel: „Fuck bitches, get money!“ Und dies ist mitnichten despektierlich zu verstehen. Woher denn auch? Das plakative Schaukeln der eigenen Eier auf „Banger rebellieren“ anzukreiden wäre etwa so, wie wenn man ins Fußballstadion ginge, um sich dort dann über den Lärm zu beschweren – sinnlos. Rap ist zu einem großen Teil Selbstvergewisserung uns Standortbestimmung. Man muss es halt sauber verpacken können – und das kann KC:

Drive by, Crimetime, es knallt aus dem Hummer/ der schwarze Scheiben hat wie ein Schallplattensammler und ich knalle deinen Schädel gegen die Windschutzscheibe/ weil ich der deutsche Kimbo Slice bin

Die Marschroute auf „Banger rebellieren“ ist sehr deutlich: volle Kraft voraus, wer im Weg steht – Pech gehabt. Wer jetzt allerdings dem Irrglauben verfällt, KC Rebell habe außer seiner ausgiebigst zelebrierten Affinität zum guten Leben absolut nichts mitzuteilen, sieht sich getäuscht. Neben all den Songs, bei denen sich der Eindruck einschleicht, KC hätte den Stift beim Schreiben mit beiden Mittelfingern geführt, finden sich durchaus auch einige nachdenklichere Songs auf dem Album – bekanntlich seit den ersten Songs mit PA Sports eine Stärke des Esseners. Mitlerweile schafft es KC aber, diese Vorliebe weit besser und treffender auszuspielen als in der Vergangenheit. Bereits der interessanterweise direkt nach dem Intro inklusive DJ-Action als Album-Opener platzierte Song „Anhörung“, eine in Reimform vorgetragene Gerichtsverhandlung, demonstriert: KC ist ein Rebell, ein Banger, ein Großkotz, aber: er ist durchaus reflektiert.

Zu geringe Hemmschwelle? Da wo ich herkomme nennt man das Respektschelle/ Zu viele Pisser machen hier ein‘ auf Babo/ ziehen ein Gramm Koks und fühl’n sich wie Rambo/ Sie lernten nix über Respekt in ihrem Leben/ ich geh allem aus dem Weg, doch schau nicht weg, wenn ich es sehe

Frei nach dem Motto: Auch ein erkaltetes Herz kann am rechten Fleck sitzen. Dass genau dies bei KC Rebell der Fall ist, stellt er auf „Banger rebellieren“ desöfteren unter Beweis. Etwa mit „Es tut mir leid“, auf welchem sich KC das Gewissen von allem möglichen Negativen in seinem Leben reinzuwaschen versucht:

Ich würd für jeden von euch mein letztes Blut lassen/ Alles was ich heute will ist Wiedergutmachung

Gerappte Vergangenheitsbewältigung gibt es auch auf „Weißt du noch?“, einer sehr ehrlich vorgetragenen Abhandlung einer verflossenen Liebschaft.

Ein bisschen Angeberei, ein paar Liebeslieder also und das war’s? Nein. Auch dem Negativen widmet KC seine Aufmerksamkeit. Den “Falschen Schlangen“ beispielsweise wird auf der gleichnamigen Schwesta Ewa-Kollabo eine akustische Abrechnung präsentiert.

Bruder du musst aufpassen, wem du deine Hand gibst/ Achte drauf wer in die Augen sieht und wer dich anschielt

Den beschwerlichen Umständen, denen die weniger privilegierten Mitbürger unseres Wohlstandsstaates sich oft ohnmächtig ausgeliefert sehen, wird auf “Kopfkino“ unter tatkräftiger Mithilfe von Vega und dem SAW-Kumpel PA Sports auch noch eine zornige Kampfansage gewidmet.

Bei all den Wechselspielen zwischen Großpimmeligkeit und Trübsal findet KC auch noch die Zeit, auf „Freestyle Skit“ ein wenig dem Kunsthandwerk zu frönen. Ein gut gemachtes Interlude, welches das Gefühl vermittelt, die Lyrics wäre synchron zum Beat entstanden. Wohl auch ein Gruß an alle, die KC am liebsten in die Straßen/Kanaken-Rap-Schublade stecken würden. KC ist aber ein Rapper, der mit seinem markanten, immer ein bisschen unrasiert klingenden Organ mehrere Schienen bedienen kann. Hart, unnachgiebig, zögerlich, traurig, arrogant, selbstbewusst – so vielfältig, wie die menschliche, in diesem Fall vor allem die männliche Natur eben ist.

Was „Banger Rebellieren“ aber mit am deutlichsten aus der Masse sonstiger Deutschrap-Releases hervorhebt, ist die Produktion des Albums. Juh-Dee und Joshimixu haben ganze Arbeit geleistet und ein paar Banger abgeliefert, die auch auf einem Album von Rick Ross oder Chief Keef ihren Platz gefunden hätten, ohne störend aufzufallen. Besonders das herrlich bassverschranzte „Kanax in Paris“, das nach einer Opiumhöhle in Chinatown klingende „Raprebelizzy“ und der Clubbanger „Sky is the limit“ bleiben dem Rezensenten im Gehörgang hängen.

Mit „Banger rebellieren“ ist KC Rebell ein sehr solides , streckenweise sogar sehr gutes und vor allem abwechslungsreiches Rap-Album gelungen, das Genrezuordnungen wie Street-, Gangsta- oder Ausländer-Rap hinter sich lässt. Mit seinem dritten Album ist KC offenbar so nahe bei sich wie mit keinem seiner beiden Releases zuvor. Dieses Mal macht er ernst. Und es macht Spaß, ihm dabei zuzuhören.

 

 

 

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