Massiv – Blut gegen Blut 3 (Album)

Stell dir vor: Ein ganz normaler Donnerstag. Ein ruhiger Abend. Es passiert nicht viel. Langeweile macht sich breit, aber die Art angenehmer Langeweile, die dich träge zufrieden auf dem Sofa hängen lässt. Es gibt im Deutschen dafür das schöne Wort Gemütlichkeit. Braucht jeder ab und zu. Doch plötzlich: Schüsse! Peng, peng. Und da: Ratatatatata! Gewehrsalven, offenbar aus einem Maschinengewehr. Gebrüll! Nebel füllte den gerade eben noch so friedlichen Raum, Menschen laufen in Panik durcheinander. In wenigen Sekunden ist die scheinbar harmonische Situation gekippt. Aus Kontrolle wurde Chaos.

Dabei hat nur jemand, wer, ist jetzt nicht mehr genau zu sagen, da alles in ohrenbetäubendem Krachen und Pengen versinkt, die neue CD von MassivBlut Gegen Blut 3“ in den CD-Player gesteckt und auf Play gedrückt. Aus den Boxen erhebt sich sofort ein bestialischer Lärm, der nicht nur den Staub von den Sesseln bläst wie du gleich „Satan seine Keule„, sondern das Zimmer umgehend in ein apokalyptisches Szenario voll sinnloser, atavistischer Gewalt stürzt. „Mothafuckin Bitch in your Ass, Nigga“ brüllt jemand durch die sich rasch ausbreitenden Nebelschwaden. Es ist Massiv. Er ist blutüberströmt, er ist halbnackt und er grinst.

Wie ein Gewitter, wie ein Erdbeben, wie ein Tsunami bricht „Blut Gegen Blut 3“ über dich herein. Wie die Apokalypse beendet sie die vermeintliche Idylle. Wie ein Panzer pflügt Massiv alles in Grund und Boden, wie ein Berserker stürmt er rasend vor Wut auf die feindlichen Linien los und hinterlässt nichts als verbrannte Erde. Wie die einzelnen Songs heißen, ist eigentlich egal, genau so, wie die Frage, wer noch dabei ist. Stand ja bereits überall. „Blut Gegen Blut 3“ ist ein einziger Tobsuchtsanfall, ein Tourette-Marathon, ein Wut- und Hasspredigt in Rapform. Pardon wird nicht gegeben. Frieden ist kein erstrebenswertes Ziel. Es geht nur darum, möglichst viele Gegner in möglichst kurzer Zeit umzuhauen. Gefangene? Werden nicht gemacht.

In all dem Chaos gibt es gerade mal zwei rettende Inseln: Den Song „Wir sind wie wir sind Bruder“ mit MoTrip, JokA und Vega, bei dem sich Massiv seinen nachdenklichen Gästen anpasst und eher im Stile von „Solange mein Herz schlägt“ rappt. Und „H-S“ mit RAF Camora, auf dem der Wiener einen blitzsauberen Part abliefert. Wenn dir RAF 3.0 zu melodiös und besinnlich war, wirst du hier therapiert.

Die Grundlage für diesen verbalen Amoklauf liefern u.a. Abaz, Phat Crispy, Juh-Dee, Jumpa, JS Kuster von den Snowgoons, Nuri Singör und KD-Beatz. Natürlich reden wir nicht über sample-basierte, melancholische Beats, sondern über MPC-Granaten, über Synthiebanger, kurz über das musikalische Äquivalent zu Massivs Tiraden am Mic.

Irgendwann, nach gefühlten zwanzig Jahren Krieg und Songtiteln wie „Starr in meine 9mm„, „Ich ficke alle“ (mit einem ebenfalls sehr schlechtgelaunten Afrob – hoffentlich erreicht der VfB nächstes Jahr wieder die Europapokalplätze), „Crack-verjunkte Whitney“ oder schlicht „Power Power„, verzieht sich der Rauch. Mühsam stehst du vom Boden auf, sammelst benommen deine ausgerissenen Gliedmaßen wieder ein, versuchst, die Panzerspuren auf deinem Fußboden mit dem Wischmob zu beseitigen und fragst dich, was zur Hölle das war. Das brutalste Rap-Album aller Zeiten? Eine bewusst überspitzte Parodie auf Gangsta-Rap? Oder die Folgen einer unkontrollierten Testosteronpräparate-Einnahme? Egal. Du wurdest geBGB3t. Kehr die Scherben weg. Wisch dir das Blut ab. Und sei froh, dass du es überlebt hast.

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