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REVIEW

20.06.2013 Autor: Phil Weichert

Genetikk - DNA (Album)

Fast perfekt

Redaktionsbewertung

Zur Zeit läuft es im Hause Selfmade wie am Schnürchen. Das letzte Release "Jung, brutal, gutaussehend 2" verkauft sich immer noch wie geschnitten Brot und mit "D.N.A." vom Duo Genetikk steht auch schon der nächste Kandidat für den ganz großen Coup in den Startlöchern. Die Erwartungen sind nach dem bereits veröffentlichten Snippet, der Featureliste, die unter anderem mit einem Gastpart von Wu-Tang Gründungsmitglied RZA aufwartet und den Vorab-Tracks natürlich enorm. 

Genetikk scheint das aber nicht aus der Ruhe zu bringen. Bereits beim Intro und dem darauffolgenden Track "Spezies" wird deutlich, dass das Duo HipHop auf den kleinsten gemeinsamen Nenner bringt. Ein MC, ein DJ und fertig ist die Sache. Gimmicks, Faxen, Effekte? Lass mal. Dazu kommen noch hochwertige Beats und Produktionen. Denkbar einfache Formel eigentlich - aber wie man in der Praxis sieht, nicht immer denkbar einfach umzusetzen.

Bereits das Intro überzeugt mit druckvollem Bass, knallenden Snares und Scratch-Einlagen. Auch Tracks wie "Spezies" und "Yes Sir" tropfen vor Dopeness nur so. Gerade "Yes Sir" zeigt eindrucksvoll, wie stark sich das Duo weiterentwickelt hat. Es gibt knallende Bässe gepaart mit druckvollem Stimmeinsatz und dem notwendigen Spritzer Aggressivität. Das Ganze schlägt einen Bogen von klassischem Backpack-Rap zum Straßen-Shit. Generell fällt es schwer, das Album irgendeinem vermeintlichen Subgenre zuzuordnen. Es bietet Einflüsse diverser Rapstile wie -epochen und bleibt dabei immer eigenständig. 

Mit "Packets in the Boots" gibt es dann sogar den ultimativen Kopfnicker Track auf die Ohren. Das bereits breit angekündigte Wu-Tang Feature RZA bietet dabei leider nicht die erwünschte Offenbarung, ist aber trotzdem sehr solide. Und auch Karuzo funktioniert auf diesem Battlesound-lastigen Tracks perfekt. Die Mischung aus arroganter Ignoranz und Gedisse gegen Kommerz und Whack MCs ergibt ein absolutes Highlight von "D.N.A.". 

Die Jungs lieben einfach die HipHop Kultur, das beweisen die zahllosen Anspielungen und Verweise auf Klassiker und ehemalige Hits, die die beiden feiern und auf ihrer Platte eine ganz eigenen Note geben. Sei es der Anfang vom Titeltrack "D.N.A.", der mit einer "Füchse" Hommage daher kommt oder einzelne kurze Passagen, die immer wieder Rapklassiker aufgreifen.

"Scheiß auf jeden, ihr seid alles keine Member/ Macht Mukke für den Sommer/ ich nur für November. Immer wenn es regnet musst du an mich denken/ von Bling Bling und Strass lasse ich mich nicht blenden/ Eure Welt ist bunt, alle sind glücklich und zufrieden/ dann sag mir warum gibt es auf der Welt keine Liebe? "(Packets in den Boots). 

Etwa bis zur Hälfte macht das Album einfach unverschämt viel Spaß. Die Jungs zerlegen damit locker so ziemlich alles, was zur Zeit sonst so an Deutschrap-Releases rausgekommen ist. Man merkt wie hungrig und frisch Karuzo und Sikk sind. Namentlich gedisst wird übrigens auf dem kompletten Album nicht - hat man offenbar gar nicht nötig.

Leider gilt diese Lobeshymne aber nur bis zu Track 12, dem bereits veröffentlichten "Liebs oder lass es" mit Sido. Ab da beginnt die Platte leider ein wenig zu schwächeln. "Lieb es oder lass es" ist einfach die typische Radiosingle, die durch einen für Genetikk-Verhältnisse recht banalen Text und Sidos soliden, aber durchaus nicht herausragenden Part zum Rest abfällt. Während in den Vorgängertracks noch ordentlich auf die Kacke gehauen wurde und ein trockener Fick auf Massenkompatibilität gegeben wurde, bricht der Song leider mit dieser Linie.

Dass der nächste Track "Alles möglich" danach gleich wieder die düstere Schiene aufgreift und thematisch mit am schwersten zu verdauen ist, ist zwar sehr zu begrüßen, lässt den Vorgänger aber noch unnötiger erscheinen. "Alles möglich" ist ein sehr intensiver Seelenstriptease, der einen Blick auf Karuzos nicht unbedingt harmonische und heitere Kindheit wirft.

"Du bist weg" setzt diesen Weg dann konsequent fort. Thematisch dreht sich der Track um den frühzeitigen Tod eines Kindes. Bis zur Hook wunderbar umgesetzt, leider passt eben diese Hook nicht wirklich in das anspruchsvolle Konzept, was vor allem an den recht platten Worten liegt. Mit "Strawberry Fields" wird das Steuer aber endgültig wieder herumgerissen. Ein drückender Beat mit bitterbösen Texten und kampfeslustigen Flow. Einfach purer In-die-Fresse-Rap - und das ist dann auch mal wieder einfach gut so.

"Ich will nur weit weg und meinen Frieden wiederfinden/ dort wo die Sirenen ihre Wiegenlieder singen/ Mein Hippie-Daddy hat geschworen, dass es sie gibt/ Ich such schon mein Leben lang nach diesen Strawberry-Fields./ Doch wenn einer glaubt er kann mich in die Knie zwingen/ werde ich seine Seele seinem Schöpfer wiederbringen/ Mein Hippie-Daddy hat geschworen, dass es sie gibt./ Ich schaufel eure Gräber auf den Strawberry Fields." (Strawberry Fields)

Mit "Kappa Alpha Rho" sowie dem "Outro" wird es dann zum Schluss leider noch mal etwas seicht. Erstgenannter Track ist nicht mal ansatzweise so interessant wie seine Vorgänger. Ernüchternd plätschern die Raps vor sich hin und auch textlich ist da nichts großartig neues vorhanden, was man nicht schon aus vorherigen Tracks kennt. Mit dem Outro zeigt dann ausgerechnet der Alleskönner MoTrip, dass auch er mal einen schwächeren Tag erwischen kann. Klingt beinahe schon lustlos - schade.

Die wenigen Ausfälle verhindern jedoch nicht, dass Genetikk mit dieser Platte ein Meisterwerk hingelegt haben und im Vergleich mit "Voodoozirkus" noch mal eine ordentliche Schippe drauflegen können. Dazu kommen die druckvolle Stimme und der lässige bis nachlässige Flow von Karuzo. Durch die Verschmelzung verschiedener Stile und Motive wird die Platte unglaublich vielseitig und interessant. Hätte man die Platte von 18 auf 14 Tracks reduziert, dann hätten Genetikk mit "D.N.A" einen absolut perfekten Deutschrap-Klassiker hingelegt. So reicht es immer noch zu einem heißen Anwärter aufs Album des Jahres. Und vielleicht kann beim nächsten Mal ja Rick Rubin helfen, noch einen kleinen Tick fokussierter vorzugehen.

 

 

 

Label: Selfmade Records

Kommentare   

 
-1 #8 Retrodios 2013-07-17 01:04
Lieber Phil,

nächstes Mal bitte zu "reviewende" Alben mehr als nur einmal nebenbei hören. Haste diesmal nicht gemacht, oder? Wenn doch wäre es schon peinlich, dass du alles möglich für nen Seelenstripteas e hälst. Eigentlich müsste dem zuhörenden Zuhörer auffallen, dass sich dort viele Zeilen widersprechen und schon Titel und Hook deuten darauf, worum es eigentlich geht: Karuzo erzählt nen Scheiß über sein Leben, will nichts darüber erzählen, und wenn doch, dann so, dass man nicht weiß, was wahr ist.

Bei "Du bist weg" geht's um den sehr frühzeitigen Tod eines Kindes, nämlich bevor das Geschlecht ersichtlich war. Also um ein abgetriebenes oder abgegangenes Kind.

Deshalb gebe ich auf deine Review einen Scheiß. Oder keinen Fick. Wie auch immer.

Das Album gefällt mir übrigens gut, "Liebs oder lass es" ist eher was zum skippen, aber sonst echt geil.
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0 #7 Yosaku 2013-07-10 18:05
Geht es nur mir so, oder finde ich den Beat im Intro am besten von allen auf dem Album? Schon Track 2 flacht sehr ab.

Obwohl mit weder die Betonung noch Akzent noch Rapstil von Karuzo gefallen, und auch die Themen extrem langweilig sind: das Album ist topp! Wirklich gut produziert und es wird vermutlich sehr vielen gefallen, nämlich den Fans von Prinz Pi, Cro, JBG oder gar z.B. Hoodrich
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-2 #6 bring 2013-07-02 21:17
D.O.A

DA OWND ALIENS
Falls ihr neckbreaker beats braucht holt euch mal paar lehrstunden bei el-p oder s-x!
Oder fragt mal die Yakuza

http://frokrates.wordpress.com/2013/07/02/mousouken-yakuza-ryu-ga-gotoku/
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+2 #5 Fritz Flash 2013-06-24 11:26
Gute Album, nur die Featuretracks sind bis auf das Outro mit Motrip alle wack. Kollegah passt überhaupt nicht auf dieses grundsätzlich gute Album, der Track mit Sido ist einfach 100% ein Radio-Sido Track und Rza hat seinen Part wohl aufgenommen bevor er den Beat hatte...
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0 #4 Da_Neckbreaker_Alien 2013-06-22 09:13
DNA ist der Release des Jahres! Das sagt alles....
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0 #3 Dieser Ananas 2013-06-22 06:13
gutes release, wenn nicht sogar das beste dieses jahr. mal sehen was noch so kommt...

zunächst mal muss man sagen, dass sikk einfach mal derbe beats abgelifert hat. der rap von karuzzo ist auch dope. alle tracks sind stimmig und passend zueinander. bis auf den song mit sido... den man einfach nur skippen kann.

die jungs wollten laut eigener aussage ihr vorheriges album release toppen, das haben sie gemacht.

freue mich jetzt schon auf das nöchste album ! endlich mal wieder guter deutscher hiphop !
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+10 #2 Klaas L. 2013-06-21 22:47
und wie sehr mich diese neue generation nervt...diese scheiß kiddies, die schon mit 14 oder 15 meinen sie hätten plan von der materie und könnten in jeglicher hinsicht kritik üben. fickt euch. redet irgendwas von szene. haltet die fresse, kauft euch noch schnell ne snapback und airmax bei scheißsnipes, aber lavert nicht über musik und deren umsetzung.
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+1 #1 Klaas L. 2013-06-21 22:43
:D rap.de - highlight
wie mich ein kumpel fragte wie ich die platte finde und ich antwortete, dass ich inzwischen bei track 9 angekommen sei, es mich aber noch nicht soo flasht wie ich es mir erhofft hatte.
grade den track mit rza fand ich richtig schlecht. ganz im ernst? wenn das solide ist?! dann amen. hätte der nicht diesen namen würde jeder es zerreißen. da fallt ihr leider oft drauf rein.
zum ende schreib ich ihm dann, dass die zweite hälfte auf jedenfall einiges rausholt.
wie soooo oft, habt ihr halt ne ganz seltsame sichtweise(in meinen augen). was natürlich vollkommen in ordnung ist, sonst wäre msuik ja langweilig.
im gegensatz zu anderen medienportalen bin ich durch rap.de jedoch noch nie auf eine platte oder einen künstler aufgrund einer review aufmerksam geworden.
diese rubrik auf eurer seite könnt ihr euch schenken.

gruß und hate für eure reviews,

klaas
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